Kommentar von MOTORRAD-Testredakteur Matthias Schröter ABS? Ein Muss. Gerade auch für Supersportler

Der Erfolg von BMW-Motorrädern basiert zu einem gut Teil auf der Tatsache, dass die komplette Modellpalette mit ABS ausgerüstet werden kann. Die überwältigende Mehrheit der Kundschaft ordert ABS als Extra – oder erhält es sogar serienmäßig. Die Bayern beschäftigen sich schon seit Jahren mit diesen Sicherheitsfeatures und vermarkten es offensiv. Umso mehr verwundert es, dass andere Hersteller sich des Themas ABS eher zaghaft annehmen. Über die Gründe darf spektuliert werden, Honda beweist mit der VFR eindrucksvoll, wie gut ein japanisches ABS in Verbindung mit einer Intergralbremse funktionieren kann. Alle fünf Testteilnehmer erreichen mit der VFR hervorragende Verzögerungswerte, alle fühlen sich beim Bremsen am physikalischen Limit pudelwohl, egal, ob Einsteigerin oder Routinier.

Auch haben einige aus dem Supersportlager ihre Meinung zu ABS nach diesem Testtag revidiert. Hat gar nicht wehgetan, diese Selbsterfahrung. In der Sportfraktion herrscht leider noch immer die hartnäckige Meinung vor, ABS sei etwas für die Tourer- und Gore-Tex-Fraktion, aber nichts für echte Sportler. Gerade so, als mache ABS langsam. Was für ein Irrglaube. Ich spreche aus leidvoller Erfahrung. Im letzten Jahr verunglückten zwei meiner Freunde schwer. Zweimal die klassische Nummer mit dem Trecker und dem Feldweg. Zwei fatale Unfälle: Einer rammte samt Italo-Supersportler den Anhänger und wird noch lange mit den Folgen der Verletzungen zu schaffen haben. Für den anderen endete es tödlich. Er überschlug sich beim Bremsen und brach sich das Genick.

Unfälle, ich weiß, ein Tabu. Wird totgeschwiegen, manchmal im wahrsten Sinne des Wortes. Motorradfahren ist für mich das faszinierende Hobby der Welt. Es birgt Risiken, dessen bin ich mir bewusst. Jede Art der Fortbewegung kann tödlich enden. Schon klar. Aber bewusst auf ABS zu verzichten oder es für Supersportler nicht anzubieten ist fahrlässig. Genau wie der Erklärungsversuch von Ducati für das so genannte »Sport-ABS«, das genau den Ansprüchen der Kundschaft entspreche soll. Wenn es selbst Testprofis schwer fällt, damit am Limit zu bremsen, wie sollen es dann ganz normale Menschen geregelt bekommen. Vielen Dank für den Versuch, Ducati, doch ausgereift ist das System erst dann, wenn kein Überschlag mehr droht. Das wäre ein echtes Sport-ABS. Keiner unserer Teilnehmer wollte nach dem Beinahe-Salto von Volker das System ausreizen, weil ihnen auf gut deutsch der Arsch hochging. Ich bin überzeugt: Sobald Rossi und Co. auf der Rennstrecke mit ABS auch nur ein Zehntel pro Runde gewinnen würden, wären binnen kurzer Zeit alle Supersportler ohne ABS unverkäufliche Museumsstücke.

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