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Ja was denn nun? Derzeit laufen Testfahrten mit der Sporttourer-Variante der Super Duke – und zwar mit und ohne Scheibe.

KTM Duke 800, neue 1290er, renovierter 690er Neuer Paralleltwin für 2016

Erste Erlkönigbilder lassen einen Hubraum um die 800 cm³ in einer KTM Duke vermuten. Außerdem: Sporttourer-Ableger der 1290er-Super Duke und renovierter 690er-Single.

Dass dieser Motor kommen würde, war klar. Immerhin betrachtet KTM-Chef Stefan Pierer seine Pläne in der Regel auch als sportliche Kampfansage an die Konkurrenz. In welcher Konfiguration er kommen wird, war auch ein offenes Geheimnis. Nur wann er genau kommt, dar­über durfte bislang spekuliert werden. Und in was für einem Bike, denn der Neue wird wohl eine ganze Modellfamilie begründen.

Beide Fragen kann man nun relativ sicher beantworten. Warum? Weil der MOTORRAD-Erlkönigjäger jüngst ein weitgehend serienreifes Exemplar der neuen 800er erwischte. Nach dessen fortgeschrittenem Entwicklungszustand darf man getrost davon ausgehen, dass im Modelljahr 2016 eine neue Mittelklasse-Duke das Modellprogramm bereichern wird. Und zwar eine mit Paralleltwin.

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Kompakter, komplett neu entwickelter Motor

Warum Paralleltwin wird sich der eine oder andere Leser vielleicht fragen? Hat KTM nicht eine relativ junge, aber doch sehr erfolgreiche V2-Tradition? Natürlich, antwortet der Techniker. Aber so ein V2 hat neben vielen faszinierenden Facetten auch mindestens drei handfeste Nachteile. Erstens ist er groß, zweitens ist er schwer – und drittens ist er teuer. In Relation zum Paralleltwin verhält er sich damit ungefähr so wie der Flachdach-Bungalow zum Reihenmittelhaus: faszinierend, aber purer Luxus. Für den hart umkämpften, aber stückzahlenmäßig großen Mittelklassemarkt und die gewünschte Rendite sind das schlechte Voraussetzungen.

Das aber, was der MOTORRAD-Computerkünstler Kar Lee aus der KTM Duke 800 im Tarnanzug machte, dürfte beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere in diesem umkämpften Feld haben. Drahtig steht er da, der neue Twin, luftig und leicht. Keine Frage, der kompakte, komplett neu entwickelte Motor mit vermutlich rund 800 Kubikzentimetern gibt den Fahrwerkstechnikern freie Hand, um drum herum ein ebenso kompaktes Motorrad zu zeichnen. Technisch gesehen be­deutet das: Aus dem bisherigen Gitterrohr­rahmen, dessen Rahmenrohre auf beiden Seiten am Zylinder vorbeiführen, wird eine ­etwas weniger verstrebte Variante, deren Rohre sich schon vor dem Lenkkopf über dem flach bauenden Motor vereinigen. Dort ist auch Platz für eine zweite, kostensparende Lösung, nämlich ein direkt angelenktes ­Federbein, was zwar bei der Computerretusche nicht ohne Weiteres, bei der zweiten Erlkönig-Ansicht von der Seite aber zweifelsfrei zu erkennen ist. Auf diesem ­Foto wird auch die Auspuffführung offenbar. Die in einem kühnen Parallelschwung auf der rechten Seite geführten Krümmer münden vor dem Hinterrad in einen Sammler. Von dort werden die Abgase über einen zierlichen, schon serienmäßig wirkenden Schalldämpfer ins Freie entlassen.

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Erlkönig mit WP-Gabel und Brembo-Bremszangen

Was darf man nun von dem neuen Motor – und von der neuen KTM Duke 800 – konkret erwarten? Diese Frage ist angesichts dieser Bilder nicht ganz einfach zu beantworten, denn offensichtlich ist der Erlkönig kein Billigheimer, sondern ein mit hochwertiger WP-Gabel und feinen Brembo-Bremszangen ausgestattetes Naked Bike. Auch hört man, dass die neue Mittelklasse-Duke nicht in Indien bei Partner Bajaj, sondern in Mattighofen produziert werden wird. Beides spricht für eine Ansiedlung in den Preis­regio­nen deutlich jenseits der 10.000 Euro und für eine Motorleistung rund um die 110 PS. Die zweite, bei KTM durchaus übliche Variante: Beim Erlkönig handelt es sich um das R-Modell­, die günstigere Variante mit weniger teuren Komponenten – und vielleicht auch Führerschein-A2-tauglichen 95 PS – wird später nachgeschoben. Gewiss hingegen dürfte ein Hubzapfenversatz von 270 Grad sein, denn auch der Paralleltwin sollte bei KTM nach V2 klingen. Ebenso soll­te es ­ge­lingen, das Gewicht spürbar unter 200 ­Kilogramm zu halten. Und der Preis einer ­solchen Basisvariante dürfte keinesfalls fünfstellig ausfallen, sondern deutlich dar­unter. 

