Interview mit Luca Carmignani (Archivversion)

Der Chef der Abteilung Motoreninnovation bei Piaggio, Luca Carmignani, über die Entwicklung der Hybrid-Scooter.

Seit wann läuft die Entwicklung der Hybrid-Motoren?
Seit 2001, und zwar in Zusammenarbeit mit der Universität Pisa. Bei Piaggio sind wir inzwischen eine Gruppe von zehn Leuten.
Wie sehen Ihre praktischen Erfahrungen mit den Fahrzeugen aus?
Die Roller werden nicht nur von unseren Testfahrern, sondern auch außerhalb erprobt. Seit einem Jahr sind je zwei Vespa LX 50 und Piaggio X8 125 bei den Stadtverwaltungen von Mailand und Florenz im täglichen Einsatz. Bis-lang läuft dieser Praxisversuch sehr erfolgreich.
Im Elektrobetrieb haben die Roller eine Reichweite von 20 Kilometern. Ist das nicht ein bisschen wenig?
Wir finden eigentlich, dass es ganz schön viel ist. Der Toyota Prius schafft nur neun Kilometer. Unsere Reichweite von 20 Kilometern genügt locker für jene Sperrzonen, in denen Verbrennungsmotoren inzwischen tabu sind, beispielsweise in den Altstädten von Rom oder Florenz. Zudem laden sich die Batterien über den Verbrennungsmotor schnell auf, wenn man die Sperrzonen verlässt: Dabei generieren die Batterien innerhalb von zehn Minuten Fahrt wieder Leistung für 2,5 Kilometer im reinen Elektrobetrieb.
Alle drei Prototypen, die wir ausprobiert haben, sind im Elektrobetrieb recht langsam. Können die nicht schneller?
Oh doch, durchaus. Die 50er-Vespa schafft mit Elektromotor 45 km/h, der 125er und der 250er sogar 60 km/h. Aber wir haben das Tempo im Elektrobetrieb ganz bewusst begrenzt, beim 50er auf 25 km/h, bei den anderen beiden auf 35 km/h. Zum einen vergrößert sich dadurch die Reichweite, zum anderen halten wir eine höhere Geschwindigkeit für gefährlich. In den angesprochenen Sperrzonen bewegen sich hauptsächlich Fußgänger und Radfahrer, und wenn da ein 200-Kilogramm-Roller wie der MP3 mit 60 Sachen ankommt, sind Unfälle fast unver-meidlich, denn er fährt ja völlig geräuschlos.
Der Hybrid-Roller MP3, der in rund einem Jahr auf den Markt kommen soll, wird mit Lithium-Batterien ausgestattet. Wie hoch ist deren Lebensdauer?
Sie liegt bei etwa 30000 Kilometern, das entspricht bei einem durchschnittlichen italieni-schen Rollerfahrer etwa fünf Jahren. Danach kann man die Batterien auch austauschen, aber um da über Kosten zu sprechen, ist es noch zu früh.
Die Batterien für den Elektromotor lassen sich nicht nur über den Verbrennungsmotor, sondern auch übers Stromnetz aufladen. Wie lange dauert das?
Bis sie ganz voll sind, drei Stunden. Aber nach zwei Stunden liegen sie bereits bei 85 Prozent Aufladung, da kann man getrost schon wieder starten.
Piaggio hatte 1998 bereits einen Hybrid-Roller vorgestellt, den Zip&Zip. Der war aber kein Erfolg. Warum sollte es jetzt anders sein?
Der Zip&Zip hatte eine andere Technik, es gab nur entweder Elektro- oder Benzinbetrieb, nicht beides gemeinsam, und seine Batterien luden sich während der Fahrt nicht auf, die Reichweite war daher gering. Außerdem existieren zumindest in den italienischen Großstädten heutzutage Ladestationen für Elektrofahrzeuge, das gab’s damals nicht. Und dann hat sich natür-lich auch das Klima geändert, sowohl atmosphärisch wie politisch. Immer mehr Städte machen ihr Zentrum für Normalverkehr dicht oder erheben Mautgebühren. Deshalb besteht heute eine viel größere Nachfrage nach umweltfreundlichen Fahrzeugen.

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