Neuheiten: Z 1000, 1400 GTR, ZX-10R, Versys Frisches Grünzeug von Kawasaki

Keine neuen Sorten, auch nicht gentechnisch verändert, aber doch vier mehr oder weniger stark überarbeitete Kawa-Modelle.

Foto: Kawasaki

Kawasaki Z 1000 & 1400 GTR

Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Forttragen der Flamme - sagt ein geflügeltes Wort. Und auf kaum ein anderes Kawasaki-Modell passt es besser als auf die Z 1000. Im positiven Sinn. Als GPZ-Vorläufer machte sie unter demselben Modellnamen bereits in den Siebzigern Furore, 2003 kam sie mit ausgewogenem, modernem Fahrwerk und aufgebohrtem ZX-9R-Motor erneut groß heraus. Zum dritten Mal im neuen Jahrtausend trägt Kawa diese Flamme jetzt weiter. Und sie lodert heller denn je: Der Vierzylinder der neuen Z ist eine komplette Neuentwicklung, weist über fünf Millimeter mehr Hub als sein 125 PS starker Vorgänger auf (und einen Millimeter mehr als der aktuelle ZX-10R-Motor), verspricht neben rund zehn PS Leistungszuwachs - genaue Daten waren bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt - vor allem ein Mehr an Druck von unten und in der Mitte. Auch der Drosselklappen-Durchmesser wuchs von 36 auf 38 Millimeter. Zweite große Neuerung ist der Rahmen, der aus Alu-Gussteilen anstatt Stahl besteht. Da der neue Motor jetzt zugleich vor und hinter dem Zylinderkopf verschraubt ist, konnten die seitlichen Hilfsstreben wegfallen. Kawasaki prophezeit aufgrund dieser Maßnahmen eine höhere Verwindungssteifigkeit und drei bis vier Kilogramm weniger Gewicht.  Auch das Handling soll sich weiter verbessert haben, unterstützt durch einen neuen, jetzt nicht mehr gummigelagerten Lenker, der zu den Griffen hin dünner wird und von Form und Kröpfung her dem einer Enduro ähnelt. Im Cockpit darüber ist die Instrumentenkonsole zum Zweck der besseren Ablesbarkeit in drei Stufen neigbar, Werkzeug braucht man dazu nicht. Die 41-Millimeter-Upside-down-Gabel ist nicht nur verkleidet, sondern auch noch in der Druckstufe und damit voll einstellbar. Die neuen Gussräder haben fünf statt drei Speichen. Der Schwerpunkt der Z wanderte unter anderem durch eine Verschiebung des Zündschlosses hin zum Fahrer und durch kürzere Endschalldämpfer (dafür kam ein unter dem Motor platzierter Vorschalldämpfer) mehr in Richtung Mitte. Einziger Wermutstropfen: Die neue Z fasst nur 15 Liter Sprit, zwei weniger als bisher.
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Foto: Kawasaki
Kawasaki GTR 1400: Hauptmerkmal der neuen GTR sind die viel deutlicher ausgeprägten Kiemen-Schlitze in der Seitenverkleidung. Sie sollen Hitze besser abführen.
Kawasaki GTR 1400: Hauptmerkmal der neuen GTR sind die viel deutlicher ausgeprägten Kiemen-Schlitze in der Seitenverkleidung. Sie sollen Hitze besser abführen.

