Katalogteil: Unverkleidete MOTORRAD PUR

Pure Sinnlichkeit: Keine Art von Motorrädern produziert so viele und vielfältige Sinneseindrücke pro Kilometer wie das nackte Allround-Motorrad.

Nur wenige Motorradfahrer haben für jede Laune den passenden Untersatz: Einen, um herumzutoben, einen, um auf Touren zu kommen und einen, das einen täglich zur Arbeit bringt. Natürlich kann man sich spezialisieren. Man kann jedoch auch zum unverkleideten Allround-Motorrad greifen - und feststellen, daß diese Art für alle Launen zu haben ist.Die BMW-Vierventil-Roadster R 850 R und R 1100 R sind Verkaufsrenner. Mit 70 und 80 PS, viel Drehmoment, modernem Fahrwerk, Benzineinspritzung, Kat und ABS lassen die unverkleideten Boxer kein Stichwort aus. Wer noch einen »alten« Stoßstangen-Boxer ergattern möchte, muß sich sputen. Zum Jahresende 1995 läuft die Produktion aus. Den sportlich-spritzigeren Eindruck hinterläßt die R 100 R Mystic, das Gebrauchs-Bike stellt die R 100 R Classic dar. Technisch sind beide mit Einarm-Kardanschwinge und 60 PS identisch. Weit unter Wert verkauft sich die Cagiva River 600. Für 8990 Mark bekommt der Käufer ein 34-PS-Motorrad mit Alu-Brückenrahmen, Scheibe, Koffern und ungeregeltem Kat. Bei Ducati soll 1996 die Produktion endlich mit der Nachfrage Schritt halten. Den beiden Monster-Bikes, der 600er und der 900er, hat Ducati die 750 Monster beigegeben. Jetzt stehen Monster mit 53, 66 und 80 PS zur Wahl. »Eine Zündung pro Laternenpfahl.« Der 17 starke Einzylinder der Enfield Bullet 500, nach altenglischen Zeichnungen in Madras, Indien, produziert, wird von Ronald März in Ettlingenweier importiert. Harley-Davidsons 883 und 883 Hugger sind zwar die Einsteiger-Maschinen im Reich der wilden Reiter, doch bieten die 49 PS starken V-Twins alles, was man sich von einer Harley wünschen kann - zum erträglichen Preis. Sportster 1200 Sport heißt die »Doppel-R« unter den Harleys. Mit 58 PS reißt aber auch sie keine Bäume aus. Die Fat Boy ist mit Scheibenrädern, Softail-Rahmen und Hufeisen-Öltank mit dem1338er-Evo-Motor und 55 PS bei lasziven 5000 Touren weit weniger gefährlich als die atombombige Namensgeberin - mit über 31 000 Mark jedoch kaum preiswerter. Sowohl die Heritage Softail Special als auch die Electra Glide Road King sind Variationen des Themas »Harley-Big-Twin«. Die Road King bietet aus dem 1338er-Evo-Motor mit 60 PS etwas mehr Spitzenleistung, die Softail Special bei 55 PS die bessere Ausstattung. Sportler, Tourer, Alltagsfahrer und Neulinge lieben die Honda CB 500. Mit 34, 50 und 58 PS deckt der Paralleltwin den Bereich bis an die 200-km/h-Marke ab. Der V2 NTV 650 fährt - mit maximal 53 PS - in den gleichen Leistungsstufen. Mit Einarm-Kardan, 20 Kilogramm und 30 Prozent mehr Hubraum liegt ihr Talent in der Tourensparte. Mit 10 775 Mark ist die NTV einen guten Tausender teurer als die CB 500 - doch im Unterhalt nicht zu schlagen.Die CB 750 »SevenFifty« ist ein Allrounder par excellence. Wartungsärmer als der mit Hydrostößel-Ventiltrieb ausgestatte Vierventiler ist keiner. Die CB 750 ist ideal für zwei Personen, mit komfortabler Sitzbank und viel Beinfreiheit. Die CB 1000, die »Big One«, ist das größte aller Big Bikes. Das liegt nicht nur an den 18zölligen Rädern. Mit 98 PS versichert, aber nur mit fünf Gängen statt der sechsgängigen Box des Motorenspenders CBR 1000 F, braucht der Vierzylinder viel Schaltarbeit, um wuchtig vorwärts zu gehen. Wer auf gepreßtes Blech steht, auf 250er Viertakt-Einzylinder mit 17 PS und ein federleichtes Handling, braucht die Kawasaki Estrella 250. Dazu bekommt er Scheibenbremsen und einen E-Starter, und ab 1996 ist die Estrella sogar für zwei Personen zugelassen.Die Zephyr 550 ist in der günstigen 50-PS-Klasse versichert. Das Fahrwerk und die Bremsen machen jede Schandtat mit. Die Zephyr 750 macht jetzt noch stärker auf Vergangenheit: Mit Drahtspeichenrädern und der in den 80er Jahren Kawasaki-üblichen Zweifarb-Lackierung. Fünf PS und acht Prozent Drehmoment hat der Motor dazugewonnen. Im gleichen Outfit und ebenfalls mit überarbeiteten Motor präsentiert sich die Zephyr 1100. Das Drehzahlband ihres Motors zwischen Drehmoment- und Drehzahlgipfel hat sich vervierfacht.Die KTM Duke 620 E hat im neuen Jahr