Interview mit Michael Hettenbach, Rechtsanwalt (Archivversion)

Michael Hettenbach ist Rechts-
anwalt in Ludwigsburg und
unter anderem spezialisiert auf führerscheinrechtliche Fragen.

Wird der Führerschein häufig entzogen?
Nein. Es ist gar nicht so leicht, auf die 18 Punkte zu kommen, die zu einem Führerscheinentzug führen. (Passiert zirka 150000-mal im Jahr, die Red.) Da muss man sich schon einiges zuschulden kommen lassen. Wer also den Führerschein verliert, der hat vorher nicht richtig aufgepasst.
Wie kann man sich dagegen schützen?
Normalerweise, indem man sein Punktekonto aufmerksam beobachtet. Unter Umständen empfiehlt sich auch eine verkehrspsychologische Beratung. Da haben wir hervorragende Erfahrungen gemacht. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass in den vergangenen zehn Jahren einer, der eine solide Beratung mitgemacht hat, wieder bei uns mit Führerscheinproblemen aufgetaucht ist.
Und wenn das nicht hilft?
Wenn es trotzdem ernst wird, empfiehlt sich unbedingt der Gang zum Rechtsanwalt. Und zwar rechtzeitig. Auf jeden Fall immer dann, wenn der Führerschein ernsthaft in Gefahr ist.
Aber Punkte sind Punkte. Was kann da der Rechtsanwalt tun?
Zunächst aufgrund der Akteneinsicht den Tatbestand genau prüfen. Dann kann er zusammen mit dem Mandanten zur Vorbereitung der Gerichtsverhandlung Maßnahmen besprechen, die das Urteil des Richters beeinflussen können. Denn der hat nicht nur das Verhalten zur Tatzeit zu beurteilen, sondern – und das wissen die Wenigsten – auch das Verhalten nach der Tat.
Was bedeutet das?
Das kann bedeuten, dass der Verkehrssünder sofort aktiv wird und nicht erst auf das Urteil wartet. Das Damoklesschwert, das über ihm schwebt, ist ja, dass ihm die Eignung zum Führen eines Fahrzeugs abgesprochen wird. Ist das der Fall, muss der Kandidat nachweisen, dass er sich mit den Vorfällen nachvollziehbar auseinandergesetzt und nachhaltige Veränderungen
in seinem Leben vorgenommen hat. Und damit kann er schon beginnen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Ich hatte einen Mandanten, der zwanzig Jahre ohne jede Beanstandung gefahren ist. Dann häuften sich plötzlich unerklärliche Verkehrsverstöße bis hin zu 18 Punkten. Wir haben das zusammen mit einem Psychologen untersucht. Denn die Punkte sind ja immer nur die Spitze des Eisbergs.
Was haben Sie herausgefunden?
Der Mann war in eine nicht mehr zu bewältigende Stresssituation geraten. Krise in der Ehe, heftiger Ärger und Überlastung im Beruf. Ohne ins Detail gehen zu wollen: Diesen Menschen hat schließlich jede Fliege an der Wand krank gemacht. Wir sind dann
übereingekommen, dass es für ihn sinnvoll ist, zunächst einmal die Arbeitsstelle zu wechseln. Das hat dem Richter klar gezeigt, dass der Betroffene sich ernsthaft mit seinen Problemen auseinandergesetzt und Veränderungen herbeigeführt hat. Es kam schließlich gar nicht erst zum Führerscheinentzug. Und der Mann ist auch nie mehr auffällig geworden. Es kommt also immer darauf an, die Zeit optimal zu nutzen, um den Schaden gering zu halten.
Nach dem Führerscheinentzug hat man immerhin sechs Monate Zeit, bis man einen neuen Führerschein beantragen darf...
Ja, aber diese sechs Monate reichen in der Regel nicht, um die MPU zu bestehen. Jeder Psychologe wird Ihnen sagen, dass Sie in einem halben Jahr Ihre Lebenssituation nicht so grundlegend ändern können, um die Prüfer bei der MPU zu überzeugen. Es sei denn, Sie nutzen diese Zeit sehr intensiv zum Besuch eines Verkehrspsychologen oder entsprechender Seminare.
Bei den Seminaren finden ein paar Gruppengespräche statt, ist das Erfolg versprechend?
Von Gruppenveranstaltungen halte ich wenig. Wenn Sie drei Mal vier Stunden zusammen sitzen, haben Sie vielleicht
gerade die Zeit, um die Scheu vor den anderen zu verlieren. Tiefer gehende Erkenntnisse über die tatsächlichen Ursachen Ihres Fehlverhaltens sind da nicht zu erwarten. Viel besser sind jene Seminare, in denen eine ganze Woche am Stück gearbeitet wird, hierbei kommen gute Ergebnisse heraus. Aber bestimmte Probleme lassen sich nur in Einzelgesprächen erarbeiten.
Und wie finde ich heraus, was für mich am besten ist?
Suchen Sie einen Rechtsanwalt auf, der in diesen Dingen Erfahrung hat. Er kennt die einschlägige Rechtsprechung und
er hat Kontakte zu fähigen Verkehrspsychologen, die ihrerseits Erfahrung haben mit Führerscheindelikten.

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