Kawasaki (Archivversion)

Kurz vor Redaktionsschluss rief Kawasaki-Pressesprecher Andi Seiler an. Er bat darum, den Lesern mitzuteilen, dass die neue ZX-10R in Deutschland zierlichere Blinker als die auf den Fotos abgebildeten bekommen würde. Diese könnten sich, so die Befürchtung des deutschen Importeurs, als Verkaufsgift erweisen. Als Dreingabe präsentierte Sei­-ler ausführliche Informationen zur neuen ­ZX-10R, die freilich nicht so weit gehen, Leistung, Drehmoment oder Gewicht des Supersportlers preiszugeben.
Sein Charakter wird jedoch klar erkennbar. Mit einer Ausnahme betreffen die spekakulärsten Änderungen das Äußere, das eine ganz andere Formensprache pflegt als der wohlgerundete Vorgänger. Die Frontverkleidung weist keine durch­gehende Fläche mehr auf, sondern betont durch eine Spalte zwischen den Scheinwerfern den zentralen Ram-Air-Einlass. Die lange und an den Seiten ausgestellte Scheibe verheißt guten Windschutz.
Mit der ZX-10R, deren Ära nun ausläuft, haben die Kawasaki-Ingenieure eine tragfähige technische Basis geschaffen, die sie akribisch weiterentwickelten. Was allein hinter der dürren Bezeichnung »Neue Sekundär-Einspritzdüsen« oder der Verwendung neuer, ovaler Ansaugtrichter an Versuch und Irrtum, Prüfstands- und Programmierarbeit steckt, lässt sich kaum ­ermessen. Besonders neugierig macht ­das Steuergerät, das auf »allzu plötzliche Anstiege der Motordrehzahl« reagieren und überraschendes Durchdrehen des Hinterrads verhindern soll. Kurz ausgedrückt handelt es sich hier um eine Antriebsschlupfregelung, und die wäre bei entsprechender Funktion eine echte Sensation.
Die Modifikationen am Fahrwerk gleichen denen an der R6; das subtile Spiel mit dicker und dünner ausgeführten Wandungen der Rahmen- und Schwingenprofile ist mit Sicherheit durch die Erfahrungen im Rennsport induziert und dient dem Ziel, die Rückmeldung zu verbessern.
Wer beim ersten Hinsehen die schwarze Ninja auf dem kleinen Foto für eine Farbvariante der ZX-10R gehalten hatte, irrte sich wahrscheinlich ganz nach dem Kalkül der Produktplaner. Tatsächlich näm­lich zeigt das Bild eine 250er, die Ninja 250 R. Eine echte Überraschung ist dieses Motorrad, das aus einem Reihenzweizylinder 30 PS schöpft und damit für Stufenfüh­rerscheininhaber eine reizvolle Alternative zur hypernervösen offenen Aprilia RS 125 oder einer schweren zugestopften 600er bildet. Zumal 153 Kilogramm Trockengewicht gerade noch für fahrfertig vollgetankte 170 Kilo reichen könnten.
Auf der genau entgegengesetzten Seite des Hubraumspektrums tummelt sich die ZZR 1400. Im unteren Drehzahlbereich zeigte sie bisher einen Drehmomenteinbruch, dem ab 5000/min eine wahre Kraftexplosion folgte, so dass die gut gemeinte Idee, nicht zu früh zu viel Power bereitzustellen, ein paar Motorumdrehungen weiter oben in ihr Gegenteil umschlug. Im Zuge der notwendig gewordenen Euro-3-Homologation des ZZR-Motors soll diese Eigenart zugunsten einer homogenen Leistungsentfaltung abgestellt worden sein. Dass zugleich die Spitzenleistung um drei auf jetzt 193 PS stieg, wird den Käufern der 2008er-ZZR nicht ungelegen kommen.
Eine zuletzt drastisch angestiegene Zahl fotografisch erwischter Prototypen bewog KTM, der Redaktion pünktlich zum Messebeginn ein Foto der oder des Duke 3 in endgültiger Gestalt zu schicken. Dank des effizienteren Unterflurauspuffs leistet sein 654er-Einzylinder 65 PS – knapp zwei mehr als in der Supermoto; angeblich entfaltet er im Zusammenspiel mit dem straff abgestimmten Fahrwerk eine solche Dynamik und berauschende Handlichkeit, dass KTM ihm zutraut, gegen Naked Bikes vom Schlag einer Honda Hornet oder Triumph Street Triple anzutreten.

KAWASAKI ZX-10R
TECHNISCHE ÄNDERUNGEN


• Lufteinlässe und Auspuffanlage neu
•erleichterte Kurbelwelle
• Öl- und Wasserpumpe modifiziert
• ovale Ansaugtrichter, je zwei Einspritzdüsen pro Zylinder, ovale Sekundär-Drosselklappen
• modifizierte Einlasskanäle
• kleinere Auslassventile
• erster, vierter und fünfter Gang sowie Sekundärtrieb kürzer übersetzt
• Steuergerät mit Schlupfregelung
• Tank, Sitzbank und Heckrahmen modifiziert
• neue Schwinge
• leichtere Räder

DATEN
Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, Bohrung/Hub 76/55 mm, 998 cm³,Leistung und Drehmoment nicht angegeben, Leichtmetall-Brücken-rahmen, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 310 mm, Scheibenbremsehinten, Ø 220 mm, Sitzhöhe und Gewicht nicht angegeben

KAWASAKI Ninja 250 R

DATEN
Zweizylinder-Viertakt-Reihen-motor, Bohrung/Hub 62/41,2mm, 249 cm³, 22,2 kW(30 PS) bei 10500/min,21 Nm bei 8500/min, Stahl-Brückenrahmen, Scheiben-bremse vorn, Ø 290 mm, Scheibenbremse hinten,Ø 220 mm, Sitzhöhe 780mm, Gewicht trocken 152 kg

KAWASAKI ZZR 1400

TECHNISCHE ÄNDERUNGEN
• zusätzlicher Katalysator, leistungsfähigeres Sekundärluftsystem für Euro-3-Homologation
• Einlasskanäle überarbeitet, neue Einspritzdüsen
• Kolben zur Verringerung mechanischer Geräusche überarbeitet
• mehr Spitzenleistung
• mehr Drehmoment und gleich­-mäßigere Leistungsentfaltung
• neu konstruierte Auspuff-anlage
• leichterer Heckrahmen

DATEN
Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, Bohrung/Hub84/61 mm, 1352 cm³, 193 PS bei 9500/min,Drehmoment nicht angegeben, Leichtmetall-Monocoquerahmen, Doppelscheibenbremse vorn,Ø 310 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 250 mm,Sitzhöhe 800 mm, Gewicht trocken 224 kg

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