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Bert Poensgen, 56, ist General Manager Marketing & Sales für Motorräder bei
Suzuki International Europe im hessischen Bensheim, außerdem bekleidet er seit 2003 das Amt des Präsidenten des Industrie- Verbands Motorrad. Von Bensheim aus werden heute wieder Autos und Motorräder gemeinsam vertrieben, dort arbeiten rund 290 Leute, 80 davon für die Sparte Motorrad.

Suzuki ist mit qualitativ guten und dennoch preiswerten Bikes richtig groß geworden. Aber dort stockt der Entwicklungselan etwas. Wie geht’s weiter?
Wir agieren allesamt in einem
derzeit schrumpfenden Markt, da ist
es nicht leicht, große Stückzahlen von einem einzelnen Modell zu verkaufen. Deshalb werden wir uns auch kleinere Segmente anschauen, Stichwort könnte zum Beispiel Supermoto sein.
Sind Cruiser und Chopper bei Suzuki Auslaufmodelle?
Keineswegs. Ich bin sogar sicher, dass wir in absehbarer Zeit mit neuen Modellen deutliche Impulse geben, dass wir dabei sowohl stilistisch als auch in Sachen Fahrbarkeit Akzente setzen werden.
Andere Hersteller verbuchen mit ABS und Verbundbremse große Erfolge. Wann zieht Suzuki nach?
Beim Burgman 650 sehen wir, dass die Kundschaft heute viel eher als vor ein paar Jahren bereit ist, die Mehrkosten aufzubringen. Deshalb denken wir sorgfältig darüber nach, ab wann wir auch unsere Motorräder nach und nach mit ABS auszurüsten.
Die Marauder 1600 und den Crosser RM-Z 250 kennen wir schon. Welche Früchte wird die Zusammenarbeit mit Kawasaki in Zukunft hervorbringen?
Über die genannten Motorräder bin ich sehr dankbar, weil sie unsere Palette sinnvoll ergänzen. Für die Zukunft stelle ich mir vor, dass beide Hersteller sich weiter in Marktnischen aushelfen. Aber Produkte, die für die Identität von Suzuki stehen, werden ausschließlich von Suzuki hergestellt.
Verbindet Suzuki International Europe mit den Rollern noch große Hoffnungen?
Zunächst mal: Der Erfolg unseres Burgman 650 stimmt uns sowieso hoffnungsvoll. Und dann: Dieser Markt ist noch gar nicht ausgeschöpft. Ich denke, dass gediegene Roller
ab 125 cm³ im Stadtverkehr größere Bedeutung gewinnen werden. Sogar bei Jugendlichen re-
gistriere ich in letzter Zeit wieder mehr Begeisterung für das Thema.
Wie schätzen Sie den Markt für 125er und Einsteiger-Bikes ein?
Die 125er sind derzeit schwierig, der Markt ist begrenzt. Aber gerade zeigt Honda, wie man da mit einem zündenden Angebot Nachfrage erzeugen kann. Suzuki wird dranbleiben. Dasselbe gilt für die Einsteiger-Motorräder. Ich hoffe stark, bald mit einem technisch attraktiven und preislich interessanten Produkt richtig angreifen zu können.
In welchen Segmenten sehen Sie für Suzuki Wachstumschancen?
Mit unseren V-Strom-Modellen haben wir eine lange klaffende Lücke
in unserem Angebot geschlossen, der
Verkaufserfolg befriedigt uns durchaus.
Wie bereits gesagt, schauen wir uns jetzt auch kleinere Nischen genauer an, ob die nun Supermoto oder Touring heißen. Auf jeden Fall werden wir sehr engagiert weiter an unseren tragenden Säulen arbeiten. Allerdings ist eine neue Bandit – sie ist eine Institution – genauso schwer zu realisieren wie ein neuer Golf. Doch wir arbeiten hart, und auch hier spornt uns Hondas Erfolg mit der CBF 600 nur zusätzlich an.
Zuletzt hat Suzuki mit imposanten Bikes wie Hayabusa oder GSX-R 1000 mächtig Image angehäuft. Wie will die Marke nachlegen?
Die GSX-R 1000 wird schon bald noch mehr Image einfahren, das ist
sicher. Dann wäre natürlich eine B-King toll. Die hatte super Resonanz, als sie auf den Messen um die Welt ging. Leider dauert es seine Zeit, um aus einem Show-Objekt ein bezahlbares Serienprodukt zu formen.
Anfang des Jahres haben wir von
einem V-Zweizylinder erfahren, der dank variabler Steuerzeiten auf Drosselklappen verzichten kann und extrem ökonomisch arbeiten soll. Wann kommen die passenden Motorräder dazu?
Das ist wirklich eine sehr viel versprechende Technik. Auch und gerade für Motorräder. Wir arbeiten daran, wir wissen uns auf einem richtigen Weg, aber über die konkreten Einsatzgebiete und einen eventuellen Zeitplan kann ich derzeit nichts sagen.

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