Interview mit Ralph Andreß, Rechtsanwalt (Archivversion)

Ralph Andreß, Rechtsanwalt
aus Heilbronn, über Fallstricke, die der Versicherte sich selbst
legen kann, und über Fallstricke, die die Versicherung dem Ver-
sicherten legt. Da sollten Sie bei einem Wechsel mal nachhaken.

Was muss der Motorradfahrer beachten, wenn er die Versicherung wechselt?
Zunächst mal korrekte Angaben machen, das gilt auch für Veränderungen während eines laufenden Vertrags. Wenn zum Beispiel einer sagt, er sei Wenig-Fahrer, sich jedoch rausstellt, dass er 23000 Kilometer im Jahr auf dem Motorrad saß, dann kann eine Vertragsstrafe von ein bis zwei Jahresbeiträgen fällig sein.
Gibt es weitere Fallstricke, auf die man achten sollte?
Natürlich. Bei der Haftpflicht zum Beispiel. Die muss zwar prinzipiell zahlen, kann in Ausnahmefällen aber auch dem Versicherten in die Tasche greifen.
Wann?
Bei so genannten Obliegenheitsverletzungen, etwa bei Alkohol am Lenker. Oder wenn man jemandem sein Motorrad gibt, der dafür keine Fahrerlaubnis besitzt. Stichwort: Stufenführerschein. Solche Obliegenheitsverletzungen können bis zu 5000 Euro kosten.
Woran erkennt der Anwalt eine gute Versicherung?
Wenn sie bei der Schadensabwicklung schnell ist und nicht bei Kleinbeträgen rumkaspert. Ist das nicht der Fall, kann es richtig unangenehm
werden, vor allem, wenn die Versicherung versucht, die Zahlungen an den
Unfallgegner hinauszuzögern. Wenn der klagt, kann es passieren, dass auch der Versicherte, der Schadensverursacher, vor den Kadi zitiert wird.
Wie wirken sich solche Praktiken der Versicherungen, die letztlich nur darauf
hinauslaufen, Geld zu sparen, bei der Teilkasko aus?
Man weigert sich immer öfter, den Neupreis für beschädigte Schutzkleidung zu bezahlen, denn deren Zeitwert ist viel geringer. Auch beliebt: Beim Mieten eines Ersatzfahrzeugs wollen viele Versicherer den Unfallersatztarif, der höher liegt als der normale oder gar Sonder-Miettarife, nicht mehr begleichen. Zurzeit laufen bundesweit mehrere Prozesse, bei denen Geschädigte, die auf den Kosten für angeblich zu teure Mietfahrzeuge sitzen geblieben sind, ver-
suchen, dieses Geld von den Versicherern einklagen.

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