Kontakt mit BFG 1300 Odyssée (Archivversion) Auf Odysée

Un(v)erhofft kommt oft: Während einer Testfahrt an der Côte d’Azur entdeckte ein MOTORRAD-Testteam eine höchst seltene BFG 1300 »Odyssée« am Straßenrand. Von diesem 1980 präsentierten BMW-Konkurrenten aus Frankreich entstanden nur 683 Exemplare. Erzählt der flugs aus seinem Häuschen herbeigeeilte Besitzer, Bernard Fagioli. Italienische Vorfahren hat er – und bereits sagenhafte 384959 Kilometer im extrem gestuften Sattel des
Kardan-Tourers abgespult. »Praktisch ohne Probleme«, erläutert der Monsieur, »das ist noch der Originalmotor. Nur die Kupplung musste ich zweimal tauschen.«
Kein Wunder, kommt in dem Franzosen-Bike doch langlebige Automobiltechnik zum Einsatz – so wie hier und heute drei Sprachen, Hände und Füße zum
Erläutern. Europa live! Der Vierzylinder-Boxermotor hatte sich schon vor der BFG millionenfach bewährt, als Antrieb des Citroën GS. Ein 96 Kilogramm schwerer Klotz, 1299 cm3 groß und nominell 70 PS stark. Echte 64 PS bescheinigte der Leistungsprüfstand seinerzeit und bulliges Drehmoment: 105 Newtonmeter liegen bereits bei 3250/min an.
Je zwei Ventile steuern den Gaswechsel der 325-Kubik-Zylinder, deren Antrieb übernehmen automobiltypisch Zahnriemen und je eine oben liegende Nockenwelle
pro Zylinderbank, die Gemischaufbereitung
erledigt ein Doppelvergaser. Kraftschluss stellt wie bei BMW eine Einscheiben-
Trockenkupplung her. Das Gehäuse für die Gebläsekühlung ist recht unauffällig in die wuchtige Tourenvollverkleidung integriert. Ein zusätzlicher Ölkühler liegt flach überm Flat-Four. Unter der Tankattrappe verstecken sich Batterie und Airbox.
Interessant ist das Fahrgestell der fetten Französin, ein von BFG gebauter Brückenrohr-Rahmen aus Chrommolybdänstahl. Nicht der Motor – er ist frei schwebend ans Fünfganggetriebe angeflanscht –, sondern das Getriebegehäuse fungiert als tragendes Element. Selbst die Schwingenlagerung befindet sich im massiven Getriebegehäuse. Reichlich antiquiert wirken die 18-Zoll-Rädchen, auf denen
die vollgetankt 292 Kilogramm schwere Madame stolziert: vorne 90, hinten ganze 120 Millimeter breit. Ins Rahmendreieck verkrümelt sich der 24-Liter-Tank, günstig für einen tiefen Schwerpunkt.
Bernard schätzt nicht nur die Zuverlässigkeit der BFG, die er liebevoll »Traktor« nennt, sondern auch den Fahrkomfort. Bei Tachoanzeige 150 – die Instrumente stammen aus dem seligen Renault 5 Alpine – vermeldet der Drehzahlmesser gerade mal 5000 von maximal möglichen 6700 Umdrehungen. »Die läuft auch 200, ohne zu pendeln«, freut sich der Franzose über den guten Geradeauslauf. Und das nach beeindruckenden 24 Jahren inniger Beziehung: Bernard kaufte die BFG bereits 1981, und noch immer muss der Youngtimer als
Alltagsmuli herhalten; für sonntags hat er eine – ebenfalls seltene – Ducati Paso in der Garage stehen. Doch wegen des guten Wind- und Wetterschutzes bevorzugt er für lange Etappen die BFG.
Das Erfolgsrezept für heldenhafte
Marathonqualitäten? Penible Wartung und
gewissenhaftes Warmfahren! .»Sehr einfach« seien zudem die Inspektionen an
der BFG, erklärt der 61-jährige Pensionär: Alle 10000 Kilometer wechselt er Öl- und Ölfilter, »immer nur gutes, synthetisches SAE 5W50«, ferner noch den Luftfilter. Alle 40000 Kilometer inspiziert er das Innenleben von Kardan und Getriebe und spendiert ihnen frischen Schmierstoff. Und alle 60000 Kilometer tauscht er die beiden Zahnriemen aus.
In Deutschland sind übrigens nur drei BFG unterwegs, alle als Gespannmaschinen, erzählt Odysseus Bernard vorm
»Au revoir«. Die Sonne lacht wie üblich, ihn rufen neue Heldentaten auf Tour. tsr

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel