Interview mit Regisseur Roger Donaldson (Archivversion) »Das Glas <br /><br /> immer halb voll, <br /><br /> nie halb leer&#147;

Autor Peter Dickmeyer
traf Regisseur Roger
Donaldson (Foto) zum
Interview in Berlin.
Der gebürtige Australier
hat in Hollywood einige Blockbuster gedreht.
Unter anderem »Bounty«.

Wann sind Sie Burt Munro zum ersten Mal begegnet?
Ich lernte Burt kennen, weil mein Freund Mike Smith und ich verrückt nach Motorrädern waren. Wir hörten von diesem alten Kerl irgendwo da unten in Invercargill. Der sollte mit seinem Motorrad
angeblich einen Geschwindigkeitsrekord halten. Wir nahmen Kontakt zu Burt auf, und er lud uns ein nach Invercargill. Er sagte: »Kommt einfach runter zu mir und guckt euch mein Motorrad an.« Und das haben wir uns nicht zweimal sagen lassen.
Wie hat Burt Sie empfangen?
Wir kamen gegen zehn Uhr am Abend dort an, und Burt war so erfreut uns zu sehen, dass er uns sofort sein
Motorrad vorführen wollte. Also rollte er seine Maschine in den Hof und ließ sie an. Es war unglaublich laut, ein Lärm, bei dem man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte. Im Haus der Nachbarn gingen
die Lichter an, und Leute begannen zu schreien und zu rufen. »Burt, du alter
Bastard, mach dein Motorrad aus!« So war Burt Munro.
Seit diesem Treffen wollte ich einen Film über ihn machen. Wir überredeten Burt, noch einmal mit uns in die USA zu fahren. Wir hatten ein gutes Argument: Wir bezahlten ihm die Überfahrt. Mike und ich machten uns also mit Burt auf den Weg. Ich erinnere mich, dass wir einen Ford Mustang als Leihwagen hatten, und Burt kaufte sich einen alten Chevy, der mindestens so schnell wie unser Mustang war.
Wir versuchten, seine Reise von Los
Angeles nach Bonneville zu filmen, indem wir mit einem Schnitt von hundert Meilen in der Stunde losfuhren, um einen Vorsprung zu gewinnen. Dann hielten wir an, hatten gerade die Kamera aufgestellt – und schon rauschte Burt an uns vorbei. Es war schon ein besonderes Road-Movie. Wir reisten also mit Burt in das amerikanische Geschwindigkeits-Eldorado Bonneville und drehten einen Dokumentarfilm, den wir 1973 ans neuseeländische Fernsehen verkauften. Wir nannten ihn »Offerings to the God of Speed« (Opfer für den Gott der Geschwindigkeit). Das waren
die Worte, die Burt mit Kreide an die Wand des alten Schuppens, in dem er lebte, geschrieben hatte.
Wie kam der Film an?
Gut, aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass er dem exzentrischen Neuseeländer nicht gerecht geworden war.
Er war ein unglaublich positiver Mensch, bei dem das Glas immer halb voll und nie halb leer war. Was mich faszinierte, als junger Kerl in den Zwanzigern, war, dass er, der in seinen Siebzigern war, das
Leben so unglaublich optimistisch sah. Er war eine Person, die in Erinnerung bleibt. Und als er 1978 starb, fiel meine Entscheidung, dass ich einen Film über ihn machen wollte, um diese für ihn typischen Qualitäten einzufangen. Ich dachte mir, wenn mir das gelingt, könnte das etwas Wertvolles sein. Und so begann ich 1979 das erste Skript zu schreiben. Es hat also ein Weilchen gedauert.
Wie haben Sie es geschafft, den Hollywood-Star Anthony Hopkins für das Projekt zu
begeistern?
Er war ebenfalls von Burts Lebenseinstellung beeindruckt und wollte, nachdem er immer wieder Psychopathen und Verklemmte gespielt hatte, mal wieder
einen positiven Charakter darstellen. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich den Film wirklich machen würde. Ich hatte meinen Burt gefunden.
Und wie ließ es sich an, mit Anthony zu arbeiten?
Nun, ich hatte ja schon mal mit
Anthony gedreht, die »Bounty«, und kenne mittlerweile zwei Seiten von ihm. Nach
der »Bounty« wollten wir uns gegenseitig umbringen, nach »Fastest Indian« waren wir dicke Freunde. Und irgendwo dazwischen ist der echte Tony.
Ich weiß, dass er ein Profi ist. Er wird exakt zu dem Menschen, den er spielt. Wenn man sich »Offerings to the God of Speed« anschaut, sieht man, wie ähnlich sich die beiden sind.
Hat Hopkins bei den Motorradszenen selbst im Sattel gesessen?
Oh nein! Der Trick beim Film besteht darin, alles so aussehen zu lassen, als wäre das wirkliche Leben abgefilmt worden. In Wirklichkeit werden jedoch Aufnahmen mit Stuntleuten, die am Computer digital bearbeitet wurden, und echte Aufnahmen so geschnitten, dass es verdammt echt aussieht.
Aber gedreht haben Sie doch an Originalschauplätzen wie Bonneville?
Die Strecke, auf der gedreht wurde, und die, auf der neue Rekordversuche unternommen wurden, lagen gerade mal vier Meilen auseinander. Man konnte also immer schön beobachten, was nebenan so passierte. Allerdings musste man die Dreharbeiten auch hin und wieder unterbrechen, wenn am Horizont ein Wagen mit 400 Meilen pro Stunde und einem gigantischen Lärm vorbeirauschte. Das ließ sich aber nicht vermeiden, denn in den Salztonebenen von Bonneville kann man nur zu bestimmten Zeiten drehen.
Sie haben während der Speed Week aufgenommen?
Richtig, weil nur zu dieser Zeit die Infrastruktur, die wir brauchten, vorhanden ist: Um die Salzfläche zu präparieren,
die Autos, das ganze Personal, alles, was man halt so braucht, um das zu tun, was wir tun wollten. Wir mussten uns aber
beeilen, sonst hätten wir ein weiteres Jahr warten müssen – und dann hätte sich die Frage gestellt, ob Anthony zu diesem
Zeitpunkt frei gewesen wäre. Schließlich hat er jede Menge Angebote.
Also setzten wir alles auf eine Karte,
bauten die Motorräder, stellten die Crew zusammen. Mein Co-Produzent Gary und ich zahlten erst mal alles aus eigener
Tasche. Eigentlich ist das die klassische
Situation, vor der dich jeder warnt. Doch auf irgendeine Weise war es ganz und gar großartig, denn wir waren davon erfüllt, diesen Film endlich zu machen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass unser Glauben an das eigene Projekt die anderen gerade-
zu inspirierte – unsere Leidenschaft war ansteckend!
Wie schwer war es, eine Indian Twin Scout zu organisieren?
Wir haben drei Replikas von Grund auf neu bauen lassen. Das Original-Motorrad gehört einem Sammler in Neuseeland, der es uns freundlicherweise geliehen hat. Wir haben ein paar talentierte Motorrad-Konstrukteure daran gesetzt, die es uns nachgebaut haben.

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