Interview mit Troy Bayliss (Archivversion) "Die 1098 zeigt wieder Ducati-Tradition"

Troy Bayliss, wo sehen Sie die Hauptunterschiede der Ducati 1098 F08 gegenüber der Vorgängermaschine 999 F07?
Die 999 war zwar äußerlich ein hässliches Entlein, aber eine wunderbare Rennmaschine. Mit der Saison 2007 hatte sie allerdings ihr Verfallsdatum erreicht. Die neue 1098 war, was das Styling angeht, ein Schritt zurück in die Ducati-Tradition. Die Einarmschwinge und andere klassische Ducati-Elemente ließen das neue Motorrad bei den Ducatisti wieder sehr viel besser ankommen. Bei den ersten Tests Ende 2007 dachte selbst ich zunächst, ich säße auf einem älteren Motorrad: Niedrigeres Drehzahlniveau, deutlich erhöhtes Drehmoment, viel bessere Beschleunigung, all diese klassischen Ducati-Eigenschaften fand ich wieder. Dagegen war die 999 im Vergleich nachgerade eine Hochdrehzahl-Maschine, die am Ende ihrer Laufbahn nicht mehr voll konkurrenzfähig war. Obwohl die 1098 das größere Motorrad ist, präsentiert sie sich handlicher. Und auch den anfangs fast zu brachialen Drehmomentverlauf haben wir mit der Elektronik sehr gut hinbekommen.

Kann man die 1098 aufgrund des erhöhten Drehmoments einen Gang höher durch die Kurven fahren als die 999?
Tatsächlich nutzen wir auf fast allen Strecken exakt die gleichen Übersetzungen wie mit der 999.

Gibt es auch Nachteile der 1098 gegenüber der 999?
Eigentlich nur das Kettenschlagen, das wir bisher einfach nicht in den Griff kriegen. In extrem langsamen Kurven, wie etwa der Startschikane von Monza, sinkt die Drehzahl unter 5000/min. Wenn du danach wieder ans Gas gehst, schlägt die Kette ganz brutal. Das fühlt sich dann an wie eine erhebliche Unwucht im Hinterrad. Aber es ist "nur" das Kettenschlagen.

Wird Ihr Nachfolger Noriyuki Haga wesentliche Verbesserungen und Weiterentwicklungen erwarten dürfen, wenn er 2009 sozusagen Ihren WM-Titel verteidigen soll?
Natürlich wird die Maschine weiterentwickelt. Die Nenndrehzahl wird sich wohl erhöhen. Außerdem muss ein Fly-by-wire-System ähnlich dem an der MotoGP-Maschine kommen, um die Gasannahme deutlich zu ver-bessern. So wie bislang ich wird Nori die Vorteile der Ducati-Rennabteilung genießen können, die unermüdlich und pausenlos an der Verbesserung der Werksmaschinen arbeitet.

Zehn Ducati-Jahre gehen für Sie zu Ende, mit drei Superbike-WM-Titeln und dem einzigartigen GP-Sieg als Wild-Card-Fahrer 2006 in Valenica. Was werden Sie zu Hause in Australien am meisten vermissen?
Nach zehn Jahren hier in Europa haben meine Frau Kim und ich beschlossen, dass es, auch für unsere zwei Kinder, richtig ist, jetzt wieder nach Hause zu gehen. Dennoch werden wir natürlich den europäischen und den Fahrerlager-Lebensstil vermissen. Aber ich werde wohl in irgendeiner Form mit Ducati in Verbindung bleiben.

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