Interview Jürgen Stoffregen (Archivversion)

Erfolgt die Einführung des neuen ABS aufgrund der Kritik am Vorgängersystem?
Nein. Wir folgen der technologischen Entwicklung und bringen etwa alle fünf bis sechs Jahre eine neue ABS-Generation. Die Entwicklung des neuen Integral-ABS startete bereits Anfang 2003.
Warum verzichtet das neue ABS auf einen Bremskraftverstärker?
Der Bremskraftverstärker wurde beim Vorgängersystem unter anderem eingeführt, um die Bedienkräfte zu senken. Damals lag das Gewicht unserer Tourenmotorräder deutlich höher als heute. Unsere Motorräder sind leichter geworden, die Notwendigkeit für eine zusätzliche Bremskraftverstärkung sehen wir jetzt nur noch bei der schwergewichtigen K 1200 LT, die das Vorgängersystem behält. Hinzu kommt, dass aufgrund des technologischen Fortschritts bei den Ventilsystemen heute Funktionsumfänge und ein Regelungskomfort erzielbar sind, der früher mit diesen Systemen noch nicht verwirklicht werden konnte.
Was sind die Vorteile des neuen ABS gegenüber dem Vorgänger?
Die Regelungsgüte und die Funktionalität konnten nochmals verbessert sowie das Gewicht und der Stromverbrauch gesenkt werden. Das Bauvolumen des Druckmodulators ist kleiner, er benötigt also weniger Platz im Motorrad. Die Zusatzfunktion ASC ist im Systemlayout berücksichtigt, trotzdem ist das System als Ganzes, trotz höherer Funktionalität, einfacher aufgebaut.
Warum wird die Antriebs-Schlupfregelung ASC nur für tourenorientierte Modelle der Boxer- und K-Serie angeboten, nicht aber für die sportlichen und leistungsstarken Modelle K 1200 R, K 1200 S und R 1200 S?
Das ASC ist in dieser ersten Ausbaustufe zunächst ein Assistenzsystem, das den Fahrer beim Beschleunigen auf rutschiger Fahrbahn unterstützt. Das passt nach unserer Auffassung sehr gut zu tourenorientierten Motorrädern. Wenn das System auf eine hohe Resonanz stößt, können wir uns vorstellen, das Einsatzspektrum zu erweitern und ein ASC auch für die Sportmotorräder anzubieten.
Wäre ASC bei allen Modellen möglich, bei denen das neue ABS zum Einsatz kommen wird?
Grundsätzlich und von den Systemkomponenten her ja.
Das ASC-System wird erst ab 2007 in Serie gehen. Können die Modelle, die zwischen September 2006 und 2007 gebaut werden, damit nachgerüstet werden?
Das ist momentan nicht vorgesehen.
Sie sprechen bei ASC von einem ersten Schritt in einer Reihe von Fahrer-Assistenzfunktionen. Werden weitere folgen?
Das hängt auch von den Kunden ab. Uns ist die Akzeptanz derartiger System sehr wichtig. Nicht alles, was technisch machbar ist, wird auch angeboten. Aber wenn das ASC gut ankommt, könnten wir uns bezüglich Fahrwerks- und Fahrdynamikregelung schon noch mehr vorstellen.

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