Interview mit Hendrick von Kuenheim, Leiter BMW Motorrad Ziel ist der Weltmeistertitel

Foto: BMW
Zur Wachstumsstrategie für die nächsten Jahre:
Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung soll der Absatz bis 2012 um 50 Prozent auf 150000 Einheiten wachsen. Um dieses Ziel zu erreichen, gehen wir gezielt in Marktsegmente, in denen BMW bisher nicht vertreten war.

Zu den neuen Segmenten des zukünftigen BMW-Angebots:
Im Enduro-Bereich sehen wir noch hohes Potenzial für weiteres Volumenwachstum. Bei den Modellen im Tourer- und Sporttourerbereich stoßen wir an Wachstumsgrenzen. Deswegen der Einstieg ins Segment der Sport-Enduros sowie der Einstieg von BMW ins Supersport-Segment.

Zu der Übernahme von Husqvarna:
Wir gehen den Weg über eine Zwei-Marken-Strategie. Das Absatz-Ziel von 150000 Motorrädern werden wir gemeinsam mit Husqvarna erreichen. Husqvarna Motorcycles gehört zu den ältesten noch produzierenden Motorradherstellern und ist eine der ruhmreichsten Motorradmarken weltweit.

Zu den besonderen Herausforderungen der europäischen Hersteller:
Wir erleben fast täglich, wie sich unsere Rahmenbedingungen verschlechtern: Die Rohstoff- und Energiepreise steigen. Der Dollar und der japanische Yen haben in den letzten sieben Jahren an die 80 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Euro verloren. Das bedeutet für uns: Unsere Hauptwettbewerber können ihre Produkte auf den Weltmärkten günstiger anbieten und dennoch hohe Gewinne erwirtschaften. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, steigern wir deshalb weiter die Effizienz und intensivieren die internationalen Einkaufsaktivitäten.

Zu den besonderen Herausforderungen im Segment der Supersportler:
Uns ist bewusst, welche große Herausforderung wir damit anpacken. Vor allem die Japaner haben in der Klasse einen Erfahrungsvorsprung von rund 20 Jahren. Aber der Gedanke daran spornt uns an. Von Beginn an wollen wir mit unserem Supersportler auf Augenhöhe mit den etablierten Wettbewerbern sein. Entsprechend motiviert ist die Entwicklungsmannschaft, der bisher erreichte Status ist sehr vielversprechend. Wir sind sicher, dass wir mit einem überzeugenden Paket in der Superbike-Weltmeisterschaft starten können und auch ein ebenso überzeugendes Serienmotorrad anbieten werden. Sowohl technologisch als auch preislich wird unser Supersport-Motorrad absolut wettbewerbsfähig sein.

Über die Motivation von BMW, genau in dieses Segment vorzustoßen:
Mit der Faszination dieses Motorrads, mit Genen aus dem Rennsport, erweitern wir das Markenbild von BMW Motorrad um eine weitere sportliche und emotionale Komponente, um neue Kunden für die Marke zu begeistern. Die Superbike-WM erfreut sich international wachsender Beliebtheit bei Motorradfahrern, und das rund um den Globus!
Wir demonstrieren erstmals auch in der Klasse der Onroad-Motorräder die Innovationskraft von BMW Motorrad, denn dieses Super­sport-Motorrad ist eine vollständige BMW-Eigenentwicklung und wird in unserem Werk in Berlin produziert werden.
Wir bauen damit unser Angebot gezielt aus, um weltweit zu wachsen. Derzeit werden weltweit etwa 100000 Fahrzeuge der 1000er-Klasse verkauft. Der größte Teil davon in die USA und in Europa. Die vier großen japanischen Hersteller teilen den Markt zu rund 85 Prozent unter sich auf. BMW Motorrad will sich in diesem Segment langfristig engagieren. Wir sind sicher, dass wir neue Impulse setzen und uns einen angemessenen Marktanteil erobern werden.

Zum Konzept der BMW S 1000 RR:
Unser Supersportler basiert auf einem sehr bewährten Grund­konzept. Den engen technischen Spielraum werden wir dabei für eigenständige Lösungen nützen. Der Reihen-Vierzylinder erfüllt die gestellten Anforderungen an Leistung, Gewicht und Package am besten. Typisch für BMW wird der Motor natürlich einige Besonderheiten aufweisen – speziell im Zylinderkopf.
Aus Package-Gründen entschieden wir uns im Fahrwerksbereich gegen den BMW-Duo-Lever. Der größere Bauraumbedarf dieser Vorderradführung hätte für die sehr kompakte Bauweise des BMW-Superbikes Nachteile mit sich gebracht.
Dennoch kommen Innovationen nicht zu kurz: Wir werden mit einer speziellen Traktionskontrolle antreten.

Zum Projekt-Status:
Wir liegen mit den Vorbereitungen voll im Plan. Entsprechend dem Reglement wird das Motorrad 2009 kaufbar sein und bis Ende 2009 werden 1000 Serienfahrzeuge produziert sein. Die Umsetzung der Rennaktivitäten erfolgt in enger Kooperation mit Alpha-Racing. Die Firma hat inzwischen die eigens errichtete Werkshalle in Betrieb genommen. Der Teamaufbau ist in vollem Gange, und die Schlüsselpositionen sind besetzt. Bei der Auswahl der Entwicklungs- und Testfahrer des Wettbewerbsmotorrads wenden wir ein rollierendes System an, um möglichst breit gefächerte Erfahrungen zu sammeln. Wir setzen erfahrene Piloten und junge Wilde ein. Was das Renn­motorrad betrifft, werden wir in den kommenden Wochen und Monaten systematisch die einzelnen Leistungsstufen in Betrieb nehmen und erproben.

Zu den sportlichen Zielen:
Ohne Lernkurve wird es nicht gehen. Deshalb haben wir uns realistische Ziele gesetzt. Für das erste Jahr der Superbike-WM nehmen wir uns vor, einige Top-Ten-Plätze einzufahren und den Abstand zu den Top-Teams kontinuierlich zu verringern. Ab dem zweiten Jahr wollen wir zu den Top-Teams aufschließen und erste Podiumsplätze erringen. Mittelfristiges Ziel ist natürlich der Weltmeistertitel.

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