Kauf: Serie Motorradkauf Folge 5 - Käufertypen (Archivversion) Typ GOLDkarte

Unternehmensberater Willi Windig muss handeln. Der Siebener von BMW reicht zum Repräsentieren längst nicht mehr, zwischen Porsche und Jaguar XKR macht die Limousine nichts mehr her. Auf den Parkplätzen der Businesskunden und vorm Golfplatz ist diese Form von Luxus Standard. Weil Geld
für Windig keine Rolle spielt – seine Branche profitiert von der
Wirtschaftskrise – und zwei seiner Kollegen bereits Harley-V-Rod
fahren, ist die Frage, wie er sich fuhrparktechnisch profilieren kann, schnell beantwortet: MV Agusta F4 1000 S.
Berufsbedingt fürchtet Windig, übers Internet an unseriöse
Geschäftspartner zu geraten, außerdem hat er ohnehin zu wenig Zeit, um den besten Deal zu finden, und sein Geschick als Schrauber reicht allenfalls, um ein Döschen Hummercremesuppe zu öffnen.
Deshalb geht er direkt zum Händler. Dort muss er feststellen: Seine F4 1000 S wird auf sich warten lassen, bis in den Hochsommer. Die Version Tamburini könnte er bereits im Mai oder
Juni haben, doch die kostet nicht 20 000 Euro, sondern das Doppelte. MV scheint einen guten Unternehmensberater in Sachen Produktionsplanung zu haben. Bevor die Standardversionen gefertigt werden, versucht MV die finanzielle Schmerzgrenze illustrer Kunden auszuloten – mit Sondermodellen. Jetzt hat Windig die Wahl: 20000 Euro mehr für die Tamburini oder warten. Probefahrten sind eh nicht möglich, mangels Vorführmotorrädern.
Für die Tamburini spricht ihre Exklusivität. Windig spricht: »Das ist mir keine weiteren 20000 Euro wert.« Sein Händler spricht: »Wenn Sie auf das Standardmodell warten, bekommen Sie von mir bis dahin ein anderes Motorrad gestellt.« Windig könnte bis zur Auslieferung mit einer Ducati 999 zum Golfclub
rollen. Aber: Das Entgegenkommen des MV-Händlers gestaltet sich nicht uneigennützig. Wenn nämlich im Kaufvertrag ein Liefertermin vereinbart wird, muss der eingehalten werden. Geschieht dies nicht, besteht die Möglichkeit, eine Nachfrist zu setzen. Bei einem konkreten Liefertermin eine bis zwei Wochen, bei un-
verbindlichem Termin, auf den Sie sich am besten erst gar nicht
einlassen sollten, drei bis vier Wochen. Danach können Sie den Vertrag auflösen. Um das zu vermeiden, zeigen sich auch Händler von Volumenmodellen in Sachen Ersatz-
maschine manchmal verhandlungswillig.
Weil Windig zu den ersten gehören will, die F4 1000 S fahren, ordert er sofort, mit der Konsequenz, dass sich am Preis wenig drehen lässt. Erst wenn die erste Nachfragewelle verebbt ist, sind Nachlässe drin. Momentan werden die 1000er von Grauhändlern zum Teil sogar über Listenpreis angeboten, die 750er dagegen
finden sich vereinzelt bis zu 1600 Euro unter Liste.

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