Intermot: Design-Preis (Archivversion) Design-Preis

Zum zweiten Mal schrieb der Industrie-Verband Motorrad (IVM) anlässlich der Intermot einen internationalen Design-preis aus. Zahlreiche junge Talente nahmen die Herausforderung an.

Man kann über Leistung und Drehmoment philosophieren, über Motorenkonzepte, sich an 300-km/h-Topspeed aufhängen oder an einem ultrakommoden Koffersystem. Alles ist jedoch nichts, wenn das Objekt der Begierde hässlich aussieht. Das ist bei Motorrädern nicht anders als bei Kaffeemaschinen: Kein Mensch kauft ein unmöglich gestaltetes Teil, nur weil es Kaffee kochen kann. Er wird stets das schönere Produkt wählen.
Aber was ist schön? Was kommt bei der Kundschaft an? Immer wieder wagten sich die Motorradhersteller an extreme Projekte. Nicht immer ging das gut, aber wenn das Design den Nerv traf, war der Erfolg gewiss – sofern der Preis nicht
komplett aus dem Rahmen fiel. Denn kaum ein Konsumgut ist so emotional besetzt wie ein motorisiertes Zweirad.
Einfach wird es den Designern nicht gemacht. Das Zusammenspiel der technischen Gegebenheiten wie Räder und Motorenkonzept, den fahrdynamischen Bedingungen wie Lenker und Windschutz, aber auch den gesetzlichen Vorschriften wie Geräusch und Beleuchtung stellt immense Anforderungen an die Gestalter.
Die Teilnehmer des IVM-Designpreises durften all das weitgehend außer Acht
lassen. Konnten frei entscheiden, ob das Bike überhaupt Lampen braucht. Konnten fantasievolle Motorenkonzepte erfinden und
ungewöhnliche Sitzpositionen.
Die Jury, bestehend aus BMW-Chef-Designer David Robb, IVM-Generalsekretär Reiner Brendike und MOTORRAD-Chef-redakteur Michael Pfeiffer, war sich schnell
einig, wem die Ehre des ersten Platzes
gebührte. »SPOT.Streetstuff« von Bela Baumgardt, 26, Yunhua Zhao, 28, und Tom Köhler, 24, überzeugte neben der handwerklich tollen Ausführung mit der jugendlich frischen Idee, nicht auf dem Motorrad zu sitzen, sondern eher zu stehen. Cool rüberkommen, vor der Disse auffallen, das leistet der Entwurf hervorragend. Streben doch die beiden Hauptlinien von Gabel und Vierrohrrahmen zum Wichtigsten des Ganzen: dem – hoffentlich coolen – Gesicht
des Besitzers. Cool sah die Jury darüber hinweg, dass der elektromagnetische
Antrieb des Entwurfs wohl kaum realisierbar wäre und die Reifen in Kurven böses Eigenleben entwickeln würden.
Gut gemacht ist auch ein mächtig böse daherkommender Keil von Steffen Kleine, 24, und Sven Lutzak, 26. Inspiriert von Jagdfliegern, setzt dieser Entwurf den Fahrer auf ein kurzes Stummelsitzbänkchen, lässt ihn über einen Tank gespannt zwei Lenkerhälften greifen wie ein Warbird-Pilot die Steuerknüppel. Platz zwei. Den dritten Preis eroberte Stefano Cesari, 31, mit einer hübsch gezeichneten Boxer-BMW. Ebenfalls dem Thema Boxer näherten sich Yves Dufeutrelle und Nicolas Dubar. Allerdings in Form von fleißig zusammen-
geflochtenen Rohren. Sonderpreis für die handwerkliche Ausführung. Vorhang. MOTORRAD hofft auf eine Weiterführung des Wettbewerbs.

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