Interview (Archivversion) zu Undichtigkeiten an BMW-Bremsen

Nach Problemen am älteren ABS mit Bremskraftverstärker kam es nun an Boxer-Modellen mit dem aktuellen Conti-Teves-ABS ab Modelljahr 2007 zu Undichtigkeiten im Bremssystem. MOTORRAD sprach mit BMW-Pressesprecher Rudolf Probst über die Probleme und Lösungsmöglichkeiten.

Nach Problemen am älteren ABS mit Bremskraftverstärker kam es nun an Boxer-Modellen mit dem aktuellen Conti-Teves-ABS ab Modelljahr 2007 zu Undichtigkeiten im Bremssystem. MOTORRAD sprach mit BMW-Pressesprecher Rudolf Probst über die Probleme und Lösungsmöglichkeiten.
Welche Undichtigkeiten treten konkret auf? Soweit bekannt, tritt Bremsflüssigkeit an der festen Bremsleitung zum ABS-Modulator aus.
Es sind vereinzelt Undichtigkeiten im Bereich der Bremsleitungsverschraubungen an den Druckmodulator aufgetreten. Dabei handelt es sich um Rissbildungen an den Bremsleitungen. Ein Zusammenhang mit dem Antiblockier-system besteht nicht.
Bei welchen Modellen, Baureihen und Baujahren gibt es die Probleme, lediglich bei den Boxern oder auch bei K-Modellen?
Es handelt sich um Fahrzeuge der Boxer-Modelle, die ab August 2006 gebaut wurden.
Sind nur Conti-Teves-Systeme oder auch FTE-Systeme betroffen?
Wie bereits gesagt, haben die Undichtigkeiten nichts mit dem ABS zu tun. Betroffen sind nur Fahrzeuge mit Produktionsdatum ab August 2006 und damit keine Fahrzeuge, die mit BMW Integral ABS I ausgestattet sind.
Nach derzeitigem vorläufigen Erkenntnisstand sind die Rissbildungen auf möglicherweise verspannten Verbau mit an-­schlie­ßender Schwingbelastung zurückzuführen. Ist seitens BMW eine Nachbesserung oder ein Rückruf geplant? Welche Maßnahmen ergreift BMW?
Wir befinden uns derzeit in der Abschlussphase der Analysen und erarbeiten Abhilfemaßnahmen. Zum heutigen Zeitpunkt schließen wir eine generelle Umrüstaktion für die entsprechenden Modelle nicht aus.
Ist es korrekt, dass das Kraftfahrt-Bundesamt BMW bereits im Juli zu einer Stellungnahme zu dieser Problematik aufgefordert hat?
Ja, Mitte Juli 2007 ist das KBA an uns herangetreten. Zu dem Zeitpunkt begannen bei uns die Analysen, die auf­grund der Komplexität bis heute noch nicht vollständig abgeschlossen sind.
Der plötzliche Verlust einer größeren Menge Bremsflüssigkeit führt logischerweise zu Beeinträchtigungen der Bremsleistung und kritischen Situationen. Aber selbst bei kleineren Undichtigkeiten können durch Lufteintritt ins System beziehungsweise Wasserbindung an die Bremsflüssigkeit schleichend Bremsleistung und/oder Druckpunkt schwinden. Kam es bereits zu kritischen Situationen?
Bei Auftreten des Fehlerbildes sinkt das Bremsflüssigkeitsniveau. Falls das Absinken des Bremsflüssigkeitsniveaus nicht rechtzeitig bemerkt wird, kommt es zu eingeschränkter Brems­wirkung bis zum Ausfall eines Bremskreises. Die Bremswirkung am anderen Rad bleibt erhalten. Bisher sind uns keine Unfälle mit Personenschaden bekannt. Auch wenn insgesamt nur wenige Fälle von Undichtigkeiten aufgrund dieser Rissbildung aufgetreten sind, nehmen wir das Thema sehr ernst und arbeiten mit Nachdruck an Lösungen.

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