Interview „Das Alter spielt keine Rolle“

Rainer Nietschke, Medizinstudent, zur körperlichen Belastung beim Motorradfahren.

? Welche Ergebnisse hatten die Untersuchungen?

! Innerhalb der einzelnen Messergebnisse Herzfrequenz, Blutdruck und Herzleistungsprodukt (HLP) konnten keine wissenschaftlich signifikanten Unterschiede gefunden werden. Interessant sind jedoch einige Vergleiche: In Bezug auf das Körpergewicht ergab sich ein Unterschied zugunsten der Normgewichtigen gegenüber den Übergewichtigen. Eine Gewichtsreduktion in den Bereich der Normwerte ergibt eine positive Beeinflussung der körperlichen Leistungsfähigkeit beim Langzeitmotorradfahren. Eine Signifikanz lässt sich auch für den Vergleich zwischen körperlich Trainierten und weniger Trainierten nachweisen. Insbesondere der aktive Energieumsatz wird in Bezug auf die aerobe Leistungsfähigkeit, also die Ausdauerfähigkeit, die dem HLP entspricht, günstig beeinflusst. Außerdem unterstützt ein wöchentliches Fitness-Training unterschiedlicher Art von mehr als vier Stunden die Herz-Kreislauf-Belastbarkeit und auch das Regenerationsverhalten bei mehrstündigen Belastungen. Die motorradspezifische Fahrpraxis ist von großer Bedeutung. Bluthochdruck dagegen ist nur signfikant für untrainierte Personen und in Kombination mit weiteren Risikofaktoren. Deshalb ist eine optimale medikamentöse Blutdruckeinstellung gemäß den Leitlinien der Hypertoniegesellschaft vor der Langzeitmotorradfahrt sinnvoll und dringend empfehlenswert. Das Alter spielt keine Rolle! Laut dieser Untersuchung kann auch ein älterer Motorradfahrer eine Langstrecke ohne gesundheitliche Einschränkung und mit entsprechendem Risiko wie ein jüngerer Teilnehmer absolvieren, sofern er den Empfehlungen weitestgehend entspricht.

? Was empfehlen Sie Motorradfahrern?

! Trainings- und Ernährungsprogramme nützen gesundheitlich beim Langzeitmotorradfahren. Körperliche Fitness halte ich für wichtig. Deshalb ist es sinnvoll, sich auf die Motorrad-saison ähnlich wie auf eine Skisaison vorzubereiten. Nach einer längeren Pause, etwa im Winter, sollte man den Umgang mit dem Motorrad erneut erlernen und das Fahren zu Beginn langsam angehen. Zudem gehören eine ausgiebige Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme während einer Langzeitmotorradfahrt sowie dementsprechend genügend Pausen von 20 bis 30 Minuten zu den Empfehlungen.
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