Interview zur Entwicklung der Batterietechnik (Archivversion) „Akkus werden leistungsfähiger“

Dr. Claudia Brasse, Marketing-Chefin des deutschen Akku-Herstellers Li-Tec, zur Entwicklung der Batterietechnik.

Alle sprechen von Li-Ionen-Batterien für die Energieversorgung der Elektromobile. Ist dies der aktuellste Stand der Technik?
Ja, die bislang dominierende Nickel-Metallhydrid-Technik wird im Hochleistungsbereich von Lithium-Ionen-Technik ersetzt. Diese Technologie wird aus jetziger Sicht im nächsten Jahrzehnt die Basis der Akku-Weiterentwicklung bilden.

Dennoch besitzen auch diese Batterien nur ein Hundertstel der Energiedichte von Benzin. Mit der Kapazität steht und fällt aber das rein elektrische Antriebskonzept. Welche Verbesserungen sind denn zu erwarten ?
Das ist pauschal schwer zu beantworten. Doch klar ist: Die Erhöhung der Kapazität ist das allerwichtigste Entwicklungsziel.

Welche Reichweite ist Ihrer Einschätzung nach in naher Zukunft für elektro-getriebene Fahrzeuge realistisch?
Im Automobilbereich liegen wir bereits jetzt bei über 200 Kilometern. In Motorrädern kann dieser Wert durch die beschränkten Möglichkeiten bei Bauraum und Zuladung natürlich nicht übernommen werden. Allerdings sind Motorräder ja auch leichter und benötigen keine energieverbrauchende Heizung oder Servofunktionen.

Dennoch braucht es eine umfangreiche Batterie-Bestückung. Und die ist sehr teuer.
Akkus werden im Preis deutlich fallen, sobald große Stückzahlen produziert werden.

Mit welcher Entwicklung ist bei den Ladezeiten – bisher bis zu drei Stunden – zu
rechnen?
Schon heute sind 15 bis 30 Minuten realisierbar.

Und wie ist es um die Brand- und Explosionsgefahr bestellt? Die Videos von berstenden Handys gingen ja um die Welt.
Durch neueste Entwicklungen wie keramische Separatoren wird die Brandgefahr extrem reduziert. Unsere Produkte haben alle Sicherheitstests bestanden.

Wie steht es um die Rohstoff-Versorgung, wenn sich die Batterietechnik in größerem Umfang durchsetzen sollte?
Auf absehbare Zeit wird keine Verknappung von Lithium eintreten. Außerdem wird die Wiederverwertung zunehmend wichtiger werden.

Besitzen Sie als Produzent für Automobil-Akkus Erfahrung mit dem Einsatz von Antriebsbatterien in Motorrädern?
Vibrationsfestigkeit und Sicherheit sind immer wichtig. Spezifisch für Motorräder ist vor allem die Temperatur der Batterie, weil das Gehäuse, das zum Beispiel den Platz des Tanks einnimmt, direkt den Umweltbedingungen ausgesetzt ist. Laden bei Minusgraden und Lagern bei Sonneneinstrahlung haben Einfluss auf die Lebenserwartung der Batterie. Das muss bei der Gehäusekonstruktion berücksichtigt werden. Dass die Batterie relativ leicht sein soll, ist eine zusätzliche Herausforderung, aber auch ein echter Ansporn, die Antriebsbatterie herausnehmbar zu gestalten. So könnte eine mobile Batterie mit ins Haus genommen und dort geladen werden.

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