Kauf: Serie Motorradkauf Folge 5 - Käufertypen (Archivversion) Typ Sparschweinschlachter

Solide, komfortabel, mit möglichst breitem Einsatzbereich und so günstig, wie es geht. Schlosser Bodo Blech hatte das Anforderungsprofil für seine neue Alte klar umrissen. Und stieß in MOTORRAD 23/2002 auf die Yamaha
FJ 1200: »Als sportliches Big Bike kam sie auf die Welt, als unermüdliche Reisebegleiterin erfreut sie ihre Besitzer«, stand in der Gebrauchtberatung, und Leser Herbert Wanka wurde folgendermaßen zitiert: »Auch fürs Semmeln holen am Samstagmorgen
optimal geeignet – das Motorrad des Jahrhunderts.« Und bald, dachte sich Blech, mein Motorrad. Wobei sich ihm ein leiser Zweifel aufdrängte: Sollte das Motorrad des Jahrhunderts für unter 2000 Euro zu haben sein? Mehr spuckte sein Schwein nicht aus. Musste es auch nicht. Im Netz stellte Blech fest, dass es genügend FJ-Modelle unter seinem Limit gab.
Die hatten zwar meist massenhaft Kilometer auf der Uhr, doch der Motor gilt ja als unverwüstlich. Und falls die eine oder andere Reparatur fällig sein sollte, schreckte Blech das nicht ab. Schrauben gehört für ihn zum Bike. Was Blech noch feststellte: Die 1100er ist eigentlich nicht günstiger zu haben als die 1200er, die er mit Glück sogar als Version mit ABS ergattern könnte. Damals rund 1000 Euro teurer, starten die Preise für ABS-Modelle heute nur knapp über Blechs Etat, 2100 Euro. Dafür würde Blech auf 50 Bier verzichten. Nicht aber darauf, das Motorrad
persönlich in Augenschein zu nehmen. Was heißen kann, dass Blech erstens längere Wege in Kauf nehmen muss und nicht allzu lange zaudern sollte. Denn die FJ ist sehr gefragt. Also greift Blech zum Telefon, vereinbart sofort einen Termin. Das Motorrad sieht gut aus, keine echten Macken dran, und nach einer Probefahrt ist Blech klar: Die muss ich haben. Verhandlungsspielraum Fehlanzeige: »Ich habe die Maschine schon zu einem günstigen Preis inseriert, um die Leute nicht mit überzogenen Forderungen abzuschrecken, drunter gehe ich nicht.«
Der Schlosser weiß, dass die FJ das Geld wert ist, zumal er Topcase, Koffer und Tourenscheibe dazubekommt. Die Schlachtung des nächsten Sparschweins wird er in Stahlflex-Bremsleitungen investieren und in stärkere Kupplungsfedern der XJR 1300. Andererseits: Hätte er aufs ABS verzichtet, wäre er schon für 1200 Euro an eine FJ 1200 gekommen. Neunhundert Euro, in Blechs Stammkneipe entspricht das dem Gegenwert von 450 Bier.

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