Interview mit Max Neukirchner (Archivversion) Wir kämpfen gegen elf Werksfahrer

Mit sehr konstanter Formkurve etablierte sich Max Neukirchner in der bisherigen Superbike-WM-Saison 2007 in den Top Ten. Samt seinem Suzuki-Deutschland-Team stößt er aufgrund fehlender Werksunterstützung allerdings auch an Grenzen.

Max Neukirchner, nach den vielen Schwierigkeiten im Vorjahr sind Sie 2007 im Suzuki-Deutsch-land-Team in der Superbike-WM unterwegs. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz unmittelbar vor dem deutschen Rennen auf dem Eurospeedway Lausitz und damit dem allmählich beginnenden Saisonfinale aus?
Grundsätzlich bin ich sehr happy, insbesondere mit der Zusammenarbeit mit meinem Team. Auf der anderen Seite geht es dir schon irgendwann auf die Nerven, wenn du nicht sehr viel weiter vor als auf Rang zehn kommst. Aber da sind uns vom Material her – wir fahren ja mit Suzuki GSX-R 1000-Maschinen aus dem Vorjahr – und ebenso von unseren eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten einfach Grenzen gesetzt. Man darf nicht vergessen: Wir kämpfen gegen bis zu elf werksunterstützte Fahrer.

Was dabei auffällt, ist Ihre Konstanz. Sie sind in der aktuellen Superbike-WM-Tabelle Neunter und vor allem der einzige von insgesamt 32 aufgelisteten Fahrern, der in jedem der bisher 19 Einzelrennen gepunktet hat.
Ja, in diesem Zusammenhang muss ich meinem Team ein Riesenkompliment machen. Ganz offensichtlich haben wir die Technik, die uns zur Verfügung steht, sehr gut im Griff. Und dann darf ich mich auch mal ein bisschen selber loben. Denn ich hatte zwar den einen oder anderen Sturz in den Trainings. Doch während der Rennen ist es mir immer gelungen, auf dem Motorrad zu bleiben. Andererseits ist so eine konstante Vorstellung für ein Team mit unseren Möglichkeiten unabdingbar, wenn du wenigstens einiger-maßen in der WM-Tabelle mithalten willst.

Sie sind 2007 einer der meistbeschäftigten Rennfahrer überhaupt. 25 Superbike-WM-Einzelrennen, zwei 24-Stunden-Rennen und dazu noch, zumin-dest nach dem anfänglichen Plan, zehn IDM-Rennen. Ein volles Programm.
Stände ich mit meiner jetzigen Erfahrung noch mal am Anfang dieser Saison, würde ich solch ein Mammutprogramm nicht noch einmal auf mich nehmen. Es ist alles in allem schon zu viel. Speziell bei den IDM-Rennen gab es ziemliche Umstellungsprobleme, da ich dort nicht mit meinem eigenen Team antreten konnte. Ich werde auch die ursprünglich geplanten IDM-Rennen in Most Anfang September auslassen, weil mir dort das Verletzungsrisiko etwas zu groß ist, nur eine Woche vor dem Superbike-WM-Heimspiel auf dem Eurospeedway Lausitz. Die 24 Stunden von Le Mans waren dagegen eine super Geschichte. Und ich bin sicher, dass der Sieg dort mir auch in Deutschland geholfen und meinen Bekanntheitsgrad sowie mein Image bei den Fans hierzulande stark verbessert hat.

Gibt es schon Planungen für 2008?
Momentan sieht es ziemlich gut aus, dass ich im nächsten Jahr im Alstare-Suzuki-Werksteam in der Superbike-WM starten kann. End-gültig fix ist das zwar noch nicht, aber ich denke, zusammen mit Suzuki-Direktor Bert Poensgen ist unsere Verhandlungsposition recht gut.

Es ist bekannt, dass Sie von BMW in Sachen neues Superbike-Projekt angesprochen wurden. Wie ist der Verhandlungsstand mit den Bayern?
Ich habe auch für den Bol d’Or, das 24-Stunden-Rennen in Magny-Cours, wieder eine unbefristete Einladung zum Weißwurst-Essen im BMW-Hospitality-Zelt, das ist alles. Im Ernst: Es gab Kontakte zu BMW, die ich allerdings nicht weiter verfolgt habe, da ich bei Suzuki in einer, so glaube ich, sehr guten Position bin. Und wenn wir es tatsächlich schaffen, nächstes Jahr ein Teil des Werksteams zu werden, habe ich eine sehr gute Chance, in meiner Karriere einen großen Schritt weiterzukommen.

Sie selbst, MotoGP-Fahrer Alex Hofmann wie auch die beiden 125er-GP-Junioren Sandro Cortese und Stefan Bradl, somit alle deutschen Motorrad-Rennfahrer mit internationaler Perspektive, sind Selfmade-Männer, das heißt, ohne größere Förderprogramme der Motorsportverbände dahin gekommen, wo sie sind. Warum ist das so?
Die Nachwuchsförderung in Deutschland ist grundsätzlich nicht schlecht, aber nicht konsequent genug. Die meisten Förderungsaktionen laufen zu kurz, und wenn ein Fahrer dann mal eine Krise hat, was oft gar nicht ursächlich mit ihm selber zu tun haben muss, wird er zu schnell fallen gelassen. Es wird zu schnell zu viel erwartet. Den jungen Fahrern wird keine Zeit gegeben, sich vernünftig zu entwickeln.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob in den neuen Bundesländern der Motorradrennsport, was Aktive wie Fans angeht, sehr viel populärer ist als im Westen. Schaut man genauer hin, konzentriert sich die Motorradsport-Hoch-burg noch viel enger auf die Region Chemnitz–Zschopau–Zwickau, also auch Ihr unmittelbares Heimatgebiet. Woran liegt das?
Das Ganze geht klar vom Sachsenring aus. Dort gab es schon immer eine riesige Motorsport-Begeisterung. Und diese Begeisterung wiederum, das weiß ich auch aus eigener Erfahrung, hilft einem jungen Fahrer sehr. Denn aus dem allgemeinen großen Interesse am Motorsport entsteht eine breite Unterstützer-Szene. Das geht bis runter zu kleinen Dingen wie beispielsweise der Verpflegung für ein Rennwochenende, die dir dann zum Beispiel der örtliche Metzger, Bäcker oder Käsegroßhändler zur Verfügung stellt. Wieso so etwas zum Beispiel rund um den Hockenheimring nicht in vergleichbarer Form existiert, weiß ich allerdings nicht. Bei uns jedenfalls heißt die Sportart Nummer eins Motorradrennen.

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