Interview mit KTM-Ingenieur (Archivversion) „Mit Tempo 50 über den Salzburgring“

KTM-Ingenieur Martin Forster im Gespräch mit MOTORRAD über den Entwicklungsstand der Motorensteuerung.

Herr Forster, was muss ein modernes Motorenmanagement heute konkret leisten?
Das hängt natürlich stark von der Komplexität des Motorrads ab: Zylinderanzahl, Anzahl der Drosselklappen, Lambda- sowie Leerlaufregelung, Drive-by-wire, Wegfahrsperre und so weiter. Um eine Größenordnung zu nennen: Bei einem gängigen Zweizylinder-Modell verarbeitet das Steuergerät 26 Eingangs- und 34 Ausgangssignale mit Taktzeiten zwischen 0,001 und 0,1 Sekunden. Für ein „Setting“ müssen rund 40000 Werte bearbeitet werden, teilweise mehrmals in Näherungsschritten.

Muss dieses Setting für jedes neu entwickelte Modell komplett neu erstellt werden?
Es gibt gewisse Einstellungen, die man von einem bestehenden Modell übernimmt und an das neue Modell anpasst, beispielsweise die Lambda-Regelung. In der Regel müssen aber 95 Prozent der Daten neu auf das Modell abgestimmt werden.

Und was ist das Arbeitsintensivste?
Die gesetzlichen Vorschriften in Verbindung mit einer akzeptablen Fahrbarkeit machen bei weitem den größten Teil der Arbeit aus. Beides für sich alleine bearbeitet wäre um vieles einfacher.

Auch in Zukunft?
Um zukünftige gesetzliche Vorschriften bei gleichbleibender Leistungsvorgabe zu erreichen, wird meiner Meinung nach der Aufwand generell stark ansteigen. Besonders thermodynamische Untersuchungen, also die Art und Weise der Energieumwandlung, werden immer wichtiger. Das Gesamtsystem Motorrad wird mit zusätzlichen Anbauteilen wie der Abgasrückführung, größeren Katalysatoren bis hin zu variablen Steuerzeiten wahrscheinlich komplexer werden. Bei den Motormanagementsystemen wird der Entwicklungsaufwand aufgrund der gestiegenen Systemkomplexität stark ansteigen.

Wie viele Welten liegen eigentlich zwischen einem idealen Mapping – das sich der Techniker wünscht – und dem realen – also dem, das alle gesetzlichen Restriktionen und Anforderungen erfüllt?
Das wäre vergleichbar mit einer 50-km/h-Geschwindigkeitsbegrenzung am Salzburgring.

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