Kawasaki GTR 1400

Keine Flamme, eher schon ein ausgewachsenes Freudenfeuer ist der mächtige (O-Ton Kawasaki: "Transkontinental") Sporttourer 1400 GTR. Der mit Ram-Air 160 PS starke Vierzylinder und das Fahrwerk in seinen Eckdaten blieben unangetastet. Dafür hielt noch mehr moderne Sicherheitselektronik Einzug. So darf die neue GTR dahingehend Pionier spielen, dass sie mit Kawasakis erster Traktionskontrolle aufwartet: Wer schon einmal versucht hat, mit dem 300-Kilogramm-Boliden auf einem geschotterten, leicht ansteigenden Parkplatz anzufahren, wird den Schlupfregulierer zu schätzen wissen. Deutlich komplexer geworden ist das ABS mit Verbundbremsfunktion. Bei letzterer (Handhebel bremst auch hinten mit, Fußhebel auch vorn) kann der Fahrer zwischen zwei Modi wählen: Standard für aktives Fahren etwa auf kurvigen Bergstrecken, dabei ist die Koppelung von vorderer und hinterer Bremse im ersten Teil des Pedalwegs gering. Stufe zwei koppelt von Beginn des Hebelwegs an stark, gut etwa für Tourenfahrer auf Langstrecke.
Weiter erkennt das neu entwickelte elektronische Bremssteuergerät die Intensität, mit welcher der Fahrer den oder die Bremshebel betätigt und soll die Bremsleistung bis zum gewünschten Grad im Sinne maximaler Fahrsicherheit "koaktiv" blitzschnell optimieren können. Ein grüneres Fahren soll eine Anzeige im Cockpit ermöglichen, die auf aktuell günstigen Kraftstoffverbrauch hinweist, dazu gibts die Umschaltmöglichkeit auf ein magereres Einspritzgemisch-Kennfeld, das spritsparend wirken soll, dafür weniger Leistung bringt. Ein besserer Windschutz durch eine höhere Scheibe, serienmäßige Griffheizung und höher platzierte Rückspiegel bieten ab 2010 gesteigerten Fahrerkomfort.
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Foto: Hersteller

Kawasaki ZX-10R & Versys

Für Kawasakis Supersport-Flaggschiff ZX-10R hätte 2010 gemäß des zweijährigen Modellwechsel-Turnus eigentlich eine Komplettrenovierung angestanden. Doch es zeichnet sich ab, dass auch andere japanische Hersteller in Krisenzeiten längere Modell-Laufzeiten als Sparmaßnahme nutzen. Technisch beschränken sich die Neuerungen an der 2010er ZX-10R daher auf einen neuen Lenkungsdämpfer und eine modifizierte Schaltung. Letztere soll mittels eines neuen Hebelmechanismus mit höherer Festigkeit und einer neuen Schaltwellenbuchse mit engerer Passung für ein sanfteres Schaltgefühl sorgen. Der neue Lenkungsdämpfer stammt wie bisher aus Schweden, wurde von Öhlins speziell für die Zehner-Kawasaki entwickelt. Etwas ausgeprägter fallen die Änderungen im Design des 2010er-Renners aus: Die vordere Verkleidungsschale wuchs zu einem Teil zusammen, ähnelt damit der aktuellen ZX-6R. Im Bereich von Lenker und Cockpit sorgt eine neue Innenverkleidung für einen aufgeräumteren Anblick. Schwarz mit Noppen, so lautet kurz gefasst die Beschreibung des neuen Schalldämpferdesigns.

Versys

Das Design bot auch bei der seit 2007 angebotenen Versys stets Grund zu Diskussionen - und wird es trotz des überarbeiteten Looks weiter tun. Doch zuerst zu den Hardware-Neuerungen, die auch beim Kawa-Funbike der nächsten Saison eher übersichtlich ausfallen. Da wäre einerseits die künftig in drei Positionen statt nur in der Höhe einstellbare Frontscheibe. Zwei unterschiedliche Höhen und eine nach vorn geneigte Stellung sollen helfen, Turbulenzen und Verwirbelungen effektiver vom Fahrer abzuhalten. Die Rückspiegel wurden für bessere Sicht höher und weiter außen platziert. Dem Beifahrer zugute kommen die Modifikationen am Heck der neuen Versys: So bekam die auf 17-Zoll-Rädern rollende Kawasaki flachere Sozius-Haltegriffe, die für mehr Bewegungsfreiheit des Beifahrers weiter außen montiert sind und leichter zu greifen sein sollen. Die gesamte Sitzposition werde für den Beifahrer dadurch ?natürlicher. Wenn lediglich Gepäck mit auf Tour muss, kann der Fahrer dies mit Hilfe der neuen Verzurrhaken an der Heck-Unterseite künftig leichter fixieren. Um die Vibrationen des quirligen, aus der ER-6 stammenden Zweizylinders etwas zu mindern, bekam der Motor eine in Gummi gelagerte Aufhängung. Der viel diskutierte Fischmaul-Scheinwerfer - und damit sind wir beim Design angekommen - wurde schmaler, die Verkleidungsteile an Kühler und Schwingenlager gerieten kantiger. So richtig weit fort trägt Kawasaki im kommenden Jahr also auch die Flamme der Versys nicht.

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