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In MOTORRAD Classic u.a.: Die von Hugh Anderson eingesetzte Matchless G50.

Matchless G50 im Studio Hugh Andersons Ex-Renner

Der Ex-Renner des neu­seeländischen vierfachen Weltmeisters Hugh Anderson ist weit herumge­kommen – heute steht die Matchless G 50 bei ihrem aktuellen Besitzer am Fuße der Schwäbischen Alb.

Alte Motorräder haben meist viel erlebt, eine Geschichte zu erzählen. Manchmal ist es aber auch der (prominente) Vorbesitzer, der noch viel älter ist und in seiner langen Motorrad-Laufbahn so viel erlebt hat, dass es locker für zwei oder mehr Leben ausreichen würde, der dem Bike seinen Stempel aufdrückt. Wie im Falle der Matchless G50 des Neuseeländers Hugh Anderson. Der kürzlich, nämlich am 18. Januar, stolze 80 Jahre alt gewordene legendäre Motorrad-Racer hat just diese G50 Anfang/Mitte der 1980er erworben, um damit quasi ­seine zweite Rennkarriere bei den gerade auf­blühenden Classic-Rennen zu starten. 

Bis dahin hatte er allerdings schon eine beachtliche erste Karriere hingelegt. Bereits mit 13 sammelte er Erfahrungen mit seiner 500er-Triumph, mit 16 durfte er endlich offiziell an Rennen teilnehmen und gewann schon bald seine ersten Läufe bei der Miniature TT in Neuseeland auf losem Untergrund. Er bestritt Straßenrennen mit einer BSA Gold Star mit Eigenbau-Verkleidung, fuhr daneben Speedway- und Grasbahnrennen und profitierte von den dort erlernten Driftkünsten bei seinen Straßenrennen, die meist einen ordentlichen Schotteranteil hatten. 

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Europa war stets das Ziel

Doch sein Ziel war schon früh stets klar gewesen: in Europa Motorradrennen fahren. Er kaufte sich eine Norton Manx und eine AJS 7R und brach 1960 nach Europa auf. Schon beim Premio Madrid konnte er mit der Norton seinen ersten Sieg feiern, am Ende der Saison belegte er bei den 350ern gar einen beachtlichen siebten WM-Platz. Trotz Rückschlägen wegen Stürzen oder technischer Probleme war der Erfolg von Anderson nicht aufzuhalten. Er ergatterte einen Werks­vertrag bei Suzuki, fuhr 1962 für die Japaner in der 50er- und der 125er-WM, parallel dazu in der 350er-Klasse mit einer AJS und bei den 500ern mit einer Matchless in England. 1963 schaffte er den Doppelschlag und wurde in der 50er- und der 125er-Klasse Weltmeister. 1964 konnte er seinen Erfolg bei den 50ern wieder­holen, 1965 gewann er den 125er-Titel erneut. 

Nach Änderungen im Team stieg Anderson 1966 aus dem GP-Sport aus, blieb Suzuki jedoch erhalten, allerdings im Motocross-Sektor, wo er erfolgreich den 250er-Wettbewerbs-Renner mitentwickelte. 1969 kehrte er nach Neuseeland zurück, fuhr dort noch drei Jahre erfolgreich Rennen und zog sich dann aus dem Rennsport zurück, um sich mehr der Familie zu widmen und (natürlich erfolgreich) im Immobiliengeschäft tätig zu sein. Doch mit der aufkeimenden Classic-Rennsport-Szene juckte es Hugh wieder in der Gashand, die besagte Matchless G50 kam ins Spiel. Zwischen 1985 und 1990 hatte er nicht nur extrem viel Spaß mit dem Bike bei europäischen Wettbewerben und lernte jede Menge Leute kennen, Anderson gewann auch über 25 Rennen, darunter solch angesehene wie die Historic TT in Assen, und zwar gleich drei Mal, 1988, 1989 und 1990.

