Japan-Neuheiten 1999 Sinn und Unsinn

Vom kraftstrotzenden 300-km/h-Boliden bis zur multifunktionalen 1000-cm³-Enduro reicht die Neuheiten-Palette aus Japan. Auch mehr G-Kats werden eingebaut.

Japanische Motorradhersteller dürften auch in Zukunft den europäischen Markt dominieren. Gerade weil die japanische Wirtschaft derzeit in einer bedrohlichen Krise steckt, wird sie wegen des fallenden Yen-Kurses wohl Wettbewerbsvorteile gegenüber den europäischen Herstellern bekommen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob die Preissenkungen an die deutschen Kunden weitergegeben werden. Prima Aussichten für potentielle Käufer zumindest, die sich auf der Messe INTERMOT im September in München ihr Traummotorrad erstmals in natura ansehen können. Erste Informationen liegen der Redaktion bereits vor. Fangen wir mit Marktführer Honda an.
Seit Jahren agiert der Motorradgigant behutsam, und auch für 1999 sind keine allzugroßen Überraschungen zu erwarten. Ganz sicher wird Honda der erfolgreichen Reise-Enduro Africa Twin eine modernere Maschine zur Seite stellen. Sie heißt XL 1000 V und spricht als Vielzweckfahrzeug für Straße, Reise und leichtes Gelände den Fan an, der hohen Nutzwert mit Fahrspaß verbindet. Als Motor fungiert der wassergekühlte und nunmehr voraussichtlich mit Einspritzung bestückte V2 der VTR 1000, der in ein Stahlchassis eingepflanzt wird. Mit annähernd 100 PS wird die XL 1000 V reichlich motorisiert sein, zumal der Zweizylinder auf ein noch breiteres Drehmomentband ausgelegt sein dürfte. Für den deutschen Markt spendiert man der großen Enduro wahrscheinlich einen geregelten Kat. Da sie ohnehin fast nur auf befestigten Wegen bewegt wird, entschloß man sich, ihr Gußräder - vorn in 19 Zoll - zu verpassen.
Brandneu ist eine weitere Enduro: die XR 650, die ihre Bestimmung im Gelände findet. Sie löst die etwas ergraute luftgekühlte Einzylinder-Baureihe ab und stampft mit einem nagelneuen wassergekühlten Vierventil-Single durch den Acker. Zwar wurde der Motor nicht so extrem wie jener der Yamaha WR 400 ausgelegt, doch 50 echte und umweltfreundlich gedämpfte Pferdestärken wird man erwarten können. Damit der Enduro-Hammer bezahlbar bleibt, steckt der neue Triebsatz in einem Stahlchassis.
Zuletzt wird als echte Neuheit die CBR 600 F erwartet, die sich optisch an die Fireblade anlehnt und ebenfalls einen Alu-Rahmen bekommt. Im Gewicht soll sie um gut 15 Kilogramm abspecken, so daß sensationelle 185 Kilo vollgetankt zu erwarten sind. Dafür entlockten die Ingenieure dem Vierzylinder etwa 115 PS. Dennoch bleibt die neue CBR 600 F weiterhin für zwei Personen genügend komfortabel.
Alle anderen Honda-Modelle müssen sich mit Modellpflegemaßnahmen bescheiden. Etwa das Flagschiff CBR 1100 XX, das eine Einspritzung und einen geregelten Kat erhalten soll. Die Gerüchte, es käme bald eine Hornet 1100 auf dem Markt, haben sich dagegen nicht bewahrheitet. Für Rennfreaks interessant: Schon in Kürze offeriert Honda einen Racing-Kit für die Honda VTR 1000, die 1999 möglicherweise über Einspritzung und G-Kat verfügen könnte.
Zum Thema Kawasaki fließen die Informationen noch recht spärlich in die Redaktion. Die Spekulationen, es käme für die nächste Saison eine Über-ZX-R auf den Markt, dürften Spekulationen bleiben. Richtig ist, daß eine ZX-12R im Jahr 2000 erwartet werden darf, die aus 1200 cm³ 170 oder mehr PS entwickelt und an der 300-km/h-Schallmauer kratzt. Dagegen ist eine große Estrella mit 600 oder 650 cm³ schon für 1999 im Gespräch, die dem Vernehmen nach stark ans Design der legendären BSA 650 angelehnt ist und sogar von einen Zweizylinder-Reihenmotor befeuert wird.
Suzuki macht insofern von sich reden, als die Produktion und Entwicklung von neuen Enduros ganz aufgegeben werden soll. Das Augenmerk des derzeit zweitgrößten Motorradanbieters auf dem deutschen Markt gilt den Sportbikes und Cruisern. Keine Frage, daß Suzuki bald das Wettrüsten bei den Big Bikes um eine 300-km/h-Maschine »bereichern« möchte. Wahrscheinlich heißt sie GSX 1300 Ultimate SP und wird dank eines nagelneuen 1,3-Liter-Vierzylinders mit Wasserkühlung und Einspritzung, der in einem Leichtmetall-Brückenrahmen steckt, mindestens 170 PS erzeugen. Die Ultimate wird kein Supersportler mit extremer Sitzposition sein, sondern eher in Richtung der Honda CBR 1100 XX weisen. Von geregelten Kats und möglichst niedrigen Abgaswerten hält man bei dieser Firma bekanntlich nicht viel und will erst G-Kats einbauen, wenn es die Gesetzgebung erfordert. Vermutlich wird das Programm noch durch einen Mittelklasse-Chopper ergänzt, der einen Zweizylinder-V-Motor mit etwa 650 cm³ haben dürfte.
Die Marke Yamaha ist spätestens seit dem neuen Supersportler R 1 wieder in aller Munde - zumindest bei der Heizerfraktion unter den Bikern. Keine Frage, daß Yamaha jetzt das 600er Modell Thundercat modernisiert oder besser athletisiert. Es heißt nach den neuesten Erkenntnissen YZF 600 RR und ist deutlich filigraner gezeichnet als die Vorgängerin, dürfte aber keine vollständige Neukonstruktion sein. In puncto Design ist sie an die R1 angelehnt. Eine echte Kopie der R1 wird die YZF 750 R, die in limitierter Serie als Basis für die Superbike-Homologation dienen soll. An der Verkleidung wird es jedoch Retuschen geben, weil der Luftwiderstand minimiert werden muß.
Weitere neue Motorräder auf den nächsten Seiten und in den kommenden Heften.

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