IDM-Superbikes (Archivversion) Neue deutsche Welle

In der IDM 2003 gibt’s was auf die Ohren: Die neue Superbike-Klasse lässt es richtig krachen – mit Power-Sound aus zwei, drei und vier Zylindern.

Michael Schulten weiß, was ihn erwartet: »Das wird ein strammes Programm, da komme ich am Rennwochenende wohl gar nicht mehr aus der Lederkombi raus.« Als Doppelstarter in den beiden Viertaktklassen der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) muss der Altmeister aus dem Ruhrpott künftig dreimal ran: Ein Rennen bestreitet er bei den Supersportlern, und für die neue, zur Top-Kategorie aufgewertete Superbike-Klasse stehen gleich zwei Läufe pro Event auf dem Zeitplan. Dazu gibt es mehr Training und eine längere Renndistanz. Doch Schulten sieht die kommende Mehrbelastung durchaus positiv und freut sich auf die neue Herausforderung. Auch die Fans dürfen sich auf das Spektakel der 1000er-Big-Bikes freuen, denn diese bieten nicht nur was fürs Auge, sondern auch für die Ohren: Mit offener, 115 dB (A) lauter Auspuffanlage sollen sie nicht nur das sportliche, sondern auch das akustische Highlight der acht IDM-Wochenenden in der Saison 2003 setzen.42 Superbiker heizen dem Publikum beim großen Viertaktkonzert ein. Fünf Marken sind vertreten: Ducati, Honda, Suzuki, Triumph und Yamaha. Die Bikes entstammen der Serie, die Silhouette der Verkleidung muss nach wie vor dem Original entsprechen. Allerdings dürfen die neuen Renner etwas freizügiger als die sehr streng reglementierten Superstock-Maschinen der letzten Saison getunt werden. Das Superbike-Reglement erlaubt Slickreifen, leichtere Räder, Modifikationen an den Bremsen und am Federungssystem. Die Motoren dürfen nicht nur lauter brüllen, sondern auch ein paar Pferdchen mehr aufs Hinterrad stemmen. Mit Eingriffen ins elektronische Motormanagement sowie Änderungen an der Airbox und zusätztlichen Lufteinlässen lassen sich bei den ohnehin schon recht potenten 1000ern noch einmal rund 20 PS gewinnen. Mit Spitzenwerten von bis zu 180 PS kann die neue Klasse ihren Top-Status eindrucksvoll untermauern.Der erste Soundcheck der Superbike-Hardrocker fand Anfang April beim IDM-Frühjahrstraining in Oschersleben statt. Die Favoriten der neuen Klasse werden wohl mit denen der letztjährigen Superstock-Meisterschaft identisch sein. Allen voran Champion Stefan Nebel auf der Schäfer-Suzuki und Michael Schulten, dem von Laaks-Yamaha zu Alpha-Technik-Honda gewechselten Vizemeister.Großen Respekt zollen beide einem Wiedereinsteiger, »der die neue Superbike-Klasse enorm aufwerten wird«. Gemeint ist Andy Meklau, der deutsche Pro-Superbike-Meister von 1998 und langjährige WM-Spitzenpilot. Als der 35-jährige Österreicher Mitte Januar erstmals das neue Reglement der Superbike-IDM in den Händen hielt, reifte schnell der Entschluss, nach einem Jahr Rennpause in dieser Klasse ein Comeback zu starten: »Da lässt sich was draus machen, und die Kosten sind überschaubar.«Für den eingefleischten Ducati-Freak kam natürlich nur ein Renner aus Bologna in Frage, und so ist die sonore Bassstimme im Superbike-Konzert bestens besetzt. Leider war die bildhübsche 999 S am ersten Trainingstag in Oschersleben wegen Problemen mit der Elektrik etwas verstimmt und stand daher auch nicht für unser Aufmacherfoto zur Verfügung.Das Leistungshandicap des Zweizylinders – nach dem Abschluss der erlaubten Tuningmaßnahmen rechnet Meklau mit rund 155 PS – soll durch die Qualitäten des Fahrwerks ausgeglichen werden. Das Budget für diese IDM-Saison beträgt rund 100 000 Euro, wovon etwa ein Drittel für die Maschine zu veranschlagen ist. Eine Rückkehr in die Superbike-WM hätte Meklau dagegen nicht mehr finanzieren können: Allein der Ducati-Production-Racer hierfür kostet 125000 Euro.Während der Star aus der Steiermark als Solist auftritt, hat Michael Schulten bei Alpha-Technik mit Jürgen Oelschläger noch einen sehr motivierten Teamkollegen. Die Bikes werden von Honda gestellt. Für das Tuning der Fireblade ist Ex-Rennfahrer Thomas Franz zuständig, der den serienmäßig 150 PS starken Reihenvierzylinder unter anderem durch ein Ram-Air-System verfeinert und insgesamt um etwa 20 PS aufgepowert hat. Im Vergleich zu seiner letztjährigen Yamaha-YZF R1 imponiert Schulten am neuen Arbeitsgerät vor allem das sehr agile Fahrwerk, wobei Alpha-Technik je nach Bedarf Komponenten von Bitubo oder FG verwendet. Das geringfügige Hubraum-Handicap und die fünf oder sechs PS, die der 954 cm3 großen Fireblade in der Rennversion wohl am Ende gegenüber der Suzuki-GSX-R 1000 mit 988 cm3 fehlen, sollten laut Alpha-Technik-Chef Sepp Hofmann höchstens auf dem Vollgaskurs in Salzburg zu spüren sein.Stefan Nebel konzentriert sich in diesem Jahr ganz auf die Superbikes und wird mit der neuen GSX-R, vorbereitet von Tuner Michael Schäfer in Saarlouis, sicher das potenteste Bike im Feld pilotieren. Mehr als die pure Power interessiert den Superstock-Champion aber die Fahrbarkeit seines unter anderem mit Yoshimura-Teilen aufgepeppten Renners, und da hat er gegenüber dem letztjährigen Modell deutliche Unterschiede festgestellt: »Jetzt setzt die Leistung nicht mehr ruckartig, sondern viel weicher ein.«Nebel ist der Leitwolf der im Feld am stärksten vertretenen Suzuki-Fraktion. Jens Hebisch und Patrick Janz wollen dagegen »das Gesicht in der Menge sein« und setzen in der Superbike-IDM bewusst auf ein eher exotisches Motorrad: die Triumph Daytona 955i. Unterstützt werden die beiden Youngster vom Fürther Triumph-Händler Braun & Eschenbacher, die Fahrwerkskomponenten des Dreizylinder-Renners kommen von Wilbers.Zu den aussichtsreichsten Yamaha-Piloten im Feld gehört Günther Knobloch aus Graz. Der 26-Jährige, über den ADAC-Junior-Cup und den Yamaha-Cup in die Superstock-IDM gekommen, pilotiert eine YZF-R1 in Farben des Yamaha-Sebring-Teams. Das österreichische Projekt wurde vom Auspuffhersteller Sebring in Zusammenarbeit mit der technischen Universität Graz entwickelt, wo Michael Gassler, der technische Leiter des Teams, gerade studiert. Die Superbike-IDM wird also allerseits recht professionell vorbereitet, damit die Fans ihren Spaß haben und richtig was zu hören bekommen. Wer vor dem Auftakt am Sachsenring schon mal eine Kostprobe vom neuen Sound nehmen will, kann dies auf der IDM-Website (www.idm.de) tun. Aber das Live-Konzert ist natürlich durch nichts zu ersetzen.

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