Kawasaki KLE 500 (Archivversion) Blickfang

Meist ist es der erste Augenblick,
der über Sympathie oder Antipathie entscheidet. Auf diese von Verhaltensforschern bestätigte These setzt auch die KLE 500 des Jahrgangs 2005. Mit einer
neu gestalteten Cockpitverkleidung im
Stile des Verkaufsschlagers Z 1000, einem
aggressiv dreinschauenden Scheinwerfer und einer kleinen, dunkel getönten Verkleidungsscheibe macht die altehrwürdige KLE auf unwiderstehlicher junger Hüpfer. Wer der ersten Versuchung des frischen Stylings und der neuen Farben verfällt, läuft allerdings Gefahr, enttäuscht zu werden, wenn er auch unter dem Plastikkleid umfangreiche Modellpflege erwartet.
Dort hat sich freilich nicht viel geändert. Schon beim Starten läuft alles wie gehabt. Der 499 Kubikzentimeter große Zweizylinder besteht auf die Kaltstarthilfe an der linken Armatur, die mit viel Gefühl geregelt werden will, um eine annehmbare Leerlaufdrehzahl zu gewährleisten. Haben Fahrer und Maschine erst einmal Betriebstemperatur erreicht, kommen die alten Stärken, aber auch die bekannten Schwächen der 500er zum Vorschein.
Im unteren Drehzahlbereich wirkt das KLE-Triebwerk recht müde und antrittsschwach. Die angegebenen 45 PS müssen aus dem Zweizylinder mit hohen Drehzahlen regelrecht rausgequetscht werden.
Dabei wirkt er ziemlich angestrengt. Positiv bleibt anzumerken, dass der Verbrauch mit 4,5 Litern auf der Landstraße gering ausfällt und zudem den Abgasen mittlerweile drei Katalysatoren zu Leibe rücken, die zwar im Vergleich zum letztjährigen Modell drei PS kosten, jedoch helfen, den Euro-2-Standard zu erreichen.
Bei der kleinen Verkleidungsscheibe wird erst nach mehreren Kilometern und höherem Tempo deutlich, dass sie nicht
allein dem besseren Aussehen dient. Sie ist hinterströmt, um Verwirbelungen zu
minimieren, und erledigt ihre Aufgabe sehr effektiv. Gemessen an ihrer Größe bietet sie guten Windschutz. Eine weitere erfolgreiche Änderung meldet das Hinterteil des Fahrers. Während die alte Sitzbank – zu schmal, zu weich und dazu nach vorne
abfallend – auf langen Touren den Aller-
wertesten malträtierte, erweist sich das neu konturierte Sitzpolster als etwas kommoder. Doch obwohl Urlaubstouren mit der neuen KLE ihren großen Schrecken verlieren, gibt es noch immer bequemere Plätzchen auf Reiseenduros.
Alles beim Alten, das gilt auch für das
äußerst handliche Fahrwerk. Leider, denn während das Federbein bekannt straff, aber ausreichend komfortabel ausgelegt ist, krankt die Gabel weiterhin an ihrer sehr weichen Abstimmung und dem unsen-
siblen Ansprechverhalten. Harte Brems-
manöver quittiert sie mit abruptem Ab-
tauchen, was sehr gewöhnungsbedürftig ist. Die Bremse, die vorne mit einer 300 Millimeter großen Scheibe auskommt, packt kräftig zu und ist fein dosierbar. Nachteile sind ein wandernder Druckpunkt nach mehreren Vollbremsungen sowie verzögertes Ansprechen bei Nässe.
Mit neuer Verkleidung frisch geliftet, mit Metallic-Lackierungen interessant geschminkt und für einen fairen – weil gleichgebliebenen – Preis von 5435 Euro zu
haben, damit ist die KLE 500 des Jahres 2005 so erstrebenswert wie nie zuvor. Schade, dass bei der Überarbeitung die technischen Verbesserungen außen vor blieben. Eine besser abgestimmte Gabel und ein kräftigeres Triebwerk hätten gut getan. Vielleicht kommt’s ja beim nächsten Mal. Kawasakis KLV 1000 und Suzukis
V-Strom 1000 besitzen schon die gleichen Gene, eine Kawasaki KLE 650 mit dem
potenten Herzen der Suzuki SV 650 wäre doch eine reizvolle Kombination, oder? gs

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