Interview Gesamtverband der Versicherer (GDV) (Archivversion) „Restwertbörsen schaffen Transparenz“

Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Versicherer (GDV) zum Thema Restwertbörsen

Aus welchen Gründen nehmen Gutachter Restwertbörsen in Anspruch?
Für Teilehändler haben Fahrzeugwracks häufig noch einen hohen Wert. Es ist Aufgabe eines Sachverständigen, auch diesen Restwert zu schätzen. Je höher der Restwert ist, umso mehr bekommt der Geschädigte von einem Aufkäufer bezahlt und umso geringer fällt die Leistung der Versicherung aus. Egal, wie der Betrag zustande kommt, der Geschädigte erhält stets den vollen Wiederbeschaffungswert. In Mithaftungsfällen reduziert ein höherer Restwert sogar den eigenen, selbst zu tragenden Anteil des Geschädigten.

Sollte ein Gutachter auf dem lokalen Markt und aufgrund seiner Sachkenntnis nicht selbst einen Restwert bestimmen können?
Auch wenn der Sachverständige auf dem lokalen Markt einen Restwert bestimmt, hat der Versicherer ein berechtigtes Interesse an dessen Überprüfung. Ist das nicht möglich, bestimmt der Sachverständige ohne Transparenz, an welchen örtlichen Händler das beschädigte Fahrzeug veräußert wird.

Werden Sachverständige von Versicherern angehalten, Restwertbörsen zu nutzen?
Ein Arbeitskreis des Verkehrs­gerichtstages 2002 in Goslar empfiehlt Sachverständigen, seriöse Angebote aus Restwertbörsen zu berücksichtigen.

Wie erklären Sie die in der Regel hohen Kaufangebote aus Restwertbörsen?
Sicherlich gibt es vereinzelt hohe Preise, die den Verdacht nahe legen, dass es ein Aufkäufer nur auf die Fahrzeugpapiere abgesehen hat. Aus diesem Grund leiten Versicherer nur nachvollziehbare Restwertangebote an Geschädigte weiter. Oder Unfallfahrzeuge werden mit entwerteten Papieren veräußert. Die Frage ist aber doch eher, wer profitiert davon, wenn Gutachter niedrigere Restwerte in ihrem Gutachten angeben als tatsächlich erzielt werden könnten? Der Geschädigte ist es jedenfalls nicht.

Muss ein Geschädigter aufgrund der Schadenminderungspflicht Höchstgebote aus Restwertbörsen akzeptieren, um keinen finanziellen Nachteil zu haben?
Der Geschädigte verstößt nicht gegen die Schadenminderungspflicht, wenn er sein beschädigtes Fahrzeug zu dem vom Sachverständigen geschätzten Restwert veräußert. Unterbreitet jedoch der Versicherer des Unfallverursachers ein verbindliches Verwertungsangebot, das die Schätzung des Sachverständigen übersteigt, muss der Geschädigte dieses prüfen. Ist das Angebot rechtzeitig erfolgt und die Verwertung für ihn ohne große Mühe möglich, ist er verpflichtet, das Angebot wahrzunehmen.

Oft wird der Vorwurf laut, Restwertbörsen und die Art ihrer Nutzung seitens der Versicherer verstießen – speziell bei der Regulierung von Haftpflichtschäden – gegen geltendes Recht.
Kritiker sehen in Restwertbörsen einen Sondermarkt, der nicht zu berücksichtigen sei. Angesichts der immer stärkeren Rolle von diversen Markt­plätzen im Internet scheint diese Einschätzung nicht mehr angemessen. Im Gegenteil: Restwertbörsen machen den jeweiligen Markt transparenter.

Ist Ihnen bekannt, dass Versicherungen versuchen, bei Haftpflichtfällen die Gegenseite
zu beeinflussen?
Es gibt keine willkürliche Einflussnahme der Versicherer. Wer unschuldig an einem Verkehrsunfall beteiligt ist und einen Schaden erleidet, hat gesetzlich geregelte Ansprüche an die Kfz-Haftpflichtversicherung des Verur­sachers. Der Versicherer ist jedoch gegenüber seinem Versicherungs­nehmer verpflichtet, Schadenersatz­ansprüche dem Grunde und der Höhe nach zu prüfen. Von den jährlich rund neun Millionen bearbeiteten Schäden in der Kraftfahrtversicherung werden die meisten problemlos reguliert.

Können auch die Versicherungsnehmer von Restwertbörsen profitieren?
Werden Restwertbörsen herangezogen und ein Fahrzeugwrack mir hohem Restwert veräußert, verringert sich der Anteil der unmittelbaren Versicherungsleistung. So werden Einsparungen bei den Schadensaufwendungen erreicht, der Geschädigte nicht belastet und Versicherungsprämien niedrig gehalten.

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