Interview mit Aprilia-Entwicklungschef Romano Albesiano "Wir wollen uns von der Konkurrenz abheben"

Mit Aprilia-Entwicklungschef Romano Albesiano sprach MOTORRAD-Mitarbeiterin Eva Breutel.

Foto: Jahn
Wie lange hat die Entwicklung der RSV4 gedauert?
Angefangen haben wir 2005, da wurden die Eckdaten definiert. Das Besondere an dem Projekt ist, dass 40 Prozent der Entwickler aus Aprilias Rennsportabteilung kommen, der Rest aus der Serienproduktion. Das war eine ganz neue Art der Zusammenarbeit.

Warum fiel die Wahl auf einen V4?
Ein Vierzylinder garantiert viel Leistung, und weil wir mit dem Motorrad ja in der Superbike-WM mitfahren werden, ist das sehr wichtig. Für die V-Konfiguration haben wir uns entschieden, weil Aprilia über jede Menge Erfahrung damit verfügt, die RSV 1000 hat schließlich auch einen V-Motor mit engem Zylinderwinkel. Dazu kommt, dass wir uns damit von der Konkurrenz abheben. Den letzten V4 in der Superbike hatte die Honda RC 45 in den 90er Jahren, und der hatte einen Winkel von 90, nicht 65 Grad wie unser Motor.

Machte der V4 in der Entwicklung spezielle Probleme?
Einziges Handicap ist sein höheres Gewicht im Vergleich zum Reihenmotor, aber das haben wir so gut austariert, dass er jetzt rund 70 Kilogramm wiegt, also im Vergleich nur etwa drei oder vier Kilogramm mehr. Ansonsten war das eher eine finanzielle Frage, denn ein V-Motor ist in der Produktion teurer. Dafür ist er äußerst kompakt, wie die knappen Maße der RSV4 beweisen.

Das Motorrad hat einen extrem kurzen Hub von 52,3 Millimetern. Das verspricht jede Menge PS, aber fehlt da nicht Druck im mittleren Drehzahlbereich?
Nein, gar nicht. Da helfen uns unter anderem die in der Länge variablen Ansaugtrichter. Aber auch ohne sie weist das Motorrad eine ausgesprochen homogene Beschleunigung auf, bei jeder Drehzahl steht enorme Leistung parat. Das klappt live noch viel besser, als die Prüfstandskurve suggeriert.

Wo kommen diese zweistufig variablen Ansaugtrichter eigentlich plötzlich her?Die gab es im ersten Konzept des Motors, das vor zwei Jahren gezeigt wurde, noch nicht. Die hatten wir zunächst nur für das Superbike angedacht, aber als uns die Aprilia-Bosse dafür ein Extra-Budget genehmigten, haben wir sie natürlich mit Freuden bei der Factory integriert. Es ist schließlich der Traum jedes Entwicklers, die Motorcharakteristik so weit wie möglich zu optimieren.

Eine weitere Einstellmöglichkeit betrifft das Mapping, hier soll es mehrere Fahrprogramme geben. Welche werden das sein?
Die haben wir noch nicht endgültig definiert. Natürlich wird es ein ausgesprochenes Racing-Mapping geben und zwei oder drei softere Varianten.

Werden weitere Motorräder mit diesem Motor kommen?
Selbstverständlich, allein schon wegen der enormen Entwicklungskosten, die sich für nur ein Modell nicht lohnen würden. Der Motor ist so ausgelegt, dass mehr Hubraum und Drehmoment problemlos machbar sind. Die Bohrung kann man ganz einfach erhöhen, beim Hub ist das wegen der ins Kurbelgehäuse integrierten Zylinder nicht ganz so leicht, aber ebenfalls möglich.

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