Interview Miguel Galluzzi

Miguel Galluzzi, Schöpfer der ersten Ducati Monster und heute Design-Chef von Aprilia, über optische Identität und typisch italienisches Design.

Könnte die FV2 in Produktion gehen?
Klar könnte sie in Serie gebaut werden, von mir aus am liebsten morgen. Die enthaltene Technik ist machbar, die Umsetzung vor allem eine Frage der Kosten. Man könnte zum Beispiel das Karbon beim Rahmen durch Aluminium ersetzen, das wäre deutlich billiger. Und ein bisschen Zeit braucht man auch, aber in zwei oder drei Jahren wäre eine Straßen-FV2 schon denkbar. Ob sie in dieser Form wirklich kommt, steht noch nicht fest.

Wie sind Sie an das Design der FV2 herangegangen?
Die verwendeten Materialien sind sehr leicht, das Motorrad wiegt nicht mal 160 Kilogramm. Daher muss es auch optisch leicht wirken.

Wie erreicht man das?
Mit einem wirklich minimalistischen Design, das nur bestimmte Teile betont, im Fall der FV2 ist das der Vorderbau. Hinten dagegen herrscht Luft und damit Leichtigkeit, dank des großen Abstands zwischen Heck und Schwinge.

Braucht Aprilia eine optische Identität?
Unbedingt, genau daran arbeiten wir. Ein Hersteller wie Aprilia, der im globalen Vergleich eher klein ist, muss sich über die Optik definieren, denn jetzt, wo auch die Chinesen kommen, wird es immer schwieriger, sich von anderen Marken abzuheben. Dass die Technik stimmt und funktioniert, ist heutzutage selbstverständlich. Den Unterschied muss das Design machen.

Wie kann das bei Aprilia aussehen?
Einige Beispiele gibt es ja schon, etwa die Shiver, die Mana oder demnächst die Dorsoduro. Aber auch ältere Aprilia-Modelle wie die Tuono mit ihrer extremen Optik passen zu der Linie, die uns vorschwebt. Grundsätzlich muss das Design als italienisch erkennbar sein, was für mich und meine Kollegen heißt: Wir müssen was riskieren, dürfen nicht einfach Teile von bekannten Erfolgsmodellen zu einem neuen Konglomerat zusammenstecken.

Kann man da nicht auf die Nase fallen?
Kommt drauf an. Es heißt ja immer, Motorradfahrer seien in Sachen Design konservativ. Aber die Ducati 916 oder die Monster sind schließlich große Erfolge, und das waren damals völlig neue Entwürfe. Italienisches Design heißt für mich konkret: extrem klare Linien, eine puristische und minimalistische Optik. Das kriegen die Japaner nur selten hin, und genau diese Schwäche müssen wir nutzen.

Wie wird der Vierzylinder aussehen, der im Herbst kommt?
(lacht) Das darf ich natürlich nicht verraten. Nur so viel: Unsere V4 wird wunderschön, und sie verfolgt das erwähnte Konzept. Sie wird also sehr italienisch aussehen.

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