Knapp drei Millionen Euro für den insolventen Motorrad-Bauer Italien: Paolo Berlusconi kauft Moto Morini

(+++ UPDATE: Neue Infos aus Italien +++) Der italienische Hersteller Moto Morini scheint gerettet: Paolo Berlusconi, der Bruder des italienischen Ministerpräsidenten, will die insolvente Marke übernehmen.

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Foto: Gori
Berlusconi bietet 2,9 Millionen Euro für den kleinen Hersteller, der in Casalecchio di Reno vor den Toren Bolognas seinen Sitz hat. Mit dieser Summe dürfte er einen weiteren Interessenten aus Kanada aus dem Rennen werfen, der deutlich weniger geboten hatte.

Präsentiert wurde die Offerte über die Firma "Nuova Garelli", die Paolo Berlusconi 2006 gegründet hatte. Über sie vertreibt er seither 50er- und 125er-Roller aus chinesischer Produktion. Denkbar ist daher, dass er die kleineren Motoren der Marke Morini Franco, die ebenfalls zu Moto Morini gehört, künftig für diese Roller nutzen wird. Noch ist die Übernahme aber nicht abgeschlossen. Derzeit prüfen Beauftragte der Firma Nuova Garelli das Moto Morini-Werk. Eine Bedingung für die Übernahme besteht darin, dass sich die Gewerkschaften auf eine deutlich reduzierte Beschäftigtenzahl einlassen: Statt wie bislang mit 60 will Nuova Garelli das Werk nämlich zunächst nur mit 20 Angestellte weiterführen; ihre Zahl soll sich dann erst mit laufender Produktion wieder erhöhen.

Moto Morini hatte sich im Herbst letzten Jahres selbst für insolvent erklärt, was einer Firma nach italienischen Recht ein halbes Jahr lang Zeit gibt, sich einen neuen Investor oder einen Käufer zu suchen, ohne Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu müssen. Zum Übernahme-Paket gehören neben dem Bestand an bereits montierten Morini-Motorrädern alle Motoren und Projekte des Herstellers sowie Produktionsmaschinen und Montagebänder. Die Werksgebäude selbst sind nicht im Kaufpreis inbegriffen und würden dem neuen Inhaber zunächst vermietet. Wenn alles reibungslos klappt, so die Schätzung eines beteiligten Wirtschaftsprüfers, könnte die Morini-Produktion bereits ab Ende April wieder anlaufen.

Mit dem solventen Berlusconi im Hintergrund dürfte dann auch die Serienproduktion des neuen 1200er-Zweizylinders Gran Ferro, den MOTORRAD im letzten Herbst in einem exklusiven Vorabbericht bereits fahren konnte, nicht lange auf sich warten lassen.

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Außer mit Moto Morini wird Berlusconi zudem mit der italienischen Traditionsmarke MV Agusta in Verbindung gebracht, die der Mutterkonzern Harley-Davidson  seit November 2009 zum Verkauf ausgeschrieben hat. Ursprünglich sollte der Käufer bereits Ende März verkündet werden, doch noch herrscht Schweigen. Nach aktuellen MOTORRAD-Informationen scheinen hier Berlusconis Chancen auf eine Übernahme überraschend wieder gestiegen zu sein – wenn dieser Name im Spiel ist, lassen sich italienische Banken eben bereitwilliger als sonst auf eine Finanzierung ein.

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