Kawasaki Z 750 und Triumph Street Triple (Archivversion) Verkehrte Welt

Eigentlich scheint die Lage klar zu sein: Die quirlige Triumph stresst, die solide Kawasaki entspannt. Es kommt anders.

Man sollte die Rechnung nie ohne den Wirt machen. Ein alter Spruch, der auch für Motorradfahrer gilt. Man sollte die Maschine nie ohne den Fahrer beurteilen. Vor allem nicht, wenn es um so subjektive Dinge wie Stressempfinden geht. Wenn nun eine Triumph Street Triple auf eine Kawasaki Z 750 trifft, schenken sie sich von der Papierform her wenig. Beide106 PS stark, um die 8000 Euro teuer, das passt zusammen. Die Kawa hat einen Zylinder, 70 cm3 und satte 40 Kilogramm mehr im Angebot. Die Sache scheint klar: ein souveräner Gleiter mit sonorem Vierzylinder gegen eine ultranervöse Dreizylinderbiene. Lockerers Dahingeschwebe gegen ständiges Stochern im Grenzbereich.

Oh nein! Beide starten, hören, einmal am Gas drehen: Gute Vierzylinderkost bei Kawasaki, die Triumph so was von einem röhrigem Hirsch, glücklich stellen sich Biker-Nackenhaare auf. Triple-Treiben erzeugt pure Euphorie beim Fahrer. Ein präzises, sattes, durchzugsstarkes Fahrerlebnis. Auch langsam und soundbetont zu genießen. Völlig mitreißend, total easy, jeglichen Stress wegröhrend. Und die Z 750? Wiegt etwas schwerer in der Hand, hängt sich rein, bemüht sich stets, aber bekommt es nicht so hin. Zaubert einfach vergleichsweise wenig Endorphine ins Hirn. Trotzdem ein wirklich leicht zu bewegender Begleiter, der keinerlei Stress macht. Der Stress kommt beim Fahren. Da nerven die Anderen, der Stau, die endlos lang rote Ampel. Das alles brabbelt die Triumph einfach unterhaltsam weg. Auf ihr freut man sich jede Sekunde, die man mit ihr verbringt. Auf der Kawasaki ist man froh, dass man weitergekommen ist. Noch einen Spruch zum Schluss: Das Bessere ist des Guten Feind. Die Kawa stresst nicht, die Triumph begeistert.

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