Interview (Archivversion)

Jonas, wann bist du zum ersten Mal Motorrad gefahren?
Als ich dreieinhalb Jahre alt war. Mit einem Motocross-Motorrad.

Warum Motocross?
Zufall. Wir waren in Italien im Urlaub, dort hat mein Vater einen Mini-Crosser mit Automatikgetriebe entdeckt und einfach gekauft. War recht billig.

Fuhr dein Vater selbst Motocross?
Nein, er fuhr Straßenrennen, mit Superbikes. Doch das ist schon eine Weile her. 1989 war sein letztes Rennen.

Viele Erfolge hast du dann aber auf Asphalt mit dem Minibike gefeiert. Wie kam es
zu diesem Wechsel?
Mit sechs Jahren bin ich auf dem Automatik-Crosser erstmals bei Rennen gestartet. Mit acht habe ich dann
eine 65er bekommen, mit der lernte ich Schalten. Als ich neun war, fuhren wir zu einer Sichtung für den neuen ADAC-
Minibike-Cup. Die besten drei Fahrer wurden in das ADAC-Junior-Team auf-genommen.
Du warst also dabei. Wann hast du dein erstes Minibike-Rennen gewonnen?
Gleich beim ersten Start in Cottbus. In dem Jahr habe ich alle Rennen und die Meisterschaft gewonnen, im zweiten Jahr ebenfalls. 2005 habe ich zwei Mal nicht gewonnen, bin aber Meister geworden.

Wie kam der Kontakt mit der MotoGP-Academy zustande?
Adi Stadler hat sich die Minibike-Rennen angeschaut und anschließend wohl nach Spanien weitererzählt, dass da ein ganz guter Fahrer mitfährt. Ich
bekam eine Einladung zu den Sichtungsfahrten in Valencia. Eine halbe Stunde nach dem Fahren hat Alberto Puig uns zu sich gerufen und gefragt, ob ich dieses Jahr in der Academy dabei sein will. Da haben wir natürlich zugesagt.

Wohnst du jetzt halb in Spanien?
Nein. Aber während der Saison fliege ich jede zweite Woche nach Spanien zum Training, am Wochenende ist dann Rennen.

Und wie läuft das mit der Schule?
Ich bin auf die private Montessori-Schule gewechselt, weil mir die Hauptschule nicht erlaubt hätte, immer wieder mal zwei Wochen zu fehlen.

Gibt es dort noch mehr Sportler wie dich, die viel unterwegs sind?
Ja, zum Beispiel aus dem Reitsport oder dem Eishockey.

Wie läuft so ein Wochenende in der MotoGP-Academy ab?
Beim Rennen? Wir werden am Flughafen abgeholt, fahren zur Rennstrecke, begrüßen die Mechaniker und die anderen Team-Mitglieder. Nachdem wir den Truck eingerichtet haben, in dem
unsere Ausrüstung aufbewahrt wird, geht es ins Hotel: einchecken, essen, schlafen. Am nächsten Morgen um sieben Uhr aufstehen, nach dem Frühstück an die Rennstrecke. Dann geht es los.

Mit freiem Training, Qualifying und so weiter, wie bei den Großen?
Das ist genau das Gleiche.

Welche Platzierung hast du im ersten Rennen geschafft?
Das war in Albacete, dort bin ich Zwölfter geworden. Danach ging es aufwärts. Im zweiten Rennen in Jerez war es Platz zwei, in der Gesamtwertung am Jahresende wurde ich Dritter.

War das für dich in Ordnung, oder hast du ein besseres Ergebnis erhofft?
Für das erste Jahr bin ich zu-
frieden. Wenn es 2007 so weiterläuft, kann ich vielleicht an den Titel in der spanischen 125er-Meisterschaft denken.

Wie passt es mit den anderen Fahrern in der Academy? Du bist der einzige Deutsche.
Das sind alles Freunde. Wir unterhalten uns auf Englisch – bisher spreche ich noch kein Wort Spanisch.

Hast du ein sportliches Ziel?
2007 will ich die Spanische Meisterschaft gewinnen. Danach sollte einem Aufstieg in die 125-cm3-Weltmeisterschaft nichts mehr im Weg stehen.

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