Interview Ramasamy Vasuthewan (MZ) (Archivversion) Aus Fehlern lernen

Petr-Karel Korous war zwölf Jahre bei MZ. Jetzt ist er weg. Auf Ramasamy Vasuthewan, den Neuen, der so neu eigentlich nicht ist, warten schwierige Aufgaben. Keiner weiß das besser als er.

Es gibt Manager, die drücken ihrer Firma einen Stempel auf, die prägen sie. Petr-Karel Korous ist so einer. Einer, der es versteht, neugierig zu machen. Neugierig auf das
MotoGP-Projekt von MZ, das er 2002 ankündigte – und das sich als Luftschloss entpuppte. Neugierig auf den Sporttourer, den er vor gut vier Jahren präsentierte – der aber erst kürzlich in Serie ging. Im Pläneschmieden war Korous wirklich groß.
Jetzt ist Korous weg von MZ. Weg auch von MZ
Engineering, der Entwicklungsabteilung, die ihm gehörte. Die
Trennung erfolgte erstaunlich schnell, fast über Nacht. So
zumindest musste es in der Öffentlichkeit erscheinen. Über
die Gründe, warum es zu dieser Entscheidung kam, schweigen sich beide Parteien eisern aus. Dieses Schweigen freilich ist beredt genug. MZ bedankt sich nicht bei Korous, und
auch Korous verzichtet auf die in solchen Situationen üblichen Floskeln. Etwa dass er eine neue Herausforderung suche et cetera bla bla.
Für MZ beginnt eine neue Epoche. Es soll eine ruhigere, eine realistischere und auch eine erfolgreichere sein. So stellt Ramasamy Vasuthewan, der neue Boss, der eigentlich der alte ist, sich das jedenfalls vor. Chef – das war er nämlich schon, gleichberechtigt mit Korous, doch stand er meist im rhetorischen Schatten des großen Kommunikators. Vasuthewan bevorzugt die leisen, die nachdenklichen Töne. Und er gehört
zu den Menschen, die zuzuhören verstehen. Das muss er jetzt. Und die Konsequenzen daraus ziehen. Denn MZ steht am Scheideweg. Wieder einmal.
Vasuthewan kommt aus Malaysia, der Heimat von Hong Leong. 1996 kaufte der Konzern MZ, rettete die Firma vor dem Bankrott. Große Erwartungen hegte Hong Leong. Dass man sie ärgern könne, die Großen auf dem europäischen Markt. Und dass von MZ technische Impulse ausgingen, die Hong
Leongs Position im asiatischen Raum entscheidend verbessern. Das erste Ziel verfehlte MZ gründlich. Das zweite haben die Sachsen immerhin nicht aus den Augen verloren. Bei Hong Leong läuft jetzt eine 125er vom Band, die MZ Engineering konzipiert und konstruiert hat.
Seit acht Jahren arbeitet Vasuthewan in Sachsen, seine Familie hat er mitgebracht, die Töchter gehen auf deutsche Schulen. Er weiß, wie wichtig MZ für die Region ist. Da geht es nicht nur um 200 Arbeitsplätze, MZ ist ein Symbol. Wie Rotkäppchen-Sekt. Den zu trinken gilt als cool. MZ fahren nicht, noch nicht. Rotkäppchen schäumt, MZ hat oft nur Schaum
geschlagen. Zu Vasuthewans wichtigsten Aufgaben wird es gehören, das angeknackste Image der Marke zu reparieren. Denn es stellt schon ein gewisses Wagnis dar, keck zu behaupten: »Die besten Bikes kommen aus dem wilden Osten«, wenn dann zunächst gar keine kommen, wie das mit dem Prestigeprojekt MZ 1000 S geschah.
Auf der Intermot in München will Vasuthewan ein Naked Bike auf Basis der 1000 S präsentieren. Ob als Studie oder
als Prototyp, der demnächst vom Band läuft, das lässt er noch offen. »Wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Termine werden erst dann angegeben, wenn wir sicher sind, dass wir sie halten können.« Was nichts daran ändert, dass er sie schnell abschießen muss, die Pfeile, die MZ im Köcher hat. nso

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