Insolvenz einer italienischen Traditionsmarke Ausverkauf bei Moto Morini?

Zu Schleuderpreisen stehen sie im Netz: Rund 200 Motorräder aus dem Lagerbestand der italienischen Marke Moto Morini, die sich letzten Herbst für insolvent erklärt hatte.

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Da gibt es beispielsweise die Corsaro Avio statt zum Listenpreis von knapp 11000 Euro schon ab 5400 Euro und die Reiseenduro Granpasso statt für knapp 13000 Euro für 6600 Euro. Fax an Moto Morini genügt, um das Kaufinteresse zu bekunden, der Besichtigungstermin der Motorräder ist für den nächsten Freitag (16 bis 19 Uhr) und Samstag (9 bis zwölf Uhr) auf dem Werksgelände in Casalecchio di Reno, einem Vorort von Bologna, anberaumt.


Wird Moto Morini also derzeit abgewickelt und verschwindet dann auf Nimmerwiedersehen? Wie so oft in Italien, ist die Sachlage nicht wirklich eindeutig. Kaufinteressen für Moto Morini gibt es nämlich durchaus, etwa den Unternehmer Stefano Franz aus Winnipeg in Kanada, der vor einigen Wochen bereits vor Ort mit dem Insolvenzverwalter und den Gewerkschaften verhandelt hat. "Mit den Gewerkschaften bin ich weitgehend einig", sagt Franz, "mein Gebot für Moto Morini bringe ich in diesen Tagen auf den Weg. Dieser Ausverkauf der Motorräder macht es allerdings nicht gerade einfacher, die Produktion dann wieder anzukurbeln und das Image aufzubauen."

Eingeleitet hat den überraschenden Verkauf des Lagerbestands der Insolvenzverwalter von Moto Morini, Piero Aicardi: "Wir müssen die Schulden der Firma begleichen, die sich insgesamt auf 16 Millionen Euro belaufen", sagt er zur Begründung. Die Gewerkschaft CGIL allerdings zeigt sich über den Schritt Aicardis perplex und nennt die Insolvenzverwaltung "wenig transparent".

 

Beobachter gehen zudem davon aus, dass durch den Verkauf der Motorräder nicht gerade viel Geld in die Kassen fließen wird. Zwar gibt es derzeit  zahlreiche Interessenten für die verschiedenen Modelle, speziell für Granpasso und Corsaro. "Doch sobald die Leute erfahren, dass sie für diese Motorräder weder eine Garantie bekommen noch Anspruch auf Ersatzteilversorgung haben, dürfte das Interesse  schlagartig zurückgehen" meint Ronald März, Deutschland- und Österreich-Importeur von Moto Morini. "Dann ist es nämlich nicht mehr weit her mit dem vermeintlichen Schnäppchen."

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Das Schicksal der Marke scheint jedenfalls noch längst nicht besiegelt. Die Insolvenzverwaltung läuft noch bis Ende September, dann kommt es nach italienischem Recht zu einer Auktion. Mögliche Bieter sind neben dem erwähnten Kanadier Stefano Franz auch Unternehmer aus Italien sowie die Marke Garelli, die sich zwar bereits aus den Verhandlungen zurückgezogen hatte, nun aber im Hintergrund wieder aktiv zu werden scheint. Garellis Interesse gilt allerdings nicht den Motorrädern, sondern den Roller-Motoren und Teilen, die unter dem Namen Morini Franco ebenfalls in Casalecchio di Reno produziert werden.

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