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Hideo Tanaka, 54, ist seit April 2003
Präsident der Honda Motor Europe (North) GmbH in Offenbach. Der gelernte Politik- und Wirtschaftswissenschaftler kam 1973 zu Honda, es folgten Stationen rund um
den Globus. Gemeinsam mit über 600 Mitarbeitern kümmert er sich um den Verkauf sämtlicher Honda-Produkte in Deutschland, Österreich, Belgien und den Niederlanden.

Die CBF 600 hat gezeigt, dass ein innovatives Angebot auch einen Markt schafft. Werden Sie diese Politik fortschreiben?
Ein innovatives Produkt allein reicht nicht aus, um wieder mehr Menschen für Motorräder zu begeistern. Wichtig sind auch Aktivitäten rund um das Produkt. Wir haben unter anderem mit dem Sicherheitstraining Fun & Safety, unserem »Back on Bike«-
Infotag oder der Kooperation mit den Fahrlehrerverbänden viel getan. Diese Aktivitäten werden wir wesentlich verstärken.

Honda kalkuliert – trotz bekannt hoher Qualität – bei bestimmten Modellen neuerdings sehr knapp. Welche Rolle spielt der Preis im
aktuellen Motorrad- und Rollermarkt?
Unsere Kunden erwarten hohe Qualität zu einem attraktiven Preis. Durch unser globales Netzwerk können wir Produkte, Komponenten und Know-how in kürzester Zeit von einem Ort zum anderen transferieren. Dadurch ist es uns möglich, unseren Kunden qualitativ hochwertige, preislich attraktive Modelle anzubieten.

Welche Honda-Modelle werden in
Europa für Europa gebaut, wie groß ist die Bedeutung der europäischen Märkte?
54 Prozent der Modelle, die wir in Europa verkaufen, werden in Europa produziert, 2004 waren das knapp 159000. Es ist Bestandteil der Honda-Philosophie, Modelle, die auf einem bestimmten Markt verkauft werden, wirklich in unmittelbarer Kundenähe zu produzieren und zu entwickeln. Aktuell kommen aus unserem Werk in Spanien die Varadero 125, Shadow 125, Transalp 650, FMX 650, Deauville und Varadero 1000.
Italien liefert CBF 500 und 600, Hornet 600 sowie die Roller SH 125i, Dylan 125, Pantheon 125. Unsere Europa-Werke schaffen
Arbeitsplätze, wir können Transportwege und Lieferzeiten verkürzen sowie die Preise stabil halten, da uns Währungsschwankungen nicht beeinflussen.

Wie groß ist der Einfluss des europäischen Entwicklungszentrums in Offenbach auf die Modellstrategie in Japan?
Unsere Produktplanung in Offenbach gibt anhand der deutschen Kundenwünsche präzise Informationen an unser Entwicklungszentrum beziehungsweise nach Japan weiter. Entsprechend diesen Angaben wird entwickelt. Auf diese Weise sind etwa Deauville, Pan European sowie aktuell CBF 600 oder Fireblade entstanden.
Wie ist Honda in der Volksrepublik
China engagiert, wann kommen die ersten Honda-Roller oder -Motorräder von dort zu uns?
Honda engagiert sich seit den frühen 80er Jahren in China. Mittlerweile gibt es drei Joint Ventures, 2004 wurden dort über eine Million Honda-Zweiräder produziert. Der größte Teil davon wird direkt in China verkauft. Es gibt derzeit keine Pläne, Zweiräder aus China nach Europa zu bringen,
da die Fahrzeuganforderungen in China anders sind. Aber zum Beispiel die CBR 125 R aus Thailand, die XR 125 L aus Brasilien oder der Lead 100 aus Indien sind in Europa sehr erfolgreich.

Nicht zuletzt wegen der Motorisierung in China erhält die Diskussion um Abgase und
Verbrauch wieder mehr Gewicht. Wie will Honda das motorisierte Zweirad umweltverträglich halten?
Der sparsame Umgang mit natürlichen Ressourcen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Firmenphilosophie. Honda ist weltweit Vorreiter auf diesem Gebiet. Mitte der 90er Jahre haben wir uns einige Selbstverpflichtungen auferlegt, etwa den Ausstoß von Kohlenwasserstoff (HC) von Honda-Krafträdern bis 2005 weltweit um ein Drittel zu senken. Dieses Ziel haben wir schon in 2003 erreicht. Durch den Einsatz moderner Einspritztechnologien erfüllen bereits acht Zweiräder die erst 2007 gültigen Werte der Abgasnorm Euro 3. Eine andere Selbstverpflichtung von uns war der Ausstieg aus der Zweitakt-Technologie für den Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr zum 31. Dezember 2002. Wir arbeiten ständig daran, die
Effizienz herkömmlicher Verbrennungsmotoren zu verbessern, treiben aber auch Projekte zu Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellenantrieb für Zweiräder voran.

Zum deutschen Markt: Welche Segmente haben Ihnen im letzten Jahr am meisten Freude bereitet, wo wollen Sie mehr Gas geben?
Besonders gefreut haben wir uns über den Erfolg unserer CBF 600, mit 6132 Stück Deutschlands meistgekauftes Motorrad. Generell denken wir nicht mehr in
klassischen Segmenten wie Naked oder Touring, sondern in Kundengruppen. So
haben wir Einsteiger/Wiedereinsteiger, junge Leute, Sportfans, bestehende Motorradfahrer und Frauen als spezielle Kundengruppen identifiziert und bieten ihnen neben den passenden Produkten einen entsprechenden Service und maßgeschneiderte
Aktivitäten. Speziell für Kunden mit besonders hohen Ansprüchen wollen wir zukünftig deutlich mehr tun.

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