Interview mit Jörg Müller


Jörg Müller, Vertriebs- und Marketingleiter beim deutschen Importeur MSA, über Hyosung

Wie viele Motorräder hat Hyosung in Deutschland 2004 und 2005 verkauft? Wie wichtig ist der deutsche Markt für die Koreaner?
Im Jahre 2004 wurden 1728 Motorräder und 125er zugelassen, im Jahre 2005 waren es 1675. Deutschland ist
sehr wichtig für die Koreaner. Hier wird schneller gefahren als in
jedem anderen Land, und der Kunde hat ein besonderes Verhältnis zu seinem Fahrzeug. Qualitäts- und in letzter Zeit auch Preisbewusstsein sind bei uns sehr hoch. Das Werk setzt Verbesserungsvorschläge der Importeure zuverlässig um. Etwa 200 Händler vertreiben das Komplettprogramm, dazu kommen noch einige Partner, die nur Fahrzeuge bis 125 cm3 führen.
Hyosung hat in Deutschland bei den Neuzulassungen von Leichtkrafträdern und Rollern 2005 deutliche Verluste im zweistelligen Bereich im Vergleich zum Jahr 2004 hinnehmen müssen. Diese Tendenz setzt sich fort. Woran liegt das?
Im Jahr 2005 hatten wir bei 125er-Motorrädern einen Einbruch, das ist richtig, erreichten aber am Jahresende immerhin den vierten Platz in der Statistik. 125er-Roller sind zurzeit nicht im Programm, weswegen nur Zulassungen von Restbeständen registriert werden. Die neue vollverkleidete GT 125 R mit V2-Motor wird hervorragend angenommen.
Wie steht es um den Verkauf der 50er-Roller in Deutschland?
Hier haben alle Markenhersteller das Problem der Billiganbieter aus China, die über Baumärkte vertrieben werden. Auch wir spüren dies natürlich. Trotzdem können wir uns über die Verkäufe nicht beklagen. Die Roller sind modern gestylt und problemlos.
Welchen Kundenkreis und welche Altersgruppe spricht Hyosung in Deutschland an?
Die Modelle XRX, Karion und GT 125 V2 sind für den sechzehnjährigen A1-Fahrer interessant, der 125er-Chopper traditionell eher für den älteren Autoführerscheinbesitzer. Unsere 650er-Sportmotorräder sprechen wegen des Preises junge Fahrer und Führerscheinneulinge an, die sonst vielleicht ein gebrauchtes Fahrzeug anschaffen würden. Die GV 650 wird von Kunden gekauft, die Wert auf eine extravagante Linie und vergleichsweise hohe Motorleistung legen. Das bietet in diesem Preissegment sonst kein anderer Hersteller.
Wann kommen die neuen 1000er, die bereits 2004 angekündigt worden sind? Was ist in der Modellpolitik von Hyosung künftig zu erwarten?
Bezüglich des 1000er-Motors müssen wir uns noch etwas gedulden – er wird wahrscheinlich erst Ende nächsten Jahres fertig sein. Hyosung wird auf der Intermot ein 450er-Sportquad und eine 125er-Supermoto vorstellen. Eine Einspritzversion des 650er-Motors ist für 2007 geplant. Außerdem interessieren sich die Koreaner für den Bereich Reiseenduro.
Wie sehen Sie die Zukunft von Hyosung in Deutschland?
Die Marke ist vielen Endverbrauchern noch nicht geläufig. Wir als Importeur möchten natürlich mehr Marktanteile holen – das werden wir zusammen mit unseren Händlern auch erreichen. Aber gut Ding will Weile haben. Service und Ersatzteilversorgung sind auf höchstem Niveau – das wird sich auf Dauer positiv auf die Markenentwicklung auswirken. Unsere Händler werden gut betreut und geschult und sind mit Herz bei der Sache. Gemeinsam mit ihnen sehen wir eine gute Zukunft.
Wie beurteilen Sie das Image von Hyosung in Deutschland? Und welches Image streben Sie an?
Die 125er sind in Deutschland seit Jahren gut im Rennen. Die 650er brauchen noch einen höheren Bekanntheitsgrad, aber die Marke wird auch dort ihren Platz finden. Wir wollen den preisbewussten und markenneutralen Käufer ansprechen. Es gibt Parallelen zum Erfolg der koreanischen Automobilhersteller.
Inwieweit sehen Sie den Hyosung-Markencup als Erfolg an?
Rennaktivitäten haben ihren besonderen Reiz, besonders dann, wenn sich eine junge, noch nicht so bekannte Marke engagiert. Die GT 650 R mit Umbauteilen und Fahrerausstattung ist recht günstig – so erhält auch der Nachwuchs ab 14 Jahre eine Chance. Wir verzeichnen gutes Interesse von Kunden, Händlern und Presse. Allein das ist ein Erfolg. Wir als Importeur
sind jedoch für Aktivitäten dieser Art nicht ausgerichtet. Der Cup wird deswegen von der Firma Awak-Racing in eigener Regie organisiert und durchgeführt – MSA ist nicht Initiator oder Organisator des Cups, sondern lediglich einer der Sponsoren.
In Testberichten werden immer wieder Kupplung, Dämpfung und Fahrverhalten bei der GT 650-Baureihe moniert. Was werden Sie ändern oder haben Sie bereits geändert? Welche Kinderkrankheiten sind beseitigt worden?
Die allerersten 650er-Naked hatten ein zu hartes Federbein. Später produzierte Maschinen und ebenso die Modelle S und R haben eine geänderte Abstimmung. Sollten vereinzelt noch Kupplungsprobleme auftauchen, hilft der Händler. Außerdem haben die Koreaner nun ihre Liebe zum Detail entdeckt, das sieht man deutlich an der GV 650 und der neuen GT 125 R.
Wie grenzen Sie die GT 650 von der Suzuki SV 650 ab?
Es kommt öfter vor, dass sich Produkte auf den ersten Blick ähnlich sehen. Beide Fahrzeuge haben ein interessantes Grundkonzept. Der Kunde entscheidet mit dem Bauch, aber auch mit dem Geldbeutel.

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