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Federico Minoli, geboren 1949 in Gallarate bei Mailand, studierte in Pavia und Washington und blieb dann als Unternehmensberater in den USA. 1996 kehrte er für die Texas Pacific Group (TPG) als Chef von Ducati nach Italien zurück, entdeckte sein Faible für Motorräder wieder und führte den Hersteller zu einer
Jahresproduktion von knapp 40000 Motorrädern mit rund 1000 Beschäftigten.

In Italien ändert sich gerade einiges: Aprilia und Guzzi werden von Piaggio geschluckt, MV gehört mehrheitlich jetzt Proton. Gerüchteweise heißt es, dass TPG Ducati verkaufen will. Ist da was dran?
Ach was. TPG hat gerade 3,5 Milliarden Dollar für die Filmstudios MGM in Hollywood hingelegt. Für die Anteile an Ducati würde die Gruppe vielleicht 100 Millionen Euro kriegen. Was soll das nützen? Nein, mit TPG haben wir eine solide Basis. Und solange die Aktionäre keine Dividende von uns verlangen – und das tun sie nicht –, können wir weiter so investieren wie bisher.
Wie viel ist das?
Der Rennsport kostet uns rund 30 Millionen Euro brutto im Jahr, aber da haben wir ja zum Glück Sponsoren. Für die Entwicklung geben wir rund 25 Millionen aus, und für das Werk noch mal gut 20 Millionen.
Dennoch scheint es in letzter Zeit nicht so zu laufen. Sie mussten im November Ihre Arbeiter in Zwangsurlaub schicken...
Das waren nur ein paar Tage und hatte vorwiegend technische Gründe. Doch es stimmt, 2004 war kein brillantes Jahr. In den ersten sechs Monaten lief es gut, dann folgte ein Einbruch. Das lag vor allem daran, dass die neuen Modelle sehr spät kamen: die 999 im September, die S2R erst im November. Und dann herrscht gerade in unserem Segment viel Konkurrenz, sogar neue. Denken Sie nur an Benelli, Mondial, Terra Modena und aktuell Moto Morini, die alle auf das obere Ende der Preisskala zielen. Die können gar nicht alle überleben. Ducati aber sehr wohl, da habe ich nicht den leisesten Zweifel. Wir verfügen über Hightech, sind im Rennsport erfolgreich, haben eine lange Geschichte und viel Erfahrung, also den ganzen Hintergrund.
Müssen Motorräder von Ducati am oberen Ende der Preisskala liegen?
Wenn wir unsere Motoren selber bauen und in Europa produzieren wollen – und beides halte ich für fundamental –, dann schon. Wir verwenden außerdem hauptsächlich hiesige Komponenten. 2003 haben wir für den Einkauf 230 Millionen Euro ausgegeben, davon 85 Prozent in Italien. Und hier sind die Löhne eben hoch. Das ist ja auch richtig so, denn von was sollen die Leute sonst unsere Motorräder kaufen?
Reicht in Zukunft die Sportler-Nische?
Möglicherweise nicht. Wir wollten ja Husqvarna und später Guzzi kaufen, aber beides hat nicht geklappt. Also müssen wir unsere Nische selber ausdehnen. Mit der Multistrada haben wir schon eine neue Richtung eingeschlagen.
Heißt das, Sie setzen auf offroad?
Sagen wir: Wir denken zumindest darüber nach.

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