einen E-Starter bekommen. Der federleichte Straßensportler glänzt mit einem raffinierten Design und feinen Details und preßt aus dem Ausgleichswellen-gezähmten 50-PS-Einzylinder Superbike-Fahrleistungen.Die Ghost 650 von Laverda will sich aus dem Ducati-Monster-Kuchen ein Stück herausschneiden. Mit Benzineinspritzung für den 66 PS starken Zweizylinder, dem Stahl-Gitterrohrrahmen und Federelementen von White Power stehen die Zeichen dafür gut. Gerade noch ein Modell ist im Moto Guzzi-Modellprogramm übrig: Die California III. In zwei Ausführungen, eine mit Vergasern, die andere mit Weber-Marelli-Einspritzung, ist der relaxte Tourer je 75 PS stark. Das Vergaser-Modell ist 1300 Mark preiswerter als das Einspritz-Modell. Die Einspritz-Variante hat die harmonischere Motor-Charakteristik.MuZ Silver Star Classic: Mit 34 PS-Rotax-Einzylinder, Stahlblech statt Plastik und attraktiver Erscheinung hätte MuZ’s Klassiker mehr Aufmerksamkeit verdient. Wenn nur das Marken-Image nicht wäre.Das steht der Skorpion Tour von MuZ genauso im Weg. Mit einem Yamaha XTZ-660-Einzylindermotor konfektioniert, harmonisiert der wahlweise 34 oder 48 PS starke Single gut mit dem Fahrwerk. Allerdings ist die Skorpion Tour ist mit über 10 000 Mark ziemlich teuer.Das kann man von der Suzuki GS 500 E mit 8090 Mark nicht behaupten. Die Fahrleistungen des Zweizylinder-Sprinters sind Legende und der Motor beweist mit 34 und 46 PS eine enorme Standfestigkeit. Auch die GSF 600 Bandit zeigt, daß man auch für kleines Geld viel Motorrad bekommen kann. Der von der GSX-R-750 abgeleitete Motor ist für die Ewigkeit gebaut.Die Suzuki VX 800 ist fast ein Chopper: eine flachere Gabel und einen längeren Radstand bietet keine. 61 PS schieben den gut gefederten Kardan-Tourer zügig voran. Mit den 240 Kilogramm Lebendgewicht haben die ebenfalls erhältlichen 34 PS jedoch Mühe. Wenn’s ein Sofa auf zwei Rädern gibt, dann heißt es GSX 1100 G. Mit plüschiger Sitzbank und softer Federung ist sie der Cadillac der Motorräder. Doch der auf 98 PS reduzierte Ex-GSX-R 1100-Antrieb kann den 287-Kilogramm-Brocken wie ein Dampfkatapult voranreißen. Gut, daß sich der Drehmomente ein mächtiger Kardan annimmt.Fünfzig Kilogramm leichter und kardanlos kommt Suzukis GSF 1200 Bandit daher. Etwas weniger Drehmoment zwar als im G-Monster, hat der vergrößerte Bandit-Vierzylinder ein breiteres Drehzahlband. Wenn’s also nicht die Kette ist, die Saures kriegt - der Hinterreifen bestimmt.Die 750er Trident ist das kleinste Triumph-Modell. 90 PS aus drei Zylindern, 74 Newtonmeter, aber auch satte 253 Kilogramm kennzeichnen den kleinen Dreizack. Acht PS stärker und 2200 Mark teurer, aber sonst identisch ist die 900er Trident. Das Fünfgang-Getriebe der Speed Triple 900 ist für 1996 der Sechsgang-Schaltbox gewichen. Sie ist zwar - wie alle Triumph - schwer, aber handlich. Die Thunderbird 900 weicht als einzige Triumph vom Baukastensystem ab. Der entschärfte Dreizylinder leistet 70 PS. Ihr sind Embleme, Kurven, Blech und Lack halt wichtiger als Leistung. Yamahas Klassiker SR 500 ist das Puristen-Motorrad schlechthin. Eine Generation von Motorradfahrern hat sich an ihrem Kickstarter bewährt - oder versagt. »Dank« der jüngsten Geräuschgrenzwerte leistet die SR nur noch 24 PS. Doch durch den günstigen Drehmomentverlauf ist außer in der Spitze davon wenig zu spüren. Die XJ 600 N ist etwas für gemütliche Zeitgenossen. Die weiche Federung, ein nicht verwindungsfreier Rahmen und Bremsen, die ihre Grenzen kennen, weisen dem 50-PS-Reihenvierzylinder - auch 34 und 61 PS sind erhältlich - seinen Einsatzzweck zu: Alltagstauglichkeit ohne Allüren. Die XJR 1200 von Yamaha hat bisher alle anderen unverkleideten Big Bikes in die Tasche gesteckt. Der Motor der FJ 1200, reduziert in der Leistung, frisiert im Drehmoment in einem Fahrwerk, das dem Einsatzzweck voll gerecht wird - was will man mehr? Höchstens ein paar Kilogramm weniger. Die große Böse, die Vmax 1200, kommt 1996 zwar endlich offiziell, aber deshalb auch nur mit 100 PS auf den deutschen Markt. Dabei weiß doch jeder pfiffige Händler, daß der Reiz des V-Vier-Kardan-Monsters ausschließlich in der offenen Leistung von 145 PS liegt.

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