inter view (Archivversion)

Pieter de Waal, 53, ist Leiter Sales und Marketing bei BMW
Motorrad. Der studierte Hoch- und Tiefbauingenieur bildete sich zum Maschinenbau-Techniker weiter und war für Daimler in seiner Heimat Südafrika beim Aufbau und Betrieb eines Dieselmotorenwerks tätig. Es folgten Stationen in den Sportabteilungen von Opel und Nissan, 1994 der Einstieg bei BMW Südafrika. Seine jetzige Position bekleidet de Waal seit Oktober 2004, in seinem Bereich ist er Chef von 450 Mitarbeitern.

Angesichts technischer Startprobleme bei der K 1200 S sei die Frage erlaubt: Hat BMW zu viel Dampf im Kessel?
Ich denke nicht. Wir befolgen eine Strategie des nachhaltigen und rentablen Wachstums. Bei der K 1200 S haben
wir einzigartige Innovationen in den Markt
gebracht, die perfekt funktionieren und
auf sehr positive Resonanz stießen.
Das Problem betraf im Wesentlichen den
Produktionsprozess der Nockenwellen, und die werden in konventioneller Tech-
nologie gefertigt. Das alles haben wir
sehr offen kommuniziert, und wir können
heute sagen, dass dieses Vorgehen belohnt worden ist. Unsere Kunden blieben loyal, was dazu führte, dass derzeit sogar unsere vorgesehenen Produktionskapazitäten für das Motorrad knapp werden.
Ist die neue K nun das typische Aufsteigermotorrad innerhalb der BMW-Motorradfamilie, oder lockt sie die Kunden von anderen Marken weg?
Sowohl als auch. Unsere klare
Absicht ist es, neue Kunden zu erobern. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass
wir damit Erfolg haben. Gleichzeitig finden wir bestätigt, wie viele bestehende BMW-Kunden nach einem echten Sportmotorrad suchen.
Jedes Jahr zwei oder gleich drei
Neuvorstellungen: Will BMW aggressiv wachsen? Welche Ziele verfolgt diese Modelloffensive?
Wir folgen stets nur unseren eigenen Zielsetzungen. Aggressiv würde ich das nicht nennen. Wir sind überzeugt
davon, dass nicht die Anzahl der neuen Modelle, sondern der herausragende Charakter unserer Produkte und deren kundenorientierte Innovationen dafür sorgen, dass wir im Rampenlicht stehen.
Wie verteilt sich bisher der Verkauf auf die Baureihen, was sind die Topseller?
Wir erwarten, dass sowohl die R 1200 GS als auch die R 1200 RT in diesem Jahr im Absatz weit über ihren jeweiligen Vorgängern liegen. Die R 1200 GS wird wohl unser Bestseller sein und dürfte
sogar die Marke von 20000 Stück überschreiten. Die Boxer-Modelle machen fast 70 Prozent des gesamten Volumens aus, die K-Reihe rund 20 Prozent, der Rest entfällt auf die F-Reihe.
Welches Potenzial trauen Sie der neuen K-Reihe für die Zukunft zu?
Es ist noch zu früh, um gesicherte Angaben zu machen. Aber die Marktnachfrage scheint darauf hinzudeuten, dass wir unser bisher bestes Verkaufsergebnis bei der K-Reihe wohl verdoppeln werden.
BMW verabschiedet sich bald aus
dem Cruiser-Segment. Im Hinblick auf bestimmte Märkte sicher schmerzhaft für einen Vertriebschef. Ist dieser Abschied von Dauer?
Man soll niemals nie sagen! Und ein wenig schmerzt es mich schon.
Passt aber zum neuen, deutlich sportlicheren Image der BMW-Motorräder.
Unsere neuen und zukünftigen
Produkte werden das Image von BMW im Motorradmarkt dahin bringen, wo es auf der Automobilseite bereits ist. Es geht also klar in Richtung sportlich und dynamisch.
Und wie gehen Ihre Stammkunden mit all den sportlichen Produkten und Aktivitäten um?
Als Hersteller der besten Reiseenduro- und Touring-Motorräder der Welt sind wir stolz auf unser Kerngeschäft
und gehen gleichzeitig sensibel damit um. Wir werden dieses Geschäft und unsere traditionelle Kundschaft keinesfalls vernachlässigen.
Zum ersten Mal seit elf Jahren konnte BMW 2004 das Vorjahresergebnis nicht toppen. Wo wollen Sie denn 2005 landen?
2004 war für uns ein Jahr des
Übergangs. Die R 1200 GS hat deutlich gezeigt, wozu der Boxer fähig ist. Da
ist es nur natürlich, dass einige Kunden
mit dem Neukauf gewartet haben, bis es
diesen Fortschritt auch in den anderen Modellen gibt. Dann kam die Verzögerung bei der K 1200 S. Vor diesem Hintergrund sind die 0,7 Prozent Rückgang gegenüber dem Vorjahr keine Überraschung. 2005 wollen wir an die gute Entwicklung der Vorjahre anknüpfen und den Absatz wieder steigern.
In welchen Märkten wollen Sie überdurchschnittlich wachsen?
Südeuropa, vor allem Spanien und Italien, bietet uns ein großes Potenzial. Die USA bleiben ein wichtiger Markt. Viele Schwellenländer wie Südafrika und Mexiko werden in Zukunft eine größere Rolle spielen. Wenn sich der deutsche Markt nicht insgesamt erholt, wird es schwierig, den derzeitigen Absatz von 25000 Einheiten pro Jahr zu übertreffen.
Diese Frage muss sein: Ihre angekündigte Kooperation mit Aprilia verspricht uns
Aktivitäten in für BMW neuen Geschäftsfeldern. Dürfen wir auf eine muntere Roller-Flotte tippen?
Es geht bei der aktuell beschlossenen Kooperation ausschließlich um Motorräder. Ansonsten dürfen Sie auf alles
tippen, was Sie wollen.

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