KTM 990 Superduke R (Archivversion) WILDE REITER Gmbh

Er kämpft auf seiner 1000er-MV. Ganz gewaltig sogar. Im tiefen Bückling auf seine Stummellenker gestützt und mit engagiertem Hanging-off versucht der MV Agusta-Pilot, den Kerl vor ihm auf dem winkligen Kurs von Valencia aufzuschnupfen. Der aber thront lässig aufrecht auf seiner in geheimnisvolles Schwarz getauchten KTM und ist einfach nicht zu knacken. So verwegen knallt er in die Ecken, zieht an deren Ausgang so machtvoll davon. Erst die lange Zielgerade gibt dem Verfolger die Gelegenheit,
die Kraft seines Vierzylinderreaktors in ein Überholmanöver
umzumünzen. Mit dem Erfolg, dass der KTM-Treiber bereits
beim Anbremsen der nächsten Kurve wieder wie ein Terrier am Hinterrad der MV hängt und bei der nächsten Kehre erneut
innen durchstechen will. Normal ist das nicht. Jedenfalls keine normale Superduke. Was da so herzerfrischend schräg und laut um den Kurs ballert, ist eine schwer angeschärfte Version.
Nun ist ja so eine Superduke an sich schon ein recht exklusives Vergnügen. Doch es geht noch wilder, noch schärfer. Denn wie beispielsweise bei Ducati oder MV Agusta hält auch der freundliche KTM-Händler eine Palette mit markeneigenem Zubehör bereit, mit deren Hilfe sich die Modelle der Orangen gewaltig aufpeppen lassen. Im Falle der Superduke heißt das: Leistung rauf, Gewicht runter. KTM griff einmal in die Vollen, spendierte der 990er so ziemlich alles, was der Katalog hergibt und schmückte sie mit dem Kürzel ýÿRýÿ. Gut 16 Kilogramm weniger als die Serie schleppt die derart veredelte Tuning-Variante mit sich herum.
Dafür braucht es einen Haufen Kohle. Bug- und Seitenspoi-
ler, Lampenmaske, Schutzblech, Heckverkleidung: sämtlich aus schwarz schimmerndem Kohlefaser-Laminat gefertigt. Karbonschnipsel zieren die Fußrasten, schützen die Motordeckel und verschönern den Tank. Auf Wunsch gibtýÿs gar ein komplettes Spritfass aus dem edlen Geflecht. Der Hit sind aber die TÜV-
geprüften Dymag-Kohlefaserräder. 35 Prozent Gewichtsersparnis. Sagt KTM. Irrsinns-Handling. Sagt der erfreute Pilot. Die belebende Wirkung leichter Räder auf das Handling ist schließlich bekannt. Bereits im Serientrimm überaus agil, lässt sich der schwarze Ballermann noch eine ganze Kante zackiger abwinkeln.
Ein Teil des Handlichkeits-Gewinns geht auch auf das Konto des Federbeins. Die Schwinge stützt sich über ein Racing-Federbein von White Power ab. Das besitzt eine straffere Abstimmung, eine härtere, titanfarbige Feder und eine Titannitrid-beschichtete Kolbenstange für besseres Ansprechen. Es ist zudem länger als das Original und hebt das Heck handlingfördernd an. Was der
Pilot bereits beim Aufsitzen an der etwa 30 Millimeter höheren Sitzposition spürt. Aber: ýÿSollte nur gemeinsam mit der Racing-Gabel verwendet werdenýÿ, empfiehlt der Katalog.
Und entsprechend führt eine WP-Racing-Forke mit ebenfalls Titannitrid-beschichteten Gleitrohren das Vorderrad. Die Balance von Front und Heck ist absolut gelungen. Straff, sensibel, wie
gemacht für herzhaft-knackige Schräglagenwechsel und wüste Bremsmanöver auf der letzten Rille. Für mehr Druck aus dem Maschinenraum sorgen zwei Akrapovic-Titan-Schalldämpfer unter dem Heck. Die Slip-on-Endtöpfe sind nicht nur sauber verarbeitet und laut KTM 5,5 Kilogramm leichter als die Original-Teile. Sie sorgen dank angepasstem Mapping auch für eine mustergültige Leistungskurve, die fast über den ganzen Drehzahlbereich rund fünf bis sieben PS über der Serie liegt und in stolzen 126 PS gipfelt.
Klingt verdammt gut. Und geht noch besser. Mit mächtiger Stimme hängt der V2 am Gas. Spontan, beinahe bissig. Er lässt die KTM selbst im zweiten Gang häufiger auf dem Hinterrad tanzen und ohne viel Federlesens flott bis zum Drehzahllimit stürmen. Wo er übrigens öfter als geplant im Begrenzer zappelt. Weil kein Nachlassen des Schubs vom Ende des Drehzahlbandes kündet und man am liebsten weiter Vollgas stehen lassen möchte.
Noch mehr Leistung und noch weniger Gewicht soll eine
Komplettanlage aus Titan bringen. Und das ýÿ im Gegensatz zu den Racing-Endtöpfen ýÿ mit ABE. Damit dürfte die Superduke vollends zum Big-Bike-Schreck mutieren. Zum Schrecken des Bankberaters wird sie damit in jedem Fall, denn billig ist der Umbau nicht. Die verwendeten Teile summieren sich auf rund 11345 Euro. Aber es muss ja nicht gleich das volle Programm sein. abi

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