Interview mit Hans-Günther Bruckmann

Was halten Sie als aktiver Motorradfahrer von Tempo 80 für jugendliche Leichtkraftradler? Die Bestimmung hat einen klaren Hintergrund. Wie die Bundesanstalt für das Straßenwesen (BASt) in einer Untersuchung aus dem Jahr 2001 herausgefunden hat, verunglücken Fahrer in der Altersgruppe zwischen 16 und 17 durchschnittlich etwa sieben Mal häufiger als andere Motorradfahrer. Dabei sollte man freilich berücksichtigen, dass von diesen Unfällen lediglich ein Viertel außerorts passierte. Vom gesunden Menschenverstand her, losgelöst von Statistiken, sage ich, dass man diese Geschwindigkeitsbegrenzung aufheben sollte. Zum einen, weil nur ein geringer Teil der tödlichen Un-fälle auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen ist. Zweitens muss man die Menschen natürlich vernünftig darauf vorbereiten, wie man im Verkehr damit umgeht. Das hat man auch bei der EU erkannt, es gibt einen Vorschlag der Europäischen Kommission zu einer Neufassung der Führerscheinrichtlinie. EU hin oder her, was muss sich konkret hier in Deutschland tun, dass diese Regelung tatsächlich vom Tisch kommt? Aus dem Bericht der BASt ergibt sich ja, dass man diese Beschränkung aufgeben könnte. Zum anderen: Wenn die Länder bestimmte Rahmenbedingungen anders bewerten als der Bund und die Länder zustimmungspflichtig sind, wie das bei Tempo 80 der Fall war, dann muss man mit den Ländern darüber diskutieren, wie man eine solche Bestimmung aufheben kann. Sie haben gerade die BASt-Studie erwähnt, deren Autoren ziehen freilich andere Schlussfolgerungen als Sie. Die sagen, Tempo 80 habe sich bewährt, also weiter so. Ich sage im Umkehrschluss, wenn 12,7 Prozent der Unfälle beim Überholen passieren, muss man dafür sorgen, dass die Jugendlichen auf ihren Leichtkrafträdern im Verkehr mitschwimmen können. Die BASt behauptet ganz lapidar, Jugendliche seien unvernünftig, deshalb müsse man sie einbremsen, im wahrsten Sinn des Wortes. Das ist ja nicht ganz unvernünftig. Ich habe selber Kinder in einem Alter, in dem sie sehr risikobereit sind. Da gibt es zwei Möglichkeiten, damit umzugehen. Die eine ist ein Verbot, das Mittel, das man im Allgemeinen nimmt. Die zweite heißt: überzeugen, schulen und hinweisen auf das, was dann passieren kann. Diese Alternative ziehe ich bei weitem vor. Hält man die Jugendlichen hier in Deutschland mit solchen Bestimmungen wie Tempo 80 nicht bewusst vom motorisierten Zwei-rad fern? Erstens: Wenn man einen Führerschein definiert und dabei, wie beim A1, eine Eingrenzung einbringt, so muss das ja nicht Tempo 80 sein. Man könnte doch auch sagen, ich definiere eine bestimmte Leistung für ein Fahrzeug dieses Typs, 11 kW zum Beispiel, wie es die EU vorschlägt, und dazu ein Leistungsverhältnis bezogen aufs Gewicht, 0,1 kW pro Kilogramm. Daraus ergibt sich dann, wie schnell man mit einem solchen Fahrzeug fahren kann. Und das dürfte, bei diesen Werten, um die 100 km/h sein. Zweitens: Die Leute machen ihre Erfahrungen mit den Geräten, die sie da fahren im Straßenverkehr, und sie reifen heran zu anderen Gefährten mit größerer Leistung. Das halte ich in der Art und Weise des Vorgehens für absolut richtig. Die Interviews führten Michael Orth und Norbert Sorg

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