Kawasaki ZX-7/S (Archivversion) Gute Hausmannskost

Mit Qualitäten wie Zuverlässigkeit, Handlichkeit und günstigem Preis geriet die Kawasaki ZR-7 auf Erfolgskurs. Für Tourenfahrer eine günstige Alternative?

Eine Alternative zur Zephyr 750 war Ende der 90er Jahre dringend notwendig im Kawasaki-Programm. Klassischer Retrolook zog nur noch wenige Käufer an. Die 1999 präsentierte Nachfolgerin ZR-7 kam mit gefälligerer Linienführung und modernerem Fahrwerk, aber dem alten luftgekühlten Vierzylinder relativ unauffällig daher. Mit dem rund 700 Euro niedrigeren Preis im Vergleich zur Zephyr war sie jetzt das günstigste Angebot in ihrer Klasse. Die Verkaufszahlen der ZR-7 – im ersten Jahr blieb die Zephyr parallel im Programm – machten schnell deutlich, dass mit dieser Preispolitik und dem Facelifting hin zum Geschmack einer jüngeren Kundschaft ein erfolgreicher Wechsel eingeleitet worden war. Das Konzept sollte den Erfolg der 600er- Konkurrenz wie Suzuki Bandit, Honda Hornet und Yamaha Fazer in der 750er-Klasse wiederholen. Immerhin haben bislang zirka 7500 Käufer die ZR-7 in der unverkleideten oder in der ab 2001 mit Halbschale angebotenen S-Version erworben.Mit ein Grund für ihren überraschenden Erfolg bei der touristischen Klientel dürfte der komfortable Arbeitsplatz sein: Knieschluss am Tank, Abstand zwischen Fußrasten und bequemer, langstreckentauglicher Sitzbank, Kröpfung und Breite des Lenkers sowie einstellbare Kupplungs- und Bremshebel sind im Vergleich zur unmittelbaren Konkurrenz in der Mittelklasse Spitze. Mit großem 22-Liter-Tank sowie einem trotz Gepäcksystem noch bequemen Soziusplatz bietet sich die ZR-7 wie von selbst zum Reisen zu zweit an.Zumal das komfortable Fahrwerk auch größere Distanzen sozial verträglich abfedert. Das an Kopf und Zylindern überarbeitete Triebwerk aus der Zephyr hat nur wenig von den etwas poltrigen Laufeigenschaften verloren. Ein Spannmechanismus mindert das Geräusch der altmodischen Primärkette, die elastische Motorlagerung die gröberen Vibrationen. In den Soziusfußrasten allerdings machen sie sich bei sensiblen Beifahrern immer noch störend bemerkbar.Im letzten Gang kurz übersetzt, gibt sich der Motor bei freier Fahrt und kontinuierlich höheren Drehzahlen schluckfreudig, ein Verbrauch von bis zu acht Litern lässt dann die Tankpausen unter die avisierte 300-Kilometer-Distanz sinken. Bei Klagen über das nicht immer exakt einrastende Fünfganggetriebe muss lediglich Spiel und leichtgängiges Funktionieren der lang geratenen Umlenkung gewährleistet sein.Sportlich ambitionierte ZR-Treiber monieren die zu weiche Feder der Telegabel speziell der Jahrgänge 1999/2000, mit Einführung des S-Modells verwendete Kawasaki progressivere Gabelfedern. Andererseits nahm die Kritik ab Modell 2001 an einer unsensibel ansprechenden Vorderradbremse zu. Mit Stahlrahmen, traditionell mächtigem Motorblock noch aus den 80er Jahren und großem Tankvolumen ist die ZR-7 mit rund 230 Kilogramm nicht gerade ein Leichtgewicht. Trotzdem eignet sich der Vierzylinder mit dem fülligen Drehmoment ab 3000/min und der gegenüber der 600er-Konkurrenz weniger nervösen Charakteristik der Leistungsabgabe gerade für Einsteiger, denn die ZR-7 gibt es auch mit 34 PS. Und kurzbeinige Piloten können die Sitzhöhe von rund 80 Zentimetern mit einer von Kawasaki angebotenen flacheren Bank für jederzeit sicheren Bodenkontakt um rund vier Zentimeter senken.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote