Interview mit Norbert Zaha (KTM Deutschland)

Wie hat sich der Verkauf von KTM-Crossern und -Wettbewerbsenduros in den letzten zehn Jahren in Deutschland entwickelt?
Verlässliche Zahlen im Bereich der Wett-bewerbsenduros haben wir erst seit 2000. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Racing-Modelle eingeführt. Die Verkäufe lagen bis 2004 relativ stabil bei jährlich über 2000 Einheiten. Danach ist wegen des längeren Lebenszyklus unserer Modelle ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Dennoch lag der Marktanteil von KTM im Segment der Wettbewerbsenduros stets über 50, derzeit bei zirka 56 Prozent. Das ist nicht zuletzt auf die konkurrenzlos vollständige Modellpalette der Sportenduros zurückzuführen.
Das Motocross-Segment spielte vor der Einführung der SX-Viertakter im Modelljahr 2003 von den Verkäufen her eine eher untergeordnete Rolle. Damals kamen zu den Zweitaktern 125 SX und 250 SX die Viertakter 450 SX und 525 SX – entsprechend dem FIM-Reglement – hinzu. Seit 2006 bietet KTM auch einen 250-cm3-Viertakter: die 250 SX-F. Für 2007 wurden dann die Modelle für die MX1- und MX3-Klasse komplett überarbeitet und mit einem neuen dohc-Motor ausgestattet. Derzeit liegen die jährlichen Verkaufszahlen stabil bei über 1500 Stück, allerdings inklusive Sportminicycles.
Welche Prognose geben Sie dem gesamten deutschen Offroad-Markt für die kommenden fünf Jahre?
Es haben sich in den letzten Jahren in Deutschland einige Veranstaltungen im Motocross- und Enduro-Bereich etabliert, die sogar auf Hobbyniveau vielfältige Möglichkeiten der legalen Nutzung von Offroad-Motorrädern bieten. Auch KTM ist immer auf der Suche nach adäquaten Angeboten. So entstand im letzten Jahr erstmals das KTM-Adventure-Tours-Programm für Deutschland. Diese Bemühungen von Herstellern, Verbänden und Veranstaltern haben dazu geführt, dass der deutsche Offroad-Markt in den letzten vier, fünf Jahren weitgehend stabil geblieben ist.
2008 läuft auch für Sportenduros die Ausnahmegenehmigung der Zulassung zum Straßenverkehr ab. Dann ist die Abgasnorm Euro 3 bindend. Technisch ist eine nach Euro 3 homologierte Wettbewerbsenduro möglich, wie die neue KTM-Modellreihe beweist. Wir erwarten also keinen Absatzrückgang.
Den Markt wird sicherlich beleben, wenn andere Hersteller – wie jetzt BMW – darangehen, Sportenduros zu bauen. Kurzum: Wir sehen auf absehbare Zeit in Deutschland einen stabilen Markt.
KTM verfolgt mit Zwei- und Viertaktern eine Doppelstrategie, hat unlängst sogar die Zweitakter über Euro 3 gehievt. Warum?
Wir glauben, dass das Zweitakt-Konzept bezüglich Anschaffungs- und Wartungskosten sowie Wartungsintensität und wegen des Gewichtsvorteils noch immer seine Daseinsberechtigung besitzt. Deshalb haben wir, im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern, nie aufgehört, unsere Zweitakter weiterzuentwickeln. Als aktuelles Beispiel mag unsere 300 EXC-E gelten, die erste Zweitakt-Sportenduro mit E-Starter. Außerdem schätzen viele unserer Kunden das Zweitakt-Erlebnis. Daher ist es eine logische Konsequenz, dass wir uns den Herausforderungen stellen, die neue gesetzliche Vorschriften mit sich bringen.
Wie unterscheidet sich der deutsche Offroad-Markt von anderen starken Märkten in Europa und in den USA?
Wir sprechen hier vor allem im Vergleich mit den USA, aber auch innereuropäisch von sehr unterschiedlichen Marktgrößen. Diese ergeben sich maßgeblich aus den Unterschieden in Bezug auf die Einsatzmöglichkeiten von Offroad-Motorrädern.
In Deutschland bieten die verschiedensten Veranstaltungen erstaunlich große Einsatzmöglichkeiten. Wenn hier das gute Niveau gehalten werden kann, ist auch weiterhin mit einem stabilen Markt zu rechnen, der relativ unempfindlich gegen
Modeerscheinungen oder andere Einflüsse ist.
In anderen Ländern sind die Offroad-Märkte derzeit oft größer, was an den geringen gesetzlichen Vorschriften oder allgemeiner Nichtbeachtung solcher Vorschriften liegt. Die Nutzung von Offroad-Motorrädern findet vielerorts sehr individuell und unorganisiert statt. Genau hierin liegt jedoch das Risiko, dass sich etwaige neue Gesetze oder Tendenzen schockartig negativ auswirken.
Wie wichtig sind Stil, Mode, Gruppen-Codex und dergleichen in der Offroad-Szene?
Vergleicht man Offroad-Kunden mit dem »durchschnittlichen« Motorradfahrer, so handelt sich es um eine eher junge, dynamische Zielgruppe, bei unseren Kunden liegt das Durchschnitts-alter um die 30. Stil, Mode und Community spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Der »Off-roader« identifiziert sich mit der Marke und deren Inhalten. Ein Beleg dafür ist bei KTM die Nachfrage nach KTM PowerWear, speziell im Bereich modischer Sport- und Freizeitbekleidung, die nicht zum Motorradfahren selbst verwendet wird. Zudem verzeichnen wir seit langem eine hohe Nachfrage an KTM PowerParts, sprich Zubehörteilen, die nicht nur der Leistungssteigerung, sondern in vielen Fällen auch der Verschönerung und Individualisierung der Motorräder dienen. Natürlich trägt auch die zahlreiche Teilnahme und Präsenz von KTM bei Offroad-Rennveranstaltungen dazu bei, dass ein großes Netzwerk, also eine feste Offroad-Szene entstehen konnte.
Was verbindet Offroader mit »normalen« Motorradfahrern?
In Deutschland gibt es nur einen geringen Prozentsatz reiner Offroader. Großteils handelt es sich um Motorradfahrer, die den Offroad-Sport neben dem »klassischen« Motorradfahren betreiben. Dies gilt besonders für den Enduro-bereich. Reine Offroader finden sich wohl mehr im Motocross. Die haben mit dem Motorradfahren an sich relativ wenig zu tun.

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