Interview mit Unfallforscher Dietmar Otte »Wer das Risiko vermeidet, lebt sicher“

Unfallforscher Dietmar Otte von der Medizinischen Hochschule Hannover im Gespräch mit MOTORRAD über die Risiken und Gefahren, die beim Saisonstart drohen.

Foto: MH Hannover
Im vergangenen Jahr war der Start in die neue Motorradsaison von besonders schweren Unfällen überschattet. Was ist da schiefgelaufen?
Die Situation war typisch für einen Anstieg von Motorradunfällen: schönes Wetter, viele Maschinen auf der Straße, zum Teil wenig Fahrerfahrung und oft­mals risikoreiches Fahrverhalten. Nach den Erkenntnissen unserer Unfallforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover ist aber nicht von einer problematischen Entwicklung bei den Motorradunfällen auszugehen. Allerdings ist auffallend, dass sowohl die Schwere der Verletzungen wie auch das Alter der Verunfallten zugenommen haben.

Was sollten Motorradfahrer aus Ihrer Sicht beherzigen, wenn sie nach dem Winter auf den Startknopf drücken?
Bestrebt sein, sich selbst zu schützen. Das heißt: defensiv und vorausschauend fahren, stets bremsbereit sein, starke Beschleunigungen in Gefahrensituationen vermeiden und niemals die zulässige Geschwindigkeit überschreiten. Zusätzlich: einen Integralhelm möglichst jungen Alters und – auch wenn Motorradfahren eine Freizeitbeschäftigung ist – nach professionellen Anforderungen genormte Schutzkleidung (CEN 13595) anstelle von Jeans und Turnschuhen.

Gibt es nach dem Saisonstart weitere Situationen, in denen das Unfallrisiko für Motorradfahrer besonders hoch ist?
In der Regel ist der Saisonbeginn für den Motorradfahrer ein besonderes Ereignis, und dabei ist er auch meist wachsam. Wenn er also das Risiko bei der Fahrweise vermeidet, lebt er sicher! Während der Saison kehrt meist Unachtsamkeit und Gewohnheit ein, die besonders risikoreich ist. Deshalb sollte sich der Motorradfahrer immer wieder des Risikos bei Fahrtbeginn bewusst werden und nicht nachlassen, sich bestmöglich zu schützen.

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