Honda VT 1100 C2 Shadow/Ace (Archivversion)

Riesen-Softie

Mit der VT 1100 C2 kam Honda der US-Legende Harley optisch verdammt nah. Nur die geringe Motorleistung wirkte deplatziert. Interessant: der fallende Preis für gebrauchte Riesen.

Geschmack ist Glücksache. Und Glück hat nicht jeder.« Der Kalauer über den Geschmack anderer Leute ist uralt. Im Fall der Honda Shadow kam er fast ausschließlich von der Harley-Fraktion, und er bezieht sich durchweg auf das optisch wenig geglückte Vorgängermodell 1100 C. Deutlich stimmiger und dem US-Vorbild viel näher geriet die C2, ab 1995 gebaut und in Deutschland mehr als 4000mal verkauft. Immerhin hatte Honda für das lukrative Chopper- und Cruisergeschäft eigens in den USA ein Werk in Marysville im Bundesland Ohio gebaut.Mit den imposanten Werten von fast sechs Zentnern Gewicht, einem Radstand von 1,65 Metern, dem mehr als meterbreiten Lenker und zwei ofenrohrdicken, parallel geführten Schalldämpfern wirkt die VT 1100 C2 auf den ersten Blick respekteinflößend. Doch schon beim Platznehmen auf dem bequemen Einzelsitz, dem Blick auf das karge Cockpit und der vor allem für Kurzbeinige angenehmen Position der Fußrasten stellt sich statt kritischer Aufmerksamkeit schnell entspannte Neugier ein.Das gebrauchte Exemplar, das MOTORRAD inspizierte, gehörte dem Motorradhaus Mayer in Schorndorf und wirkte trotz Baujahr 1995 ladenfrisch, hat allerdings auch nur 5000 Kilometer auf dem Tacho. Zum Preis von 13 999 Mark könnte es den Besitzer wechseln. Beim Start glaubt der VT-Neuling zunächst, er sei im falschen Film. Denn jeder erwartet einen Sound, der im Volumen ungefähr dem Äußeren entspricht. Die Lebensäußerungen des mächtigen Triebwerks geben sich jedoch dermaßen dezent, dass man eher einen kleinvolumigen Reihenmotor als einen großen V2 assoziiert, dessen beide Pleuel ihre Arbeit klassisch auf einem Hubzapfen erledigen.Der Dreiventiler verhält sich aber nicht nur in Sachen Geräuschen so handzahm. Anfahren im ersten Gang, Bremsen, Schalten, Balance halten im Schritt-Tempo – alles trotz der gewaltigen Ausmaße ganz easy. Wie es Honda gelungen ist, rund um die ganzen Harley-Ähnlichkeiten eine ausgewogene und leicht zu manövrierende Maschine auf die Räder zu stellen, das überzeugt.Ebenfalls nachahmenswert, dass bei der Shadow die Ventile nie eingestellt werden müssen. Hydrostößel machen’s möglich. Nur bei einer Demontage des Zylinderkopfs, das heißt bei einer Motorreparatur, ist eine Neujustierung nötig. Aber an dem niedrigtourigen Zweizylinder – zirka 5000/min ist schon das Maximum – geht eigentlich nie etwas kaputt. Laufleistungen von bis zu 100000 Kilometern sind theoretisch ohne Revision möglich, werden allerdings bei den Cruisern gemäßen Kilometerleistungen praktisch kaum erreicht.Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Die vordere und hintere Bremse haben bei zügiger Gangart schon auf der Landstraße ihre liebe Mühe, die Masse so effektiv zu verzögern, wie es nötig ist. Shadow-Fahrer berichten von Alpenpässen – zugegeben nicht gerade das ideale Einsatzgebiet –, bei denen kräftiges Fading auftrat. Auch fahrwerksseitig ist die C2 auf der altmodischen Seite. Von den zehn Zentimetern Weg der beiden Federbeine hinten frisst das Schwermetall-Krad bereits im Ruhestand die Hälfte. Die Vorderpartie läuft Längsrillen nach, die Heckpartie hoppelt wenig kommod über Unebenheiten.Der Gangwechsel über einen langen Wippschalter gerät wegen der langen Wege etwas hakelig und ist gewöhnungsbedürftig. Außerdem ist der letzte, der fünfte Gang, so lang ausgelegt, dass er höchstens als Overdrive Sinn macht. Überhaupt wirkt die American Classic Edition (ACE) mit den zur Verfügung stehenden 50 PS irgendwie untermotorisiert. Das Nachfolgemodell, die ab 1998 mit ins Programm genommene C3, wird immerhin alternativ mit 50 und 57 PS angeboten. Doch laut Aussage von Honda ist die Aufrüstung mit anderen Ansaugstutzen am C2-Modell trotz gleicher Vergaserweite nicht möglich. Auch Alpha-Technik bietet keinen Umbausatz an, »weil kein Bedarf vorhanden zu sein scheint«. Folglich kann der Shadow-Fahrer jetzt zwar optisch der US-Legende Paroli bieten, hinkt aber dem preisgünstigsten Big-Twin-Modell, der Dyna Super Glide, leistungsmäßig um 18 PS hinterher.Wesentliche Modifikationen hat die C2 innerhalb ihrer Laufzeit ab 1995 kaum erfahren. 1998 modifizierte Honda die Gussscheibe im Vorderrad, die jetzt keine Bohrungen mehr aufweist. Ein Zusatz-Luftfilter, ein geänderter Öl- und Kühlwasser-Kreislauf sowie härtere Federn komplettierten den neuen Jahrgang. Anfängliche Lichtmaschinen-Reglerdefekte, bei denen auch die Batterie kollabierte, waren selten und wurden von Honda kulanzmäßig beseitigt. Das Problem für C2-Besitzer ist, dass Honda nach dem Debüt der C3 für 1999 den Preis für das ältere Modell um mehr als 4000 Mark senkte. Damit ist der Wertverlust für alle älteren C2 eklatant. Interessenten einer Gebrauchten sollten ins Kalkül ziehen, dass bei einer offiziellen Preisempfehlung von knapp 16000 Mark für die VT 1100 C2 einige Händler neue Ladenhüter günstig verkaufen.
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Gebrauchtkauf: Honda VT 1100 C2 Shadow ACE (Archivversion)

