Interview mit Manfredi Fenici, Entwicklungschef von Husqvarna „Wir brauchen zwei Jahre“

Husqvarna will wieder richtig mitmischen. Doch bis zur Serienreife neuer Cross-Modelle müssen sich die Fans noch gedulden.

Was hat sich seit der Übernahme durch BMW geändert?

Jede Menge. Der größte Unterschied besteht darin, dass wir jetzt auf stabile Ressourcen zurückgreifen können. Wir waren es gewohnt, maximal zwölf Monate im Voraus zu planen. Jetzt haben wir Entwicklungskonzepte für die nächsten drei, vier Jahre.


Wie läuft die Zusammenarbeit mit BMW in München?

Die Entwicklungsabteilung ist sehr offen, jederzeit für uns ansprechbar. Ich muss gestehen, dass am Anfang wir im Vergleich zugeknöpfter waren. Aber inzwischen läuft das prima.


Husqvarna setzt in der Enduro-WM bereits einen neuen 250er-Motor ein. Wann kommt der 250er-Cross-Motor?

Sehr bald. Bis zum Jahresende werden wir eine Kleinserie bauen. Rennen fahren werden wir damit bereits in der nächsten Saison, wobei noch nicht entschieden ist, ob wir gleich in die Weltmeisterschaft einsteigen.


Die Basis ist aber die gleiche wie beim Enduro-Motor?

Ja. ein wassergekühlter Vierventil-Motor mit zwei Nockenwellen. Doch für den Motocross-Einsatz sind allerdings Änderungen nötig, wir brauchen eine andere Charakteristik. Der Vorteil des Konzepts liegt darin, dass der Motor sehr klein ist, im Vergleich zu unserem alten Cross-Motor hat er um etwa 13 Prozent weniger Volumen. Er wiegt nur 22 Kilogramm und steht leistungsmäßig gut im Futter. Da können wir uns einen sehr kleinen Rahmen erlauben.


Und der große Cross-Motor?

Am 450er arbeiten wir natürlich auch, er wird um die 47 PS haben. Der kommt aber erst zum Modelljahr 2011 – im Cross-Bereich heißt das, dass wir ihn im Frühsommer 2010 vorstellen.


Ist damit das Thema Zweitakter erledigt?

Nein. In der Cross-WM starten ja weiterhin Zweitakter, und die sind bei den dortigen Leistungsanforderungen zuverlässiger. Das gilt natürlich nicht nur für unseren Motor, sondern generell. Unser 250er dreht bis 15000/min, eine Viertakt-Mechanik muss dabei jede Menge aushalten. Wir denken auch über die Entwicklung eines neuen Zweitakters nach.


BMW hat selbst eine Sport-Enduro im Programm, die G 450 X. Ist deren Vorhandensein ein Limit für künftige Husqvarna-Projekte?

Nein, im Gegenteil. Wir reden selbstverständlich darüber, wie wir die vorhandene Technik am besten gemeinsam nutzen können, etwa, indem wir die gleichen Teile verwenden, was den Einkauf und damit die Produktion billiger macht. Denn man kann das schönste Motorrad der Welt bauen – wenn man nichts daran verdient, bringt es nichts.


Den Boom der Offroad-Motorräder auf dem US-Markt hat Husqvarna verschlafen. Jetzt geht der Absatz zurück. Wie können Sie wieder Fuß fassen?

Auch nicht anders als in Europa: mit einem technisch überzeugenden Motorrad, und da sind wir ja dran. Wir werden etwa zwei Jahre brauchen, um uns wieder ein gutes Image aufzubauen. Aber dann haben wir gute Chancen. Klar soll ein Cross-Motorrad vor allem effizient sein, aber jeder kauft lieber ein Produkt, das ihn auch emotional anmacht. So gesehen haben wir gerade gegen die Japaner gute Chancen.


Denken Sie auch daran, die Produktpalette zu erweitern?

Ja. Ein Thema dabei könnten Minicrosser sein, die gerade in den USA, aber nicht nur dort wichtig sind. Der Gedanke an eine komplette Cross-Palette von 50 bis 450 cm3 gefällt nicht nur mir, so viel darf ich verraten. Dann gäbe es die sogenannten Dual-Purpose-Motorräder, die sich sowohl für die Straße als auch fürs Gelände eignen. Oder eine softe Supermoto für den Straßeneinsatz, nicht so hoch und extrem wie die gegenwärtigen Modelle. Möglichkeiten gibt es viele – und an Ideen mangelt es uns auch nicht.

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