Interview mit Sepp Schlögl (Archivversion) »Die waren schockiert«

HB-Cheftechniker Sepp Schlögl zur kurzfristig einberufenen Krisensitzung mit der Honda-Rennabteilung in Tokio.

? Herr Schlögl, Teammanager Dieter Stappert und Sie haben nach den Testfahrten in Shah Alam eine Krisensitzung mit den Honda-Managern in Tokio einberufen. Was ist dabei herausgekommen?Die waren zunächst einmal schockiert, daß wir auftauchten. Doch es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, denn jetzt horchen die Honda-Leute auf. Bis zu den IRTA-Tests in Jerez Mitte Februar wollen sie nun etwas an der Hebelumlenkung ändern.? Reicht das aus, um die eklatanten Fahrwerksprobleme aus der Welt zu schaffen?Ich bin echt gespannt, aber ich bin skeptisch. Das Problem liegt schon da hinten, doch ich vermute, daß neben der Federung auch die Schwinge selbst beteiligt ist. Leider ist eine Schwinge nicht so einfach zu ändern. Ein anderes Hebelsystem ist hingegen schnell gefräst.? Was könnten Sie in Eigenregie unternehmen?Toni Mang und ich hatten ein ähnliches Problem einmal zu den alten Kawasaki-Zeiten. Kawasaki brachte eine neue Maschine mit einem anderen Umlenksystem, doch wir haben uns bei der Abstimmung voll im Kreis gedreht. Das Motorrad ist immer schlecht gelegen. Nachdem wir es umgebaut hatten, war es wieder fahrbar. Allerdings hatten wir noch jede Menge alter Teile.Theoretisch gäbe es auch diesmal technische Lösungsmöglichkeiten, doch vor Saisonbeginn läuft uns die Zeit davon. Es gibt jede Menge anderer Arbeit an den Motorrädern. Zum Beispiel müssen die Auspuffanlagen anders verlegt werden.? Haben Sie mit Honda über die Möglichkeit gesprochen, die bewährten Maschinen der alten Saison einzusetzen?Da müssen wir einmal abwarten. Honda gibt sich vorsichtig, auch wegen der anderen Teams. Ganz aus der Welt ist es aber nicht. Es ist schade, daß die Maschinen schon abgegeben sind. Uns wären zwar irgendwann einmal die Teile ausgegangen, doch für die ersten drei Rennen wäre es schon gegangen.Manchmal muß man eben mit dem alten Material weitermachen, wenn das neue noch nicht richtig funktoniert. Wenn die Yamaha-Leute im letzten Jahr schon mit ihrem neuen Drehschieber-Motor gefahren wären, wären´s bös´ eingegangen.

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