Honda VT 1100 C2Technische DatenMotorWassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-45.Grad-V-Motor, Zylinderwinkel 45 Grad, eine obenliegende kettengetriebene Nockenwelle, drei über Hydrostößel und Kipphebel betätigte Ventile pro Zylinder, zwei Gleichdruckvergaser, 0 36 mm, kontaktlose Transistorzündung, keine Abgasreinigung, Hubraum 1099 cm³, Nennleistung 37 kW(50 PS) bei 4500/min, Fünfgangetriebe, Kardan, E-StarterFahrwerkDoppelschleifenrahmen aus Stahl, geschraubter, rechter Unterzug, Telegabel, Standrohrdurchmesser 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, zwei Federbeine hinten, verstellbare Federbasis, Scheibenbremse mit Doppelkolbensattel vorn, 0 316 mm, Scheibenbremse hinten, 276 mm, Speichenräder, Federweg vorn/hinten 150/100 mmMaße und GewichteSitzhöhe 730 mmTankinhalt/Reserve 15/3,5 LiterGewicht vollgetankt 281 kgZul. Gesamtgewicht 465 kgService-Intervalle alle 6000 kmTestwerteHöchstgeschwindigkeit solo/mit Sozius 158/147 km/hBeschleunigung 0-100 km/h solo/mit Sozius 6,1/7,9 sekVerbrauch 6,8 LiterKraftstoff Normal Ersatzteil-PreiseSturzteileKupplungsarmatur 65 MarkHandbremsarmatur 66 MarkBremszylinder vorn 331 MarkLenker 169 MarkRückspiegel 126 MarkBlinker vorn 47 MarkTachometer 337 Markein Gabelstandrohr 323 MarkSchutzblech vorn 349 MarkVorderrad 938 Markein Schalldämpfer 387 MarkTank, lackiert 1224 MarkRahmen komplett 2970 MarkWasserkühler 985 MarkVerschleißteileBremsbeläge vorn, 55 MarkKupplungsbeläge, ein Satz 211 MarkBremsscheibe vorn 584 MarkLuftfilter 39 MarkÖlfilter 15 MarkBatterie 144 MarkSpeichensatz vorn 215 MarkSpeichensatz hinten 227 MarkStärken und SchwächenStärkenLaufruhiger MotorWartungsfreies VentilspielKardanantriebSchwächenSchwache BremsenWenig LeistungZu langer fünfter GangTest in MOTORRAD1Test 26/1994Vergleichstest 9/1995Reifenfreigaben Typ ____vorn hintenAlternativbereifungFußnoten:1Tests können beim Verlag bestellt werden, Telefon siehe Kasten auf Seite xxx.

Gebrauchtkauf: Honda VT 1100 C2 Shadow ACE (Archivversion)

Relevant für den Kauf war der seit 1999 angemessenere Preis. Inzwischen habe ich 7500 Kilometer zurückgelegt. Probleme bereitet die Vergaser-Synchronisierung. Nach Fahrtstrecken von ungefähr 200 Kilometern ist jeweils eine Korrektur der Einstellung erforderlich. Eine schlampige Lackierung des Rahmens wurde erst nach mehrwöchigen Telefonaten mit Vertragshändler und Importeur durch liebloses Überpinseln ausgebessert. Die Übersetzung ist zu lang geraten und der Sprung zwischen erstem und zweitem Gang auf Alpenpässen in den Kehren lästig.Henry Mäurer, CelleDie Shadow 1100 bestellte ich 1995 blind. Bei der Auslieferung dann die Ernüchterung: Plastik, ein Lüfter für die Wasserkühlung in undefinierbar dunklem Olivgrün und ein durch Schweißpunkte verzogenes hinteres Schutzblech. Das passte nicht in meine Vorstellung von einer so teuren Maschine. Erst Soundtuning und Änderung der Optik (andere Blinker und Kennzeichenhalterung) sowie vorverlegte Fußrasten sorgten für unbeschwertes Dahingleiten. Jetzt sind auch Tagesetappen von bis zu 1000 Kilometer zu bewältigen. Inzwischen bin ich 35000 Kilometer gefahren und mit der Shadow zufrieden. Die Freude an der wartungsfreien und zuverlässigen Maschine trüben die Rostanfälligkeit und der extreme Wertverlust aufgrund der Preispolitik von Honda.Horst Montens, OldenburgMeine Shadow hat inzwischen 90000 Kilometer erreicht. Motor und Antrieb erwiesen sich als äußerst zuverlässig. Beschleunigungs- und Durchzugswerte erreichen nicht die Werte des Vorgängermodells. Da Honda Deutschland der Meinung ist, dass nach zwei Jahren durchgerostete Drahtspeichen keine Funktionsstörungen verursachen, wurde diese auf eigene Kosten nach zweieinhalb Jahren ausgetauscht. Nach der ersten Fahrt im Gebirge ersetzte ich die Originalbereifung von Dunlop schleunigst gegen Metzeler Marathon. Stahlflexleitungen und Lucas-Bremsbeläge waren der nächste Schritt. Kreativität war natürlich auch bei dem lächerlichen Sound erforderlich.Klaus-Günther Rodenbeck, CrivitzLängere Touren mit meiner Shadow, mittlerweile in drei Jahren 13 000 Kilometer, sind möglich, erfordern aber Stand- beziehungssweise Sitzvermögen. Die meisten Nehmerqualitäten werden dem Sozius abverlangt. Eine andere Position der Fußrasten ist vor allen Dingen für Fahrer ab 1,80 Meter empfehlenswert. Für meine 1,84 Meter waren die 13 Zentimmeter vorverlegten Exemplare noch zu knapp, weshalb ich jetzt eine 19-Zentimeter-Version bestellt habe. Was ich vermisse, ist der Bums von unten raus. Das liegt weniger an der Shadow, aber als ehemaliger VFR 750-Fahrer will ich einfach mehr Power spüren.Thomas Schuster, Stuttgart

Gebrauchtkauf: Honda VT 1100 C2 Shadow ACE (Archivversion)

Die Honda VF 1100 C2, ursprünglich für den USA-Markt in Marysville/Ohio als Konkurrenz zu Harley-Davidson produziert, fristet auch hierzulande kein Mauerblümchendasein. Immerhin knapp 4000 Stück sind zugelassen. Nach dem Debüt der C3 1998 senkte Honda den Preis für die weiterhin angebotene C2 von über 20000 Mark um gut 4000 Mark. C2-Fahrer, die ihre Maschine zwischen 1995 und Ende 1998 erwarben, haben ein Problem mit dem saftigen Wertverlust. Die Schwacke-Liste notiert: Baujahr 1995 (48300 Kilometer) 8800 Mark; 1996 (39900 Kilometer) 10000 Mark; 1997 (31500 Kilometer) 10900 Mark; 1998 (23100 Kilometer) 11400 Mark; 1999 (14700 Kilometer) 12100 Mark. Die Alternative: das Original von Harley-Davidson. Die Dyna Super Glide ist der preisgünstigste Big Twin von Harley, neu wie gebraucht aber einige Tausender teurer, jedoch auch deutlich wertbeständiger.

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