Kommentar (Archivversion) Kawasakihängt ab

Diese Überschrift steht zu Recht im Aktiv. Denn Kawasaki, so scheint es, wird nicht etwa von der Konkurrenz abgehängt, sondern hängt sich selbst ab. Der Grund: So-gar bei der Realisierung Erfolg versprechender Konzepte geraten die Grünen spätestens ab der zweiten Auflage in große Gefahr, sich zu verstolpern, in einem Wust hochartifizieller Design- und Detaillösungen die Richtung zu verlieren. Dafür geben die Z 1000 und die Z 750 ebenso eindrückliche Beispiele ab wie die Supersportler ZX-10R und ZX-6R. Verspielte, zerstylte Nachfolger von schlichten, geradlinigen Urmodellen bekamen von vielen Fahrern gar nicht erst die Chance, den in ihnen steckenden technischen Fortschritt zu zeigen. Falls dieser nicht sowieso in Mehrgewicht und zweifelhaften Erstbereifungen erstickte.

Und für die heute mehr den je benötigte Restrukturierung des Modellprogramms verfügt Kawasaki offenbar über zu geringe Entwicklungskapazitäten, aus welchen Gründen auch immer. Das trat in diesem Frühjahr auf vielen Feldern akut und schmerzhaft zutage: in den Verkaufszahlen auf dem deutschen Markt, in der MotoGP-Weltmeisterschaft, der Superbike-WM und jetzt sogar in der Superbike-IDM, wo die aktuelle ZX-10R einfach nicht richtig ins Laufen kommt. Überall ist die Konkurrenz dank ihrer Kontinuität und größeren Stringenz weit enteilt.Die kommende ZX-6R jedenfalls muss zwei Ziele haargenau treffen – die Konkurrenz und das Herz der Fans.
Ralf Schneider, Redakteur

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