Kellermann lässt Fernost-Plagiate vernichten M48 Kampfpanzer zerstört Mini-Blinker

Kellermann lässt 1900 Blinker von einem 45-Tonnen-Kampfpanzer überrollen. Und warum dieses Gemetzel? Es geht nicht nur darum, Plagiate aus Fernost zu vernichten, sondern auch um die Botschaft: Wir sehen nicht tatenlos zu.

Was passiert eigentlich, wenn Kellermann Möchtegern-Kellermänner in die Finger bekommt?
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45 Tonnen, 820 PS, zwölf Zylinder und knapp 30 Liter Hubraum - dagegen machen sich 1900 Mini-Blinker als eher bescheidenes Häuflein aus. Schweres Geschütz gegen wehrlose Fußsoldaten. Und als ob die Unterlegenheit der kleinen Fahrtrichtungsanzeiger nicht schon groß genug wäre, scharrt man sie noch in eine saubere Spur, sodass der Stahlkoloss sie in einem Durchgang plattmachen kann.

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Warum der ganze Aufwand?

Warum der ganze Aufwand? Die Aachener Firma Kellermann stellt seit 1995 Highend-Blinker her und entdeckt immer häufiger Plagiate ihrer Produkte. Die meist übers Internet vertriebenen falschen „Kellermänner“ verletzen Patent- und Geschmacksmusterrechte. Die hier eingestampften Mini-Blinker bot ein deutscher Händler im Netz an. Sie sehen dem Kellermann Micro 1000 zum Verwechseln ähnlich und wurden weit unter dem Preis des Originals (59,95 Euro) angeboten. Der Händler bekam eine Abmahnung, Urteile über bereits gewonnene Geschmacksmusterprozesse beigelegt. „Das reicht oft schon“, sagt Guido Kellermann, Gründer und Geschäftsführer der Firma.

„Die meisten meinen, dass wir nichts gegen den Handel mit Plagiaten unternehmen, weil das viel Zeit und Geld kostet.“ Aber das nimmt Kellermann in Kauf. Und damit das möglichst viele mitbekommen, bringt er den 3,2 Meter hohen und 3,6 Meter breiten M48-Panzer in Position. Allein beim Anlassen schluckt das Ungetüm 20 Liter Treibstoff. Bis alle zwölf Zylinder rund laufen, bewegen sich die versammelten Schaulustigen auf einem akustischen Schlachtfeld. Wären die Blinker hinter dem Panzer platziert worden, hätte sie allein die vibrierende Luft womöglich schon zerbröselt. Guido Kellermann hätte die Vernichtungsschlacht am liebsten selbst gefochten. Aber der Kampfpanzer wird über zwei Handhebel gesteuert, Wenden und Rangieren erfordern Übung.

Erst Panzer, dann Abmahnung?

Rrrrooooaaaarrr! Ganz langsam rollt das Monster über die Fälschungen. Erstaunlich, wie mini die Mini-Blinker plötzlich sind. 1900 Stück drängen sich zu einem erbärmlichen Häufchen zusammen, statt sich zu einem Gegner für den M48 zu formieren. Die meisten umhüllt noch die Verpackung, damit wenigstens etwas Volumen in die Sache kommt. 1100 Liter Kraftstoff schnupft der Panzer auf 100 Kilometer weg. CO2-Bilanz? Grausam. Abschreckungseffekt für Fälscher? Fraglich. Denn produziert wird vorwiegend in Taiwan oder China, stets jedenfalls in Fernost. Da ist nicht ranzukommen. Die Händler aber sitzen in Deutschland, und an die richtet Guido Kellermann seine unmissverständliche Botschaft: Ist der Haufen noch so mickrig, wir scheuen weder Aufwand noch Anwaltskosten. Erreicht sie diese Botschaft nicht, die Abmahnung tut es bestimmt.

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