Kaufberatung: Neuwert-Bikes (Archivversion) Wie neu

Fabrikfrisch ohne jegliche Kilometer – ein Traum für viele Motorradfahrer. Nur kann und will sich nicht jeder ein topaktuelles Modell für entsprechend viel Geld leisten. MOTORRAD recherchierte in ganz Deutschland billigere Alternativen, die fast wie neu sind.

Was kommt dem Schnäppchen-Gedanken wohl am nächsten? Eine Neumaschine mit Rabatt oder eine neuwertige Gebrauchte? In einer aufwendigen, bundesweiten Marktrecherche hat MOTOR-
RAD beispielhaft drei populäre Modelle (Honda Transalp, Suzuki Bandit 600/650 S und Yamaha YZF-R1) unter die Lupe genommen und das Preisniveau von neuwertigen Motorrädern – das hieß, höchstens 18 Monate alte, maximal 5000 Kilometer gefahrene Fahrzeuge – mit der niegelnagelneuen Alternative verglichen. Exemplare mit absolut illusorischen Preisvorstellungen, mehrfach inserierte Fahrzeuge sowie unseriöse Angebote und Unfallmaschinen wurden herausgefiltert, um kein verzerrtes Bild vom Markt zu erhalten.
Als Quellen für die Recherche dienten maßgeblich die Internetmärkte www.mobi
le.de, www.motoscout24.de, www. ebay.de sowie Hersteller-Websites, größere Anzeigenblätter und Zeitschriften, die auch im Internet eine Handelsplattform bereitstellen (zum Beispiel www.avis.de, www. dhd24.de, www.motorradonline.de, www. quoka.de). Außerdem verglichen die Preis-Checker von MOTORRAD alle Angebote mit der aktuellen Schwacke-Liste, die auch von Motorradhändlern herangezogen wird. Tipp für die eigene Recherche: Erstellen Sie für Ihr Wunschmodell eine ähnliche
Tabelle und geben Sie alle für Sie rele-
vanten Fahrzeug-Inserate ein. Im direkten
Vergleich werden Sie schnell feststellen, mit welchem Neuwert-Bike Sie finanziell am besten fahren.
Neuwertige Gebrauchte von privat
liegen im günstigsten Fall bis zu 40 Prozent unter dem Listenpreis des aktuellen Modells. Eher Einzelfälle, daher heißt es: schnell zuschlagen! Andererseits haben viele Privatverkäufer unrealistische Preisvorstellungen, nach dem Motto: »Versuchen kann man’s ja mal.« So verlangen
einige Privatanbieter für ihre mehrere tausend Kilometer gefahrene Maschine so viel wie mancher Händler für ein nagelneues Vorjahresmodell. Die Privaten rechtfertigen die teilweise hohen Preise durch die Zugabe von sinnvollen Zubehörteilen, berücksichtigen jedoch nicht den immensen Wertverlust solcher Teile beim Wiederverkauf. Bei gebrauchten 2004er-Modellen außerdem checken, wie lange die Herstellergarantie noch läuft, den Zustand
der Verschleißteile begutachten sowie
auf anstehende Inspektionstermine achten. Selbst topgepflegte Maschinen mit sinnvollem Zubehör, frischen Reifen und Laufleistungen von nicht mehr als 5000
Kilometern sollten mindestens 30 Prozent unter dem Listenpreis eines aktuellen Modells liegen. Dann lohnt der Kauf. 2005er-Gebrauchte von privat sind eine Rarität. Sie liegen preislich immerhin rund 25 Prozent unter einer Neumaschine und sind mit entsprechendem Zubehör folglich eine gute Alternative.
Insgesamt bietet der professionelle Motorradhandel gegenüber dem Privatmarkt ein größeres Angebot an jungen
Second-Hand-Bikes. Gewerbliche kön-
nen außerdem Finanzierungsmöglichkeiten (meist ab 4,99 Prozent) bieten und das
bisher gefahrene Motorrad in Zahlung
nehmen. Neben einem Werkstattservice sowie einem versierten Ansprechpartner sind das sicherlich die wichtigsten Gründe, beim Händler nach einer neuwertigen Gebrauchten zu suchen. Entgegen der landläufigen Meinung, diese würden teurer als privat anbieten, lagen die ermittelten
Preise für gebrauchte 2004er-Modelle auf dem gleichen Niveau wie bei Privat-
verkäufen und für 2005er-Modelle nur geringfügig darüber.
Transalp-Interessenten finden beim Händler sogar die besseren 2005-Gebraucht-Schnäppchen. Zumal aktuell anfallende Inspektionen und Verschleißteile häufig vom Händler vor dem Verkauf erledigt werden. Fazit: Neuwert-Gebrauchte vom Händler sind in Zubehör-Ausstattung und Laufleistung vergleichbar mit Privatofferten – und oftmals sogar das attraktivere Gesamtpaket.
Die Vorstellung, dass eine Vielzahl
verschiedener Probefahrer das Motorrad malträtiert haben könnten, schreckt viele Käufer bei Vorführern ab. Übliche Probefahrten dauern rund eine Stunde (50 bis 100 Kilometer), bei längeren Ganztages-Probefahrten spult der interessierte Kunde – oftmals gegen eine Gebühr – bis zu
500 Kilometer ab. Im Idealfall wurde die Maschine vom Fachpersonal vorschriftsgemäß eingefahren, und die übrigen
Kilometer resultieren aus längeren Probefahrten mit warm gefahrenem Motor. Viele angebotene Vorführer haben lediglich 1500 Kilometer bis 2000 Kilometer auf der Uhr. Bei solchen neuwertigen Maschinen sind es nach Angaben verschiedener Händler
in der Regel rund 15 Probefahrten, die das Fahrzeug bis zum Verkauf hinter sich hat. Angesichts von Preisnachlässen gegenüber Neufahrzeugen von über 20 Prozent, einer bis zwei Jahre nach Erstzulassung gültigen Garantie sowie günstigen Finanzierungskonditionen (teilweise ab 0,99 Prozent) ist das minimale Risiko beim Kauf eines Vorführers tragbar. Das Angebot
speziell zur Saisonmitte und zum -ende
ist sehr gut. Bei Vorführern mit Laufleistungen über 5000 Kilometer ist indes Vor-
sicht geboten. In diesem Fall sollte der Händler genau dokumentieren können,
wie die Laufleistung zustande gekommen
ist, denn einige Vorführer laufen gleich-
zeitig als Mietmotorrad und empfehlen sich aufgrund stärkerer Abnutzung nicht als Neuwert-Bike.
Bei den technisch fast identischen Vorjahresmodellen von Transalp und R1 sind Einsparungen über 15 Prozent möglich, die 600er-Bandit von 2004 schlägt sogar mit rund 20 Prozent weniger zu Buche als das aktuelle, allerdings stark überarbeitete 650er-Modell. Wie bei Vorführern und Neufahrzeugen gelten meist die gleichen Bedingungen für Finanzierung und Inzahlungnahme. Einziges Problem: Das Angebot ist sehr dürftig. Laut dem Yamaha-Importeur standen zum Beispiel Ende August 2005 deutschlandweit insgesamt nur noch 50 neue, nicht zugelassene R1 von 2004 bei den Händlern.
Aktuelle Modelle zum Aktionspreis –
da wird’s spannend zum Saisonende. Unter Umständen läuten die Importeure zentral gesteuerte Ausverkaufsaktionen ein, außerdem senken die meisten Händler individuell ab September bei vielen
Neufahrzeugen deutlich die Preise. Zehn
Prozent sollten immer drin sein. Tageszulassungen, das heißt Neufahrzeuge ohne
eine nennenswerte Laufleistung (null bis
50 Kilometer), aber mit Händlerzulassung im Fahrzeugbrief, sind teilweise sogar
20 Prozent billiger zu bekommen und da-
mit Top-Schnäppchen. Achtung: Manche
Tageszulassungen sind schon einige Monate alt. Die für den Käufer entsprechend verkürz-te Herstellergarantie muss deshalb beim Preis berücksichtigt werden. Interessant, speziell für Käufer, die überregional suchen, ist der Service mancher Händler, das Motorrad gegen eine Gebühr von rund 150 Euro per Spedition bundesweit bis vor die Haustür zu liefern. Dieser Transport wird auch des Öfteren bei Vorführern,
Vorjahresmodellen und neuwertigen Gebrauchten angeboten. Finanzierungsprogramme (ab 0,99 Prozent) und Inzahlungnahmen sind in der Regel möglich.
Der größte Unterschied zwischen Grauimporten und offiziell importierten Fahrzeugen liegt in den Garantieleistungen. Letztere besitzen in der Regel eine zweijährige Vollgarantie vom Hersteller. Diese Leistungen können bei jedem Vertragshändler und sogar im Ausland in Anspruch genommen werden. Dagegen gibt es beim Grauimporteur lediglich eine so genannte Werkstattgarantie, die in der Regel nur
bei ihm vor Ort gilt. Je nach Modell unterscheiden sich manche »Graue« technisch in bestimmten Bauteilen, was unter Umständen zu Problemen bei der Ersatzteilversorgung führen kann. Der größte Grauimporteur Deutschlands, ZTK in Schneverdingen, Telefon 05193/9640, gibt an, dass die von ihm importierten Yamaha YZF-R1 und die Bandit 650 S, Baujahr 2005, baugleich mit den offiziell importierten Fahrzeugen seien. Seine Preise liegen bei Finanzierungsmöglichkeiten von 4,99 Prozent um rund 20 Prozent unter dem Listenpreis.

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