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Wird regelmäßig auf Rennstrecken bewegt

Ein Rennfan aus Deutschland hatte die Bedeutung und das Potenzial der Matchless G50 erkannt und Kaufinteresse bekundet. Anderson nutzte diese Gelegenheit als Anstoß zum erneuten Rückzug ins Private – schließlich sollte er bald 55 werden, Zeit, sich endlich wieder mehr um seine Frau Janny zu kümmern. Die G50 gelangte in den Besitz von Ewald Schwend, bei dem sie lange Zeit in einer Glasvitrine im Hausflur verbrachte. Per E-Mail erfuhr der heutige ­Besitzer Manfred Ströhle nach Schwends Tod von der Matchless G50 im Nachlass, die in würdige Hände kommen sollte. Ein bisschen Recherche, und Ströhle war sicher, dass die G50 tatsächlich einst Hugh Anderson gehörte. Für einen nicht genannten Betrag wechselte sie schließlich in seinen Besitz und wird heute noch regelmäßig bei Classic-Veranstaltungen auf der Rennstrecke ­bewegt. Auch von Hugh Anderson, denn zu ihm entstand in Folge ein bis heute andauernder Kontakt, ja, eine Freundschaft, die per Telefon gepflegt wird, bis man sich entweder in Europa anlässlich der Teilnahme an Classic-Rennen trifft oder ihn „Down Under“ in Neuseeland ­besucht. 

Dass die Matchless G50 ein oft bei Rennen eingesetztes  und dafür von Anderson sinnvoll modifiziertes Bike darstellt, zeigt sich an den Änderungen, die vom Neuseeländer im Laufe der Jahre vorgenommen wurden. So ist der Tank natürlich kein üppiges Spritfass, wie es einst für die langen Renndistanzen benötigt wurde, sondern eine schlankere Variante mit geringerem Fassungsvermögen. Die Amal-GP-Vergaser werden aus geänderten Schwimmerkammern mit SU-Deckeln gespeist. Der Primärtrieb wurde wegen zum ­Reißen neigender Kette auf Zahnriemenantrieb ­umgerüstet, als Schaltbox kommt ein Quaife-Fünfganggetriebe zum Einsatz. Auspuff und Krümmer sind modifiziert bzw. Eigenbauten, die montierte windschnittige Halbschale half auf den Geraden die gut 50 PS Leistung des Singles in konkurrenzfähige Topspeed umzumünzen. Die Montage von tauglicheren Koni-Stoßdämpfern hinten galt damals als nahezu unerlässlich. Der G50-Motor, wie ihn Guss- und Formenbau-Spezialist Manfred Ströhle mit seiner Firma sma-Racing übrigens für Kunden regelmäßig überholt (wie auch AJS- oder BMW-Boxer-Exemplare) oder komplett neu aufbaut, galt einst bei Matchless als die Lösung, um den anfälligen und kränkelnden Zweizylinder der G45 abzulösen und die Werksrenner konkurrenzfähig zu machen. Der Schritt, den Motor der AJS 7R, auch ­bekannt als Boy Racer, von 350 auf 500 cm³ aufzubohren, schien Experten schon damals nahe liegend und längst überfällig. Mit seinen nun 90 Millimetern Bohrung, bei einem Hub von 78 Millimetern, leistete der kurzhubige Single 51 PS.

Die Matchless G50 konnte ab 1959 gekauft werden, bis 1962 wurden insgesamt 180 Exemplare gebaut, die in den folgenden Jahren gern auch mittels Umbau auf Metisse- oder Seeley-Rahmen verbessert wurden. Bei Besitzer Ströhle bleibt sie nun, wie sie ist, und verkauft wird sie auch nicht mehr - die G50 hat in mehr als fünf Jahrzehnten wahrlich genug erlebt.

Foto: Jacek Bilski
Hugh Andersons Matchless G 50.
Hugh Andersons Matchless G 50.

Technische Daten Matchless G50

Motor: Luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, zwei Ventile, Bohrung 90 mm, Hub 78 mm, 496 cm³, 51 PS bei 7200/min, Amal-GP2-Rennvergaser, Mehrscheiben-Trockenkupplung, Quaife-Fünfganggetriebe, Kettenantrieb

Fahrwerk: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, Teleskopgabel vorn, Zweiarmschwinge mit zwei Federbeinen hinten, Duplex-Trommelbremse vorn, Simplex-Trommelbremse hinten, 

Reifen vorn 3.00-19, hinten 3.50-19, 

Gewicht ca. 125 kg  

Kontakt:www.sma-racing.de

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