Sporttourer-Ableger der 1290er-Super Duke

Bei einem anderen, schon etwas länger bekannten KTM-Projekt, dem Sporttourer-Ableger der 1290er-Super Duke, kann man diese Preisregionen von vornherein ausschließen. Hier wird es ans Eingemachte gehen – und darum, der BMW S 1000 XR und der Ducati Multistrada einen tourentauglicheren Mitbewerber an die Seite zu stellen. Erstaunlich sind jedoch zwei Dinge: zum einen, dass die KTM-Mannschaft den Sporttourer sowohl mit als auch ohne Scheibe testet (siehe unten und links). Und zum anderen, welch mächtiges Spritfass und welch ausladende Tank- und Kühlerverkleidungen er spazieren fährt. Sollten dort zwei Varianten angedacht sein? Das erscheint nicht sinnvoll, denn die Nähe des scheibenlosen Sporttourers zur nackten Super Duke R wäre schon erstaunlich, während eine niedri­gere Alternative zur riesigen Super Adventure durchaus logisch wäre.

Nochmals stärkerer 690er?

Ebenso logisch ist es, dass die Mattig­hofener ein anderes Prestigeobjekt fit für die Zukunft machen. Es geht um den Single. Und es geht darum, dass KTM mit den bollernden Eintöpfen nach wie vor ordentlich Geld verdient. Was also liegt näher, als hier am Ball zu bleiben? Allerdings sind die Unterschiede bei der getarnten KTM Duke 690 wohl eher technischer Natur, denn offensichtlich ist alles beim Alten. Man munkelt von ei­nem nochmals stärkeren Motor. Gut möglich, denn die letzte Renovierung liegt mit dem Modelljahr 2012 schon etwas zurück. Selbst wenn man in diesem Segment momentan praktisch keine Gegner hat.

Foto: bmh-images
Die Metamorphose: Aus KTM wird Husqvarna, hier am Beispiel der 690er-Duke. Die technische Basis bleibt dabei unverändert.
Die Metamorphose: Aus KTM wird Husqvarna, hier am Beispiel der 690er-Duke. Die technische Basis bleibt dabei unverändert.

Husqvarna ante portas

Foto: bmh-images
Der Erlkönig zeigt Ansätze dazu, ist aber auch noch ganz nah an der Duke.
Der Erlkönig zeigt Ansätze dazu, ist aber auch noch ganz nah an der Duke.

Husqvarna 401 Vitpilen

Nicht nur in der hauseigenen Modellpalette tut sich einiges, auch unter dem Label Husqvarna ist in Österreich seit der KTM-Übernahme ordentlich Druck auf dem Kessel. „Diese Maschinen werden nicht „retro“ sein wie die anderen, nämlich old fashioned, billig, recycelter Schrott“, provozierte Stefan Pierer im MOTORRAD-Interview (Heft 11/2015). „Da wird man den coolen Power Cruiser ebenso sehen wie moderne Klassiker, aber mit State-of-the-Art-Komponenten.“ 

Was der KTM-Chef damit meinte, kann man ganz frisch am Beispiel der 690er-Duke im Husqvarna-Stil (oben) sehen. Was da entsteht, ist eine 690er-Duke mit der Linien­führung der im letzten Jahr in Mailand prä­sentierten 401 Vitpilen, die technisch auf der kleinen 390er-Duke beruht. Dieser Schritt ist logisch und wird sich laut Pierer nach und nach über das komplette KTM-Programm erstrecken. Will heißen: Wo es eine KTM gibt, wird es in Zukunft auch das Husqvarna-Pendant geben. Das wird sich zwar nicht technisch, wohl aber optisch gründlich von der KTM-Linie absetzen.

Foto: Husqvarna
Da soll es hingehen: Die 401 Vitpilen sei nahe an der Serie, heißt es bei KTM.
Da soll es hingehen: Die 401 Vitpilen sei nahe an der Serie, heißt es bei KTM.

Bei der 701 Vitpilen ist wie bei der kleinen 401er (Erlkönig) gut zu sehen, was gemeint ist. Eine flache, puristische Heckpartie, ein flacher, breiter Lenker – das deckt sich weitgehend mit der EICMA-Studie (Bild oben). Beim Tank hingegen sind bei den Versuchsträgern die Duke-Gene noch unübersehbar und weit weg vom schlanken Show-Bike. Die technische Nähe wird auch bei den Auspufflösungen sichtbar. Bei der kleinen Vitpilen ist das kein Problem, die Duke-­Lösung harmoniert gut mit der neuen Linienführung. Die große Schwester hingegen wird sich später gewiss ohne Verkleidungsbug nicht unter das fahrende Volk trauen. Ausladend hängt der zentrale Schalldämpfer unter dem Motor, die Krümmerführung entspricht exakt der Duke. Das sieht nicht schön aus, aber die Aufnahmen für die Bugverkleidung sind ebenfalls nicht zu übersehen. Ob die Husqvarnas später mit Speichenrädern (wie die Studie) oder mit Gussfelgen (wie die Erlkönige) kommen, muss zunächst offen bleiben. 

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