Interview mit Stephan Schaller, Leitung BMW Motorrad "Die Verantwortung liegt am Schluss immer bei uns."

Auf der INTERMOT stand der BMW Motorrad-Chef Stephan Schaller der Redaktion MOTORRAD Rede und Antwort zu Qualitätsproblemen, zum Rennsport-Engagement und zur mittelfristigen Strategie der Marke.

Foto: jkuenstle.de

MOTORRAD: BMW hat heute hier drei Weltneuheiten vorgestellt. Was für Verkaufszahlen versprechen Sie sich davon?
Schaller: Wir haben uns einen profitablen Wachstumspfad mittelfristig vorgenommen. Dazu gibt es auch Zahlen und die sind sehr viel höher als heute. Die verschiedenen Modelle, die wir jedes Jahr auf den Markt bringen, sind wichtige Stützen dieses Wachstumspfads. Übrigens werden wir in Mailand zwei weitere Neuheiten zeigen.

MOTORRAD: Zwei weitere Neuheiten, über die Sie hier und jetzt natürlich nichts verraten. Naja, bei den F 800-Zweizylindern gab es lange nichts Neues mehr und die S 1000 SX, die Multistrada von BMW, haben wir auch noch nicht gesehen... Aber schauen wir mal noch weiter voraus. Wie will BMW z. B. Einsteiger anziehen?
Schaller: Wir werden unser Produktportfolio um Maschinen unter 500 Kubik erweitern und wir entwickeln sie in einer Partnerschaft mit TVS in Indien. Diese Maschinen werden in den nächsten zwei Jahren zu sehen sein. Es werden Bikes sein, die sich jüngere Kunden viel eher leisten können.

MOTORRAD: Und was können Sie uns noch über künftige größere Modelle verraten?
Schaller: Wir werden weiterhin den luftgekühlten Boxer anbieten. Er kommt in den nächsten zwei Jahren in einer verbreiterten Modellvielfalt, und wir werden natürlich unseren sehr erfolgreich gestarteten wassergekühlten Boxer weiter ausbauen. Wir geben da kräftig weiter Gas und das Entwicklungstempo wird nicht nachlassen.

MOTORRAD: Hat dieses verschärfte Entwicklungstempo nicht auch mit dem Qualitätsproblem zu tun, das BMW in letzter Zeit offenbar hat? Wir denken da an verschiedene Rückrufe und mehrere teilweise gravierende Schäden in den MOTORRAD-Dauertests.
Schaller: Es ist richtig, es gab Rückrufe, ich würde das aber nicht als grundsätzliches Qualitätsproblem bezeichnen. Der Rückruf etwa des RT-Federbeins war einfach ein sicherheitsrelevantes Muss. Sie können sich vorstellen, wie bedauerlich es für BMW war, in der Haupturlaubszeit unsere RT-Kunden vom Motorrad zu holen. Aber da stand einfach deren Sicherheit im Vordergrund. Wir haben die Qualitätsorganisation verstärkt, wir haben als Konsequenz unserem Qualitätschef eine stärkere Mannschaft zur Seite gegeben, um mit einer höheren Systematik mögliche Fehlerquellen in einem immer komplexer werdenden Umfeld auszuschließen.

MOTORRAD: Wie kann man sich die Qualitätstests von BMW Motorrad konkret vorstellen?
Schaller: Das ist im Prinzip der Produktentstehungsprozess, in welchem genau beschrieben ist, zu welchem Zeitpunkt welche Tests und Abnahmen, welche Vorschriften zu erfüllen sind. Das alles ausgeweitet auf hunderte von Zulieferern, die alle auch teilweise eigenständige Entwicklungshoheit haben. Klar, die Verantwortung liegt am Schluss immer bei uns.

MOTORRAD: Ist es nicht eher so, dass die Zulieferer immer billiger werden müssen, was zwangsläufig auf Kosten der Qualität geht?
Schaller: Die Kosten sind natürlich bei Auftragsvergabe ein Kriterium. Sie können sich aber sicher sein, dass das Qualitätskriterium bei uns nicht kompromissbehaftet ist. Wenn es einen Mangel in der Qualitätsbewertung gibt, dann spielen die Kosten keine Rolle.

MOTORRAD: Stichwort Elektromobilität, wo will BMW da hin? Welche Rolle werden Motorräder mit Verbrennungsmotoren in 20 Jahren noch spielen?
Schaller: Das ist die berühmte Glaskugel. Unsere Strategie sehen Sie mit dem Elektroroller C-evolution. Wir bereiten uns vor. Wenn die Batterie-Entwicklung weitere Fortschritte macht und größere Reichweiten ermöglicht, wird es einen großen Schwenk in Richtung Elektromobilität geben. Aber auch der Verbrenner ist noch lange nicht ausgereizt. Aber den Pfad der E-Mobilität parallel zu begehen, ist strategisch aus meiner Sicht richtig.

MOTORRAD: Noch ganz kurz zum Motorsport: Haben Sie keine Träne im Knopfloch, wenn Sie etwa an den Rückzug von BMW aus der Superbike-WM denken? Und daran, wie viel Aufmerksamkeit Ihnen da entgeht?
Schaller: Nein. In die WSBK zu gehen war für unser Projekt, erstmals ins Segment der Supersportler einzusteigen, die absolut richtige Entscheidung. Das Engagement war für die S 1000 RR ein Erfolg. Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung von BMW Motorrad gehen wir nun neue Wege und fokussieren auf andere Bereiche wie zum Beispiel in die Entwicklung neuer Modelle. Außerdem geben wir mit unserer Race-Trophy seit einem Jahr einer riesigen Klientel von Privatfahrern die Möglichkeit, mit unserer RR Spaß zu haben und da um Zehntelsekunden zu fahren. Das sind hervorragende Piloten und letztendlich auch die Leute, die unsere RR kaufen.

MOTORRAD: Herr Schaller, vielen Dank für das Gespräch.

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Die BMW-Pressekonferenz auf der INTERMOT 2014 im Video.

Video: BMW-Pressekonferenz auf der INTERMOT